Die Beziehung zwischen der NASA und SpaceX, insbesondere im Hinblick auf die Artemis III Mission zur Mondlandung, steht unter genauer Beobachtung. Aktuelle Verzögerungen beim Starship-Programm von SpaceX haben die NASA dazu veranlasst, den Vertrag für das Mondlandefahrzeug erneut für Wettbewerber zu öffnen. Dies wirft Fragen über den Zeitplan und die Machbarkeit der geplanten menschlichen Rückkehr zum Mond auf.
Wichtige Erkenntnisse
- NASA-Administrator Sean Duffy äußert Bedenken wegen Starship-Verzögerungen für Artemis III.
- Der Vertrag für das Mondlandefahrzeug wird neu ausgeschrieben, was Wettbewerber wie Blue Origin begünstigen könnte.
- Starship hat eine lange Testfluggeschichte mit mehreren Fehlschlägen, die die Zertifizierung verzögern.
- Die Größe und ehrgeizige Designphilosophie des Starship sind zentrale Herausforderungen.
- Die Instabilität der US-Raumfahrtpolitik beeinflusst langfristige NASA-Projekte.
Herausforderungen beim Starship-Programm
Das Starship, das die Astronauten der Artemis III Mission zum Mond bringen soll, ist ein ehrgeiziges Projekt. Mit einer Höhe von 50 Metern und der Fähigkeit, 100.000 kg Nutzlast zu befördern, sprengt es die bisherigen Dimensionen der Raumfahrt. Doch diese Größe bringt auch erhebliche technische Herausforderungen mit sich.
Die Zertifizierung eines Raumfahrzeugs für bemannte Flüge, die sogenannte „Human-Rated“-Zertifizierung, erfordert umfassende Tests. Das Starship-Programm von SpaceX hat in dieser Hinsicht die längste Testfluggeschichte in der Raumfahrt. Zwischen 2020 und 2021 gab es sieben kleine Starts der oberen Stufe bis zu einer Höhe von 12,5 km. Nur der letzte dieser Flüge, SN15, landete erfolgreich.
Faktencheck Starship
- Höhe: 50 Meter (obere Stufe)
- Angekündigte Nutzlast zum Orbit: 100.000 kg
- Tatsächliche Nutzlast (letzter Testflug): 16.000 kg
- Geplante Mission: Artemis III (Mondlandung)
Insgesamt gab es bisher elf orbitale Testflüge des vollständigen Starship-Systems, bei denen die obere Stufe mit dem Super Heavy Raketenbooster gekoppelt wurde. Viele dieser Tests endeten nicht wie geplant für die obere Stufe. Die letzten beiden überstanden zwar den Wiedereintritt, kippten aber nach der Landung auf dem Meer um und explodierten.
„Starship soll gleichzeitig der schnellste Weg sein, Menschen auf die Mondoberfläche zurückzubringen und ein zentraler Wegbereiter für das Ziel des Artemis-Programms, eine dauerhafte, nachhaltige Präsenz auf der Mondoberfläche zu etablieren.“
SpaceX-Blogeintrag
Designphilosophie und ihre Folgen
Ein wesentlicher Grund für die aktuellen Schwierigkeiten liegt in der Designphilosophie von SpaceX. Das Unternehmen entwickelt nicht nur ein Mondlandefahrzeug, sondern eine vielseitige Schwerlastrakete, die Nutzlasten in die Erdumlaufbahn, zum Mond oder sogar zum Mars transportieren und auf all diesen Körpern landen kann. Dieser breite Ansatz unterscheidet sich von traditionellen Raumfahrtprojekten, die sich auf sehr spezifische Probleme konzentrieren.
Der Erfolg vergangener und aktueller Weltraummissionen beruht oft auf einem gezielten Fokus. Raumfahrzeuge werden für eine Reihe sehr spezifischer Aufgaben entworfen, wobei die Missionsbeschränkungen genau berücksichtigt werden. Dies zeigt sich beispielsweise in der Concurrent Design Facility (CDF) der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), wo Wissenschaftler und Ingenieure zusammenarbeiten, um Kompromisse bei Masse, Leistung, Antrieb und Budget zu finden, bis ein Raumfahrzeugdesign finalisiert ist.
