Instagram führt ein neues Werkzeug namens „Dein Algorithmus“ ein, das Nutzern erstmals direkte Kontrolle über die Inhalte gibt, die ihnen in den Reels vorgeschlagen werden. Diese Funktion ermöglicht es, die vom Algorithmus erkannten Interessen einzusehen, anzupassen und so den eigenen Feed aktiv zu gestalten.
Die Einführung markiert einen wichtigen Schritt in Richtung Transparenz und Personalisierung auf der Plattform. Nutzer können nun Themen, die sie nicht mehr sehen möchten, reduzieren und neue Interessen hinzufügen, um die Empfehlungen präziser zu steuern.
Das Wichtigste in Kürze
- Instagram startet die neue Funktion „Dein Algorithmus“ zunächst für Reels in den USA.
- Nutzer können die von der KI erkannten Interessengebiete einsehen und bearbeiten.
- Es ist möglich, Themen zu verstärken, abzuschwächen oder komplett neue hinzuzufügen.
- Die Funktion soll zukünftig auf den Explore-Feed und andere Bereiche der App ausgeweitet werden.
Einblick in die Blackbox des Algorithmus
Social-Media-Algorithmen waren lange Zeit eine Art „Blackbox“. Nutzer sahen Inhalte, ohne genau zu wissen, warum diese für sie ausgewählt wurden. Instagram ändert diesen Zustand nun mit der Einführung des Werkzeugs „Dein Algorithmus“.
Die Funktion ist direkt im Reels-Feed zugänglich. Ein neues Symbol in der oberen rechten Ecke, das zwei Linien mit Herzen darstellt, öffnet die Übersicht. Dort erhalten Nutzer eine von künstlicher Intelligenz erstellte Zusammenfassung ihrer Interessen, basierend auf ihren bisherigen Aktivitäten auf der Plattform.
Diese Zusammenfassung könnte beispielsweise lauten: „In letzter Zeit interessierst du dich für Kreativität, Sport-Hypes, Fitness-Motivation und Skateboarding.“ Diese personalisierte Beschreibung kann, ähnlich wie bei den beliebten Jahresrückblicken von Musik-Streamingdiensten, direkt in der eigenen Story geteilt werden.
So funktioniert die personalisierte Steuerung
Unter der KI-generierten Zusammenfassung finden Nutzer eine detaillierte Liste der Themen, die Instagram als relevant für sie eingestuft hat. Hier beginnt die eigentliche Kontrolle.
Jeder Nutzer kann nun für jedes einzelne Thema festlegen, ob er davon mehr oder weniger Inhalte sehen möchte. Die Empfehlungen im Reels-Feed passen sich daraufhin unmittelbar an. Wer beispielsweise keine Lust mehr auf Kochvideos hat, kann dieses Thema abschwächen. Wer hingegen ein neues Hobby entdeckt hat, kann entsprechende Themen verstärken.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Öffnen Sie den Reels-Feed auf Instagram.
- Tippen Sie auf das neue Symbol (zwei Linien mit Herzen) in der oberen rechten Ecke.
- Lesen Sie die KI-Zusammenfassung Ihrer Interessen.
- Scrollen Sie zur Liste der erkannten Themen.
- Wählen Sie für jedes Thema aus, ob Sie „mehr“ oder „weniger“ davon sehen möchten.
- Fügen Sie bei Bedarf neue Interessen über das Eingabefeld hinzu.
Ein entscheidender Vorteil gegenüber ähnlichen Systemen ist die Möglichkeit, Interessen hinzuzufügen, die der Algorithmus bisher nicht erkannt hat. Wenn ein Nutzer sich plötzlich für ein Nischenthema wie „Urban Gardening“ interessiert, kann er diesen Begriff einfach eintippen und seine Empfehlungen entsprechend erweitern.
Wettbewerb um die beste Nutzererfahrung
Die Einführung von „Dein Algorithmus“ ist auch eine Reaktion auf Entwicklungen bei konkurrierenden Plattformen. TikTok hat bereits im vergangenen Jahr eine Funktion namens „Themen verwalten“ eingeführt, die Nutzern ebenfalls mehr Kontrolle über ihren „Für Dich“-Feed gibt.
Allerdings gibt es wesentliche Unterschiede. Während TikTok eine eher generische Liste von etwa einem Dutzend Kategorien anbietet, ist der Ansatz von Instagram deutlich personalisierter. Die von der KI erstellte Liste ist auf jeden einzelnen Nutzer zugeschnitten und lässt sich durch eigene Eingaben flexibel erweitern.
Der Ruf nach mehr Transparenz
Die Forderung nach mehr Kontrolle und Transparenz bei Algorithmen ist nicht neu. Nutzer und Regulierungsbehörden kritisieren seit Jahren, dass undurchsichtige Empfehlungssysteme zu Echokammern und der Verbreitung von Fehlinformationen beitragen können. Funktionen wie „Dein Algorithmus“ sind eine direkte Antwort auf diese Bedenken und geben den Nutzern ein Werkzeug an die Hand, um ihre digitale Informationsblase aktiv zu gestalten.
Instagrams Strategie zielt darauf ab, eine tiefere und individuellere Verbindung zum Nutzer aufzubauen. Anstatt nur vordefinierte Kategorien anzubieten, analysiert das System das tatsächliche Verhalten und fasst es in einer verständlichen Form zusammen. Dieser Ansatz könnte die Nutzerbindung erhöhen, da der Feed relevanter und weniger repetitiv wird.
Die Zukunft der personalisierten Inhalte
Die Einführung der neuen Funktion beginnt zunächst in den USA und soll bald weltweit für die englischsprachige Version ausgerollt werden. Doch das ist erst der Anfang. Instagram hat bereits angekündigt, das Werkzeug in Zukunft auf weitere Bereiche der App auszudehnen.
Instagram plant, das Werkzeug „Dein Algorithmus“ künftig auch für die Personalisierung des Explore-Feeds und an weiteren Stellen in der App verfügbar zu machen.
Diese Ausweitung könnte die Art und Weise, wie Nutzer neue Inhalte auf der Plattform entdecken, grundlegend verändern. Der Explore-Feed, der bisher ausschließlich von den automatisierten Empfehlungen des Algorithmus bestimmt wurde, könnte so zu einem stärker kuratierten Erlebnis werden.
Für die Nutzer bedeutet dies einen Wandel vom passiven Konsumenten zum aktiven Gestalter des eigenen Social-Media-Erlebnisses. Die Fähigkeit, den Algorithmus direkt zu beeinflussen, gibt ihnen eine bisher nicht gekannte Macht über die Inhalte, die ihren digitalen Alltag prägen. Es bleibt abzuwarten, wie viele Nutzer diese Möglichkeit aktiv nutzen werden, um ihre Feeds zu optimieren und neue Horizonte zu entdecken.





