Apple hat eine aktualisierte Version seines Mixed-Reality-Headsets Vision Pro mit dem neuen M5-Chip und der Software visionOS 26 auf den Markt gebracht. Während die Hardware-Verbesserungen spürbar sind und die Integration mit dem Mac beeindruckt, bleiben grundlegende Herausforderungen wie mangelnde App-Unterstützung und ein hoher Preis bestehen. Die Zukunft der Plattform scheint an einem entscheidenden Punkt zu stehen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die neue Vision Pro wird vom M5-Chip angetrieben, der für eine moderate Leistungssteigerung und eine längere Akkulaufzeit sorgt.
- Ein neues Kopfband, das „Dual Knit Band“, verbessert den Tragekomfort erheblich, besonders bei längerer Nutzung.
- Die Funktion als externer Mac-Monitor wurde stark verbessert und ist eines der überzeugendsten Anwendungsgebiete.
- Die Unterstützung durch Drittanbieter-Apps bleibt eine große Schwäche, viele wichtige Anwendungen wie Netflix oder YouTube fehlen weiterhin als native Apps.
- Funktionen wie Personas und EyeSight werden kritisch gesehen, da sie die Kosten und das Gewicht erhöhen, ohne einen klaren Alltagsnutzen zu bieten.
Hardware-Verbesserungen im Detail
Knapp zwei Jahre nach der ursprünglichen Einführung erhält die Vision Pro eine Auffrischung. Herzstück des neuen Modells ist der Apple M5-Chip. Dieser sorgt für eine spürbare, wenn auch nicht revolutionäre Leistungssteigerung. Besonders bei grafisch anspruchsvollen Anwendungen und Spielen macht sich der schnellere Prozessor bemerkbar.
Eine der wichtigsten Neuerungen ist jedoch nicht im Inneren zu finden, sondern am Kopf. Das neue „Dual Knit Band“ soll eines der größten Probleme des Vorgängers lösen: den Tragekomfort. Es verteilt das Gewicht des Headsets besser auf dem Kopf, was den Druck auf das Gesicht reduziert. Ein einfacher Drehknopf ermöglicht die präzise Anpassung des oberen und hinteren Bandes.
Technische Neuerungen
- M5-Chip: Verbesserte Grafikleistung und Effizienz.
- Akkulaufzeit: Etwa 30 bis 60 Minuten länger, ausreichend für die meisten Spielfilme.
- Sichtfeld: Um circa 10 Prozent erweitert.
- Passthrough-Modus: Unterstützt jetzt eine Bildwiederholfrequenz von bis zu 120 Hz.
Die verbesserte Effizienz des M5-Chips führt zu einer willkommenen Verlängerung der Akkulaufzeit. Während beim ersten Modell das Ansehen eines längeren Films zur Zitterpartie werden konnte, bietet das neue Gerät nun genügend Puffer für fast jeden Blockbuster. Zusammen mit einem leicht vergrößerten Sichtfeld und einer flüssigeren Darstellung der realen Umgebung (Passthrough) sind dies sinnvolle, aber evolutionäre Verbesserungen.
Software: Zwischen Qualität und Quantität
Mit visionOS 26 hat Apple auch die Software weiterentwickelt. Die anfänglich enttäuschende Veröffentlichungsfrequenz von immersiven Inhalten hat sich verbessert. Besonders die neue App „Spatial Gallery“ sticht hervor. Sie funktioniert ähnlich wie ein soziales Netzwerk für 3D-Fotos und -Videos und bietet kurze, eindrucksvolle Erlebnisse, die die Stärken des Geräts demonstrieren.
Die verfügbaren Inhalte, insbesondere Apples eigene immersive Videos, sind von außergewöhnlich hoher Produktionsqualität. Ein Beispiel ist ein autobiografischer Film über den U2-Sänger Bono, der die kreativen Möglichkeiten des Formats eindrucksvoll zur Schau stellt. Trotzdem ist das Gesamtangebot überschaubar und reicht nicht aus, um Nutzer täglich stundenlang zu binden.
