Google hat damit begonnen, die Konten von Kunden seiner KI-Dienste wie Gemini und Antigravity zu sperren. Betroffen sind auch zahlende Abonnenten, die Drittanbieter-Tools zur Automatisierung von Aufgaben verwendet haben. Das Unternehmen begründet den Schritt mit einer „böswilligen Nutzung“, die zu einer massiven Überlastung der Systeme und einer Verschlechterung der Servicequalität für andere Nutzer geführt habe.
Wichtige Erkenntnisse
- Google sperrt Nutzerkonten seiner KI-Dienste Gemini und Antigravity, auch von zahlenden Kunden.
- Als Grund wird die Nutzung von Drittanbieter-Tools wie OpenClaw genannt, die die Systeme überlasten.
- Google bezeichnet dies als „böswillige Nutzung“, während betroffene Nutzer von einem normalen Gebrauch sprechen.
- Der Vorfall wirft ein Licht auf die Preisstrategien und Kapazitätsgrenzen von KI-Anbietern.
Unerwartete Sperrungen für zahlende Kunden
In den letzten Wochen sahen sich zahlreiche Nutzer der KI-Dienste von Google mit einer unerwarteten Situation konfrontiert: Ihre Konten wurden ohne Vorwarnung gesperrt. Betroffen waren unter anderem Kunden des AI-Ultra-Abonnements, das monatlich 250 US-Dollar kostet, sowie Nutzer der Entwickler-App Antigravity.
Der gemeinsame Nenner bei den Sperrungen war die Verwendung von externen Software-Werkzeugen wie OpenClaw und OpenCode. Diese Tools, sogenannte „Wrapper“ oder „Harnesses“, ermöglichen es Entwicklern, die KI-Modelle von Google für automatisierte und komplexe Aufgaben in großem Stil zu nutzen.
Viele der betroffenen Entwickler äußerten ihre Überraschung und Frustration in Online-Diskussionsforen. Sie gaben an, sich nicht bewusst gewesen zu sein, dass ihre Handlungen gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen würden, da diese die Integration solcher Tools nicht explizit verbieten.
Was sind KI-Wrapper?
Ein KI-Wrapper ist eine Software, die sich um ein bestehendes KI-Modell (wie Googles Gemini) legt, um dessen Funktionalität zu erweitern oder zu vereinfachen. Entwickler nutzen sie, um komplexe, sich wiederholende Anfragen automatisch an die KI zu senden, was zu einer sehr hohen Nutzungsfrequenz führen kann.
Googles Begründung: Schutz der Servicequalität
Google verteidigt die Maßnahme als notwendigen Schritt, um die Stabilität seiner Dienste zu gewährleisten. Varun Mohan, ein Ingenieur bei DeepMind und Mitbegründer von Windsurf, erklärte, dass man einen massiven Anstieg an „böswilliger Nutzung“ des Antigravity-Backends verzeichnet habe.
„Diese Nutzung hat die Qualität des Dienstes für unsere Nutzer enorm beeinträchtigt. Wir mussten einen Weg finden, den Zugang für diese Nutzer, die das Produkt nicht wie vorgesehen verwenden, schnell zu sperren“, so Mohan in einem Social-Media-Beitrag.
Er stellte klar, dass die Sperrungen speziell die Nutzung von Antigravity betreffen und nicht andere Google-Dienste. Das Problem sei, dass das Backend als eine Art Proxy für andere Produkte missbraucht wurde, was die Rechenkapazitäten von Google überforderte. Mohan versicherte jedoch, dass man daran arbeite, eine Lösung für jene Nutzer zu finden, die unwissentlich gegen die Regeln verstoßen haben.
Kritik aus der Entwicklergemeinde wächst
Die Charakterisierung der Nutzung als „böswillig“ stößt bei vielen Betroffenen auf Unverständnis. Der KI-Ingenieur Mohan Prakash fasste die Kritik in einem Beitrag zusammen: „Nutzer haben für ein Kontingent bezahlt, dieses Kontingent im Rahmen der Limits genutzt und wurden gesperrt. Das ist nicht böswillig, das ist die Nutzung des Produkts, das man ihnen verkauft hat.“
Prakash argumentiert, dass das eigentliche Problem die unklaren Nutzungsbedingungen seien. Wenn Google die Integration von Werkzeugen wie OpenClaw nicht wünsche, sollte das System eine Fehlermeldung ausgeben, anstatt zahlende Kunden ohne Vorwarnung auszusperren. Ein solches Vorgehen untergrabe das Vertrauen in das Unternehmen.
Vorbild Anthropic
Andere KI-Unternehmen wie Anthropic verfolgen einen anderen Ansatz. Anstatt Konten zu sperren, gibt deren System eine Fehlermeldung zurück, wenn ein Nutzer versucht, ein Abonnementkonto mit Diensten von Drittanbietern zu verbinden, was eine klarere Kommunikation darstellt.
Ein Symptom für ein größeres Problem in der KI-Branche
Der Vorfall bei Google ist kein Einzelfall und deutet auf eine grundlegende wirtschaftliche Herausforderung in der KI-Branche hin. Es wird vermutet, dass viele große Technologieunternehmen ihre KI-Dienste, insbesondere die sogenannten „Tokens“ (Recheneinheiten für KI-Anfragen), weit unter den tatsächlichen Kosten verkaufen.
Diese Strategie zielt darauf ab, schnell Marktanteile zu gewinnen und die Konkurrenz zu verdrängen. Langfristig hoffen die Unternehmen, die Preise anheben zu können, sobald sie eine dominante Marktposition erreicht haben.
Die Folgen der Preisstrategie
Die intensive und automatisierte Nutzung durch Drittanbieter-Tools legt die Schwachstellen dieses Modells offen. Die Systeme sind oft nicht für die hohe Rechenlast ausgelegt, die durch solche Anwendungen entsteht. Die Kosten für die Bereitstellung der Rechenleistung übersteigen die Einnahmen aus den Abonnements bei weitem.
Die Maßnahmen von Google und ähnliche Schritte von Anthropic zur Unterbindung von Preis-Arbitrage zeigen, dass die Unternehmen beginnen, die finanziellen und technischen Grenzen ihrer aktuellen Angebote zu spüren. Für Nutzer bedeutet dies eine wachsende Unsicherheit darüber, welche Anwendungsfälle erlaubt sind und wie zuverlässig der Zugang zu den bezahlten Diensten in Zukunft sein wird.





