Amazon hat mit dem Kindle Scribe Colorsoft sein bisher ambitioniertestes E-Reader-Modell vorgestellt. Das Gerät, das ab Mittwoch in den USA erhältlich ist, markiert einen entscheidenden Schritt für Amazon, seinen E-Reader in ein vielseitiges Produktivitätswerkzeug zu verwandeln. Es ist das erste Modell der Scribe-Reihe mit einem Farbdisplay und das größte Kindle, das Amazon je auf den Markt gebracht hat.
Wichtige Details
- Der Kindle Scribe Colorsoft startet bei 630 US-Dollar.
- Er verfügt über ein 11-Zoll-Farb-E-Ink-Display.
- Das Gerät bietet verbesserte Stiftfunktionen und KI-gestützte Notizverarbeitung.
- Dateien können direkt aus Cloud-Diensten wie Google Drive und OneDrive importiert werden.
- Die Akkulaufzeit beträgt bis zu acht Wochen bei moderater Nutzung.
Ein farbiges Display für mehr Produktivität
Der Kindle Scribe Colorsoft ist Amazons Versuch, eine neue Zielgruppe anzusprechen. Mit einem Startpreis von 630 US-Dollar positioniert sich das Gerät als Premium-Option im E-Reader-Segment. Amazon möchte damit sowohl treue Leser als auch Studierende und Kreative überzeugen, die ein vielseitiges Werkzeug für Notizen und Dokumentenbearbeitung suchen.
Das Herzstück des neuen Modells ist sein 11-Zoll-Farb-E-Ink-Display, das nicht nur größer ist als bei früheren Modellen, sondern auch Farben darstellen kann. Dies ist ein Novum für die Scribe-Reihe und eine Seltenheit in Amazons Kindle-Portfolio. Das Display ist blendfrei und simuliert Papier sehr überzeugend, unterstützt durch eine neue texturierte Glasoberfläche, die ein natürliches Schreibgefühl vermittelt.
Faktencheck Kindle Scribe Colorsoft
- Preis: Ab 630 US-Dollar
- Display: 11 Zoll, Farb-E-Ink, blendfrei
- Gewicht: 400 Gramm
- Dicke: 5,4 Millimeter
- Speicher: 32 GB oder 64 GB
- Akkulaufzeit: Bis zu 8 Wochen
Verbesserte Stifttechnologie und Cloud-Integration
Neben dem Farbbildschirm bietet der Kindle Scribe Colorsoft einen verbesserten Stift. Dieser Stift wird magnetisch am Gerät befestigt und benötigt keine eigene Aufladung. Er reagiert auf Druck und ermöglicht es, zwischen verschiedenen Werkzeugen wie Marker, Textmarker und Stift zu wechseln.
Ein wesentliches Upgrade ist die Möglichkeit, Dateien direkt von beliebten Cloud-Diensten zu importieren. Nutzer können sich nun bei Microsoft OneNote und OneDrive sowie Google Drive anmelden, um Dokumente abzurufen und zu bearbeiten. Zuvor war der Transfer nur über Kabel, E-Mail oder die „Send to Kindle“-Funktion möglich. Dies macht das Gerät besonders attraktiv für Studierende, die Lehrbücher und Notizen auf einem einzigen Gerät verwalten möchten.
„Die Integration von Cloud-Diensten ist ein wichtiger Schritt, um den Kindle Scribe als ernsthaftes Produktivitätswerkzeug zu etablieren“, erklärt ein Amazon-Sprecher.
Kindle-Evolution
Der erste Kindle kam 2007 auf den Markt. Seitdem hat Amazon kontinuierlich versucht, das Gleichgewicht zwischen Lesefokus und neuen Funktionen zu finden. Die Verkaufszahlen der Kindle-Reihe sind laut Amazon seit der Produktüberarbeitung im letzten Jahr zweistellig gestiegen. Etwa 60% der Verkäufe gehen an Neukunden, auch dank der Beliebtheit bei Gen Z und Millennials auf Plattformen wie TikTok.