Das App-Problem bleibt ungelöst
Die größte Hürde für die Vision Pro ist und bleibt die mangelnde Software-Unterstützung durch Drittanbieter. Viele alltägliche Produktivitäts-Apps wie Slack, Firefox oder Todoist laufen auf dem Headset, allerdings nur als iPad-Versionen in einem zweidimensionalen Fenster. Echte, für die räumliche Darstellung optimierte Apps sind selten.
iPad-Apps vs. native visionOS-Apps
visionOS kann Apps ausführen, die für das iPad entwickelt wurden. Diese erscheinen als flache, rechteckige Fenster im Raum. Native Apps hingegen können den dreidimensionalen Raum nutzen, um interaktive Objekte darzustellen oder Informationen auf neue Weise zu visualisieren. Der Mangel an nativen Versionen populärer Apps schränkt das Potenzial der Plattform stark ein.
Selbst nach fast zwei Jahren gibt es immer noch keine offiziellen Apps von Netflix oder YouTube. Nutzer müssen auf den Browser ausweichen, was oft mit einer schlechteren Bildqualität verbunden ist. Diese Lücke im Unterhaltungsbereich ist für ein Gerät, das 3.500 US-Dollar kostet, schwer zu rechtfertigen.
Der Mac-Monitor als heimliches Highlight
Wo die Vision Pro wirklich glänzt, ist in der Zusammenarbeit mit einem Mac. Die Funktion, das Headset als externen, virtuellen Monitor zu verwenden, wurde massiv ausgebaut und hat sich von einer netten Demo zu einem echten Produktivitätswerkzeug entwickelt.
Nutzer können nun zwischen drei verschiedenen Monitorgrößen wählen, darunter eine extrem breite, gebogene Ansicht, die mehrere physische Monitore ersetzt. Die Einrichtung ist denkbar einfach: Man blickt seinen Mac an und kann sofort einen riesigen, hochauflösenden Bildschirm im Raum platzieren.
Durch eine Reihe von Updates hat Apple eine Proof-of-Concept-Funktion in etwas verwandelt, das wirklich wertvoll ist – besonders für Menschen, die viel reisen oder keinen Platz für große Monitore haben.
Mit dem M5-Modell werden nun auch höhere Bildwiederholfrequenzen von bis zu 120 Hz unterstützt, was für eine flüssigere Darstellung sorgt. Auch die Audio-Übertragung vom Mac zum Headset erfolgt nun automatisch. Diese nahtlose Integration ist aktuell das stärkste Argument für den Kauf einer Vision Pro.
Ein Gerät auf der Suche nach seiner Identität
Apple investiert weiterhin Ressourcen in Funktionen wie Personas und EyeSight. Personas sind 3D-Avatare der Nutzer für Videokonferenzen, die dank Software-Updates inzwischen deutlich realistischer aussehen. EyeSight projiziert eine Simulation der Augen des Nutzers auf das Außendisplay, um soziale Isolation zu verringern.
Allerdings stellt sich die Frage nach dem praktischen Nutzen dieser Technologien. Während ein FaceTime-Anruf mit Avataren eine interessante Erfahrung sein mag, ist es unwahrscheinlich, dass dies die herkömmliche Videotelefonie ersetzt. EyeSight wird oft als eine der Hauptursachen für das hohe Gewicht und den hohen Preis des Geräts angesehen, ohne einen klaren Mehrwert zu liefern.
Viele Beobachter argumentieren, dass Apple sich auf die Stärken der Vision Pro konzentrieren sollte: ein erstklassiges Gerät für Medienkonsum und ein revolutionärer Mac-Monitor. Der Versuch, es zu einem Allzweck-Computer für soziale Interaktionen zu machen, könnte die Entwicklung eines zugänglicheren und erschwinglicheren Produkts behindern.
Der Weg in die Zukunft
Berichten zufolge könnte Apple seine Strategie überdenken und Ressourcen von zukünftigen Headsets auf die Entwicklung echter Smart Glasses umlenken. Für die Vision Pro wäre es jedoch entscheidend, dass das Unternehmen lernt, sich von weniger erfolgreichen Ideen zu trennen – ein Prozess, der in der Kreativbranche als „Kill your Darlings“ bekannt ist. Nur so könnte ein günstigeres „Vision Air“-Modell entstehen, das eine breitere Zielgruppe anspricht.
Die M5 Vision Pro ist ein technologisch beeindruckendes Gerät mit klaren Stärken. Ob diese ausreichen, um die Plattform langfristig zu etablieren, hängt davon ab, ob Apple die richtigen Entscheidungen für die Zukunft trifft und das Ökosystem an Apps endlich wächst.





