Der beliebte Medienserver-Dienst Plex hat eine wesentliche Änderung seiner Nutzungsbedingungen umgesetzt, die langjährige Anwender direkt betrifft. Der Fernzugriff auf private Mediatheken, der bisher kostenlos möglich war, erfordert ab sofort ein kostenpflichtiges Abonnement. Die Umstellung wird schrittweise eingeführt und beginnt diese Woche für Nutzer der Roku-Plattform.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Fernzugriff auf private Plex-Server ist nicht mehr kostenlos möglich.
- Nutzer oder Server-Betreiber benötigen ein kostenpflichtiges Abonnement wie den Plex Pass.
- Die Änderung wird ab sofort umgesetzt, beginnend mit der Plex-App auf Roku-Geräten.
- Andere Plattformen wie Fire TV und Apple TV sollen im Jahr 2026 folgen.
- Das Unternehmen begründet den Schritt mit gestiegenen Kosten und dem Wunsch nach neuen Funktionen.
Was sich für Plex-Nutzer jetzt ändert
Plex, eine Software, die es ermöglicht, persönliche Medien wie Filme, Serien und Musik zu organisieren und auf verschiedenen Geräten abzuspielen, hat seine Strategie angepasst. Bisher war eine der Kernfunktionen – der Zugriff auf die eigene Mediathek von außerhalb des Heimnetzwerks – kostenlos. Freunde oder Familienmitglieder konnten so ohne zusätzliche Kosten auf die Inhalte eines Servers zugreifen.
Diese Ära endet nun. Um weiterhin aus der Ferne streamen zu können, ist eine von zwei Optionen erforderlich: Entweder der Besitzer des Medienservers verfügt über einen kostenpflichtigen Plex Pass, oder der Nutzer, der aus der Ferne zugreifen möchte, schließt selbst ein Abonnement ab.
Die neuen Abonnement-Modelle im Detail
Plex stellt verschiedene kostenpflichtige Modelle zur Verfügung, um den Fernzugriff zu ermöglichen:
- Plex Pass für Server-Betreiber: Wenn der Eigentümer des Servers einen Plex Pass besitzt (ab 7 US-Dollar pro Monat), kann er weiterhin anderen Nutzern den Fernzugriff gewähren.
- Plex Pass für Nutzer: Ein Nutzer ohne eigenen Server kann sich einen eigenen Plex Pass kaufen, um auf die Server anderer zuzugreifen.
- Remote Watch Pass: Als günstigere Alternative wurde der „Remote Watch Pass“ eingeführt. Dieser kostet ab 2 US-Dollar pro Monat und ist speziell für Nutzer gedacht, die lediglich die Fernzugriffs-Funktion benötigen, ohne die zusätzlichen Vorteile des vollwertigen Plex Pass.
Hintergrund: Die Entwicklung von Plex
Plex startete 2009 als ein Projekt zur Verwaltung persönlicher Medien auf dem Mac und entwickelte sich schnell zu einer der führenden Lösungen für private Medienserver. In den letzten Jahren hat das Unternehmen sein Geschäftsmodell jedoch stark erweitert. Neben der Server-Software bietet Plex mittlerweile einen eigenen kostenlosen, werbefinanzierten Streaming-Dienst (FAST) und die Möglichkeit, Filme zu leihen an. Laut Unternehmensangaben übersteigt die Zahl der Nutzer des Online-Streaming-Angebots seit 2022 die der klassischen Medienserver-Nutzer.
Stufenweise Einführung beginnt mit Roku
Die Durchsetzung der neuen Abonnementpflicht erfolgt nicht auf allen Plattformen gleichzeitig. In einer Mitteilung in den offiziellen Plex-Foren bestätigte ein Mitarbeiter des Unternehmens den Zeitplan. Die Umstellung beginnt diese Woche und betrifft zunächst ausschließlich Nutzer, die über die Plex-App auf Roku-Geräten auf einen entfernten Server zugreifen.
Andere weitverbreitete Plattformen erhalten eine längere Übergangsfrist. Laut der Ankündigung wird die Abonnementpflicht für den Fernzugriff auf allen anderen TV-Apps, darunter Amazon Fire TV, Apple TV und Android TV, erst im Laufe des Jahres 2026 eingeführt. Gleiches gilt für Drittanbieter-Anwendungen, die die Plex-API für das Streaming nutzen.
Wachstum und Finanzierung
Plex hat in den letzten Jahren erhebliche Investitionen erhalten. Im Jahr 2021 sicherte sich das Unternehmen eine Finanzierungsrunde über 50 Millionen US-Dollar. Im Januar 2024 kamen weitere 40 Millionen US-Dollar hinzu. Berichten zufolge nähert sich das Unternehmen der Profitabilität, was den Druck erhöht, den Umsatz durch Abonnements zu steigern.
Die Gründe hinter der strategischen Neuausrichtung
Plex begründet die Abschaffung des kostenlosen Fernzugriffs offiziell mit „steigenden Kosten“. Die Unterstützung einer Vielzahl von Geräten und Codecs sowie die Bereitstellung der Infrastruktur für die Verbindungen verursachen laufende Ausgaben. Das Unternehmen argumentiert, dass die Einnahmen aus den Abonnements notwendig seien, um die Plattform weiterzuentwickeln und neue Funktionen zu finanzieren.
Zu den geplanten Neuerungen gehören laut einem Blogbeitrag vom März unter anderem:
- Eine Integration mit Common Sense Media zur besseren Inhaltsbewertung.
- Eine neue, dedizierte App zur Verwaltung von Server-Nutzern.
- Eine offene und dokumentierte API für Server-Integrationen.
Die strategische Entscheidung spiegelt einen breiteren Trend in der Tech-Branche wider, bei dem ehemals kostenlose Dienste zunehmend monetarisiert werden, um nachhaltiges Wachstum zu sichern und den Erwartungen von Investoren gerecht zu werden.
Reaktionen der Community und mögliche Alternativen
Die Entscheidung hat in der langjährigen Nutzergemeinde gemischte Reaktionen hervorgerufen. Viele Anwender schätzten Plex gerade wegen der Möglichkeit, ihre private Mediensammlung unkompliziert und kostenlos mit Familie und Freunden zu teilen. Die Einführung einer Bezahlschranke für diese Kernfunktion könnte einen Teil der treuen Nutzerschaft verärgern.
Für Nutzer, die eine reine Medienserver-Lösung ohne kommerzielle Streaming-Angebote bevorzugen und auf ein Abonnement verzichten möchten, gewinnen Open-Source-Alternativen an Attraktivität. Projekte wie Jellyfin bieten einen ähnlichen Funktionsumfang für die Verwaltung und das Streaming eigener Medien, sind vollständig kostenlos und werden von einer Community entwickelt.
Die kommenden Monate werden zeigen, wie die Plex-Nutzer auf die schrittweise Umstellung reagieren und ob die strategische Neuausrichtung des Unternehmens den gewünschten wirtschaftlichen Erfolg bringt, ohne die Basis seiner ursprünglichen Anhänger zu verlieren.