Künstliche Intelligenz für effizientere Notizen
Amazon integriert auch eine Reihe von KI-Funktionen, um die Notizverarbeitung zu optimieren. Über die Notizbuchfunktion können Nutzer Dokumente und Notizen mit einer KI-gestützten Suchfunktion durchsuchen. Es ist sogar möglich, mit den Notizen zu „chatten“, um beispielsweise wichtige Erkenntnisse aus Besprechungen abzurufen. Eine weitere nützliche Funktion ist die Umwandlung von handschriftlichem Text in getippten Text, was viel Zeit sparen kann.
Allerdings gibt es auch Grenzen: Bei Tests zeigte sich, dass das Gerät nach 15 Seiten Notizen die Abfrage einschränkte, was für die Konsolidierung großer Textmengen hinderlich sein kann. Auch die Navigation aus dem Notizbuchbereich zurück zum Hauptbildschirm erfordert eine spezifische Fingergeste, die nicht intuitiv ist.
Zukünftige KI-Funktionen
- Story So Far: Hilft Lesern, ohne Spoiler in ein Buch einzusteigen oder den Überblick zu behalten.
- Ask This Book: Ermöglicht es, Passagen hervorzuheben und Fragen zu Charakteren oder Szenen zu stellen.
Diese Funktionen sollen Anfang nächsten Jahres eingeführt werden und sind nicht mit Amazons fortschrittlicherem KI-Assistenten Alexa+ verbunden, dessen Integration jedoch geplant ist.
Design, Leistung und Akkulaufzeit
Der Kindle Scribe Colorsoft wiegt 400 Gramm und ist 5,4 Millimeter dick, was ihn leicht und robust macht. Er ist in den Farben „Graphit“ und einem tiefen Rot erhältlich. Die Akkulaufzeit wird mit bis zu acht Wochen bei einer halben Stunde Lesezeit pro Tag angegeben. Ein neuer Quad-Core-MediaTek-Chip soll die Geschwindigkeit beim Schreiben und Umblättern um 40% gegenüber dem Vorgängermodell verbessern.
Während der Testphase zeigte sich, dass die Akkulaufzeit bei intensiver Nutzung schneller abnimmt als erwartet. Nach etwa zwei Stunden Nutzung sank der Akkustand um rund 20%. Auch im Leerlauf verbrauchte das Gerät weiterhin Energie. Das vollständige Aufladen über USB-C dauert etwa drei Stunden, eine kabellose Ladeoption fehlt.
Das Display ist zwar blendfrei, neigt aber dazu, Kratzer von der Stiftspitze und dem Radiergummi zu bekommen, besonders sichtbar bei ausgeschalteter Hintergrundbeleuchtung. Ersatzspitzen sind für 17 US-Dollar pro Fünferpack erhältlich, da die mitgelieferten Spitzen schnell abstumpfen können. Die Rückseite des Geräts ist zudem anfällig für Fingerabdrücke.
Alternativen und Fazit
Mit seinem Preis von 630 US-Dollar tritt der Kindle Scribe Colorsoft in direkte Konkurrenz zu anderen Nischengeräten wie dem 629 US-Dollar teuren Paper Pro der norwegischen Marke Remarkable. Im Vergleich zu einem iPad, das mit Apple Pencil unter 430 US-Dollar kostet, ist der Kindle Scribe Colorsoft teurer, bietet aber Vorteile wie längere Akkulaufzeit, weniger Ablenkungen und geringere Augenbelastung durch das E-Ink-Display.
Der Kindle Scribe Colorsoft ist ein überzeugendes Gerät für alle, die viel lesen, KI-Tools nutzen möchten und ein E-Ink-Display gegenüber herkömmlichen Tablets oder Papier bevorzugen. Diese Kombination ist jedoch eine Nische. Amazon bietet zudem günstigere Schwarz-Weiß-Versionen des Kindle Scribe an: ein Modell mit Hintergrundbeleuchtung für 500 US-Dollar und ein Modell ohne Beleuchtung, das Anfang 2026 für 430 US-Dollar erscheint.





