Der chinesische Technologiekonzern Xiaomi hat seine neuen Flaggschiff-Smartphones, das Xiaomi 17 und 17 Ultra, weltweit vorgestellt. Trotz eines dramatischen Anstiegs der Preise für Speicherchips hält das Unternehmen die Verkaufspreise auf dem Niveau des Vorjahres. Diese Strategie stellt den Konzern vor erhebliche Herausforderungen, da die Kosten für eine der wichtigsten Smartphone-Komponenten in die Höhe schnellen.
Die Entscheidung, die Preise nicht zu erhöhen, kommt zu einer Zeit, in der die gesamte Branche mit einer beispiellosen Kostenexplosion bei Speicherchips konfrontiert ist. Analysten beobachten genau, wie lange Xiaomi diesen Druck aushalten kann, insbesondere im hart umkämpften mittleren Preissegment, das den Großteil des Geschäfts ausmacht.
Das Wichtigste in Kürze
- Xiaomi hat die neuen Modelle 17 und 17 Ultra zu Preisen ab 999 Euro bzw. 1.499 Euro eingeführt und damit die Preise des Vorjahres beibehalten.
- Die Preise für Speicherchips sind allein im ersten Quartal dieses Jahres um 80 bis 90 Prozent gestiegen.
- Experten gehen davon aus, dass Xiaomi gezwungen sein könnte, die Preise für seine günstigeren Modelle bald zu erhöhen.
- Xiaomis wachsende Elektroauto-Sparte bietet dem Unternehmen eine wichtige finanzielle Stütze in der aktuellen Krise.
Neue Flaggschiffe treffen auf einen angespannten Markt
Am Samstag präsentierte Xiaomi seine neueste Generation von Premium-Smartphones. Das Xiaomi 17 wird für 999 Euro angeboten, während das Spitzenmodell, das Xiaomi 17 Ultra, für 1.499 Euro auf den Markt kommt. Mit diesen Geräten will das weltweit drittgrößte Smartphone-Unternehmen seine Position im High-End-Segment stärken und direkt mit Branchenführern wie Samsung und Apple konkurrieren.
Die Beibehaltung der Preise ist ein klares Signal an die Verbraucher, aber intern stellt sie eine erhebliche Belastung dar. Die Herstellungskosten für Smartphones sind direkt von den Preisen für Komponenten wie Speicherchips abhängig, und diese erleben derzeit einen massiven Anstieg.
Die Ursachen der Speicherchip-Krise
Der Grund für die explodierenden Kosten liegt in einer wachsenden Verknappung von Speicherchips. Laut dem Marktforschungsunternehmen Counterpoint Research sind die Preise seit Jahresbeginn um 80 bis 90 Prozent gestiegen. Dieser Anstieg wird hauptsächlich durch die enorme Nachfrage aus dem Sektor der künstlichen Intelligenz (KI) angetrieben.
Warum die KI-Branche Chips benötigt
Große Rechenzentren, die für das Training und den Betrieb von KI-Modellen genutzt werden, benötigen riesige Mengen an Hochleistungsspeicher. Die Chiphersteller leiten einen immer größeren Teil ihrer Produktion in diesen lukrativen Bereich um, was zu einer Verknappung für andere Industrien wie die Smartphone-Herstellung führt.
Diese Entwicklung hat weitreichende Folgen. Prognosen des Analysehauses Gartner vom Februar deuten darauf hin, dass die durchschnittlichen Smartphone-Preise bis 2026 um bis zu 13 Prozent steigen könnten. IDC prognostiziert für dasselbe Jahr sogar einen Rückgang des gesamten Smartphone-Marktes um 12,9 Prozent als direkte Folge der Chip-Krise.
Besonders der Mittelklassemarkt ist gefährdet
Während Hersteller von teuren Premium-Geräten wie Apple und Samsung die gestiegenen Kosten durch ihre hohen Gewinnmargen teilweise abfedern können, stehen Unternehmen wie Xiaomi vor größeren Problemen. Der Großteil von Xiaomis Verkäufen entfällt auf das mittlere und untere Preissegment, wo die Margen deutlich geringer sind.
Preissteigerungen in diesem preissensiblen Bereich könnten die Nachfrage empfindlich treffen. Francisco Jeronimo, Vizepräsident bei IDC, kommentierte die Situation wie folgt:
„Dieses Jahr wird noch schwieriger, weil Xiaomi keinen sehr starken Anteil im Premium-Segment hat. Das bedeutet, dass sie sich nicht auf das Premium-Segment verlassen können, um niedrige Margen bei anderen Geräten auszugleichen, wie es Apple und Samsung können.“
Bereits im November hatte das Management von Xiaomi davor gewarnt, dass die Branche im Jahr 2026 wahrscheinlich die Smartphone-Preise anheben müsse. Ben Wood, Chefanalyst bei CCS Insight, erwartet ebenfalls, dass Xiaomi bald gezwungen sein wird, die Preise für seine günstigeren Geräte zu erhöhen.
- Smartphone-Umsatz: Im letzten veröffentlichten Finanzbericht (September-Quartal) sank der Smartphone-Umsatz um 3 % im Vergleich zum Vorjahr.
- Elektroauto-Umsatz: Im gleichen Zeitraum stieg der Umsatz der Elektroauto-Sparte um fast 200 %.
- Anteil am Gesamtumsatz: Das EV-Geschäft macht mittlerweile rund ein Viertel des Gesamtumsatzes von Xiaomi aus.
Diversifizierung als strategischer Vorteil
Inmitten der Herausforderungen auf dem Smartphone-Markt erweist sich Xiaomis strategischer Einstieg in die Elektromobilität als wichtiger Stabilisator. Während der Smartphone-Umsatz im letzten Berichtsquartal leicht rückläufig war, explodierte der Umsatz in der Elektroauto-Sparte.
Dieses rapide Wachstum in einem neuen Geschäftsfeld verschafft dem Unternehmen dringend benötigte Einnahmen und Flexibilität. Es ermöglicht Xiaomi, den Preisdruck im Smartphone-Markt zumindest vorübergehend abzufedern und seine Marktanteile zu verteidigen. Langfristig bleibt jedoch abzuwarten, wie sich die Chip-Krise weiterentwickelt und welche Strategien die Hersteller anwenden werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben.