Um zum Mond zu gelangen, muss Starship in der Erdumlaufbahn betankt werden. Eine einzige Mondmission würde somit ein Dutzend oder mehr Starts erfordern, da zusätzliche Flüge nur zum Betanken eines anderen Fahrzeugs dienen würden. Dieses komplexe Betankungsmanöver ist ein weiterer Faktor, der die Entwicklung und den Zeitplan beeinflusst.
NASA-Bedenken und die Zukunft der Artemis-Mission
Sean Duffy, der amtierende Administrator der NASA, äußerte am 20. Oktober 2025 Bedenken hinsichtlich der Fortschritte von Starship im Hinblick auf die Artemis III Mission, die für 2027 geplant ist. Er kündigte an, den Vertrag für das Mondlandefahrzeug erneut für Wettbewerber zu öffnen. Dies könnte Unternehmen wie Blue Origin neue Chancen eröffnen.
SpaceX reagierte auf Duffys Kommentare mit einem Blogeintrag, in dem das Unternehmen betonte, dass Starship der schnellste Weg sei, Menschen auf den Mond zurückzubringen. Das Unternehmen gab an, 49 Meilensteine für die Mondlandung von Astronauten erreicht zu haben und dass die meisten vertraglichen Meilensteine „pünktlich oder vorzeitig“ erfüllt worden seien.
Hintergrund: Artemis III Mission
Die Artemis III Mission ist ein zentraler Bestandteil des US-amerikanischen Mondprogramms und soll die ersten US-Astronauten seit Apollo 17 im Jahr 1972 wieder auf die Mondoberfläche bringen. SpaceX hatte im April 2021 den Zuschlag für den Bau des Mondlandefahrzeugs erhalten, basierend auf einer modifizierten Version ihres Starship-Raumschiffs.
Trotz der optimistischen Darstellung von SpaceX bleiben technische Hürden. Die angekündigte Nutzlastkapazität von 100.000 kg für den Orbit wurde bisher nicht demonstriert. Beim jüngsten Testflug beförderte Starship eine Dummy-Nutzlast von nur 16.000 kg. Dies ist weniger als die maximale Nutzlast von 22.000 kg für SpaceX' bewährte Falcon 9 Rakete und weit entfernt von der zehnfachen Kapazität, die Starship verspricht.
Politische Einflüsse auf NASA-Projekte
Ein weiterer Aspekt, der die langfristige Planung der NASA beeinflusst, ist die politische Führung und Ausrichtung der US-Regierung. Das aktuelle amerikanische Mondprogramm wurde vor über 20 Jahren unter der George W. Bush-Administration gestartet und erfährt seither alle paar Jahre drastische Umstrukturierungen.
Mit einer wichtigen US-Wahl alle zwei Jahre (Präsidentschafts- und Kongresswahlen) mangelt es der NASA an der nötigen Stabilität für langfristige, groß angelegte Planungen. Die ESA hingegen setzt Ziele über einen Zehnjahreszeitraum und arbeitet stetig darauf hin. Die aktuelle Haushaltspolitik, die eine drastische Kürzung des NASA-Budgets vorsieht, könnte die Probleme im Artemis-Mondprogramm weiter verschärfen.
Budgetkürzungen könnten die US-Beteiligung an internationalen Weltraummissionen wie EnVision, Lisa und NewAthena beenden. Dies würde zusätzliche Finanzierung von anderen Nationen erfordern oder das Ende der Programme bedeuten. Der Verlust der US-Beteiligung könnte wiederum die internationale Unterstützung für Artemis beeinträchtigen, da das Programm stark auf internationale Partner angewiesen ist, beispielsweise für das Orion-Servicemodul und Segmente der Lunar Gateway-Raumstation.
Ausblick auf die nächsten Jahre
Unabhängig davon, welches Unternehmen letztendlich die Astronauten der Artemis III Mission zum Mond befördern wird, stehen in den nächsten ein bis zwei Jahren spannende Entwicklungen an. Dazu gehören die Artemis II Mission, die vier Astronauten auf einen Mondvorbeiflug schicken wird, die ersten Starts der Schwerlastrakete New Glenn von Blue Origin sowie kommerzielle Nutzlasten, die sowohl von SpaceX als auch von Blue Origin zum Mond gebracht werden.
Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich die Wettbewerbssituation entwickelt und welche „vereinfachten Pläne“ die Unternehmen vorlegen, um die menschliche Rückkehr zum Mond zu realisieren. Die Raumfahrt bleibt ein Feld voller Innovationen und Herausforderungen.





