In London, einer Stadt mit einer hohen Rate an Smartphone-Diebstählen, zeichnet sich ein merkwürdiger Trend ab. Berichte von Betroffenen zeigen, dass Diebe es gezielt auf iPhones abgesehen haben und gestohlene Samsung-Geräte teilweise sogar zurückgeben. Der Grund dafür ist nicht die Sicherheit der Geräte, sondern ihr deutlich geringerer Wiederverkaufswert.
Das Wichtigste in Kürze
- In London wurden allein im Jahr 2024 über 117.000 Mobiltelefone gestohlen.
- Diebe bevorzugen iPhones aufgrund ihres höheren Wiederverkaufswertes.
- Es gibt mehrere Berichte, bei denen gestohlene Samsung-Geräte von den Tätern zurückgegeben oder weggeworfen wurden.
- Experten bestätigen, dass der Gebrauchtmarktpreis und nicht die Sicherheit der Geräte das Hauptmotiv für die Wahl der Diebe ist.
- Moderne Android-Geräte verfügen über robuste Sicherheitsfunktionen, die mit denen von Apple vergleichbar sind.
Ein wachsendes Problem auf Londons Straßen
Diebstahl von Mobiltelefonen ist in Metropolen weltweit ein ernstes Problem. Besonders in London haben die Zahlen ein alarmierendes Niveau erreicht. Die Metropolitan Police verzeichnete für das Jahr 2024 allein 117.211 gemeldete Fälle von Handy-Diebstählen. Das bedeutet, dass statistisch gesehen alle paar Minuten ein Gerät entwendet wird.
Diese Verbrechen reichen von einfachen Taschendiebstählen bis hin zu organisierten Raubüberfällen. Die Täter agieren oft schnell und rücksichtslos, entreißen Passanten die Geräte aus der Hand oder bedrohen sie in Gruppen. Während die Polizei keine spezifischen Daten nach Marken erhebt, deuten Erfahrungen von Opfern und Experten auf eine klare Präferenz der Kriminellen hin.
Ein lukratives Geschäft
Gestohlene Smartphones werden schnell über verschiedene Kanäle weiterverkauft. Online-Marktplätze, inoffizielle Reparaturwerkstätten und internationale Schwarzmärkte sind die Hauptabnehmer. Der Wert eines Geräts hängt stark von Marke, Modell und Zustand ab. Für Diebe ist es ein reines Zahlenspiel: Je höher der erzielbare Preis, desto attraktiver das Ziel.
Wenn Diebe wählerisch werden
Die Vorstellung, dass ein Räuber seine Beute ablehnt, klingt absurd. Doch genau das passiert in London offenbar immer häufiger, wenn es sich bei dem gestohlenen Gerät um ein Samsung-Smartphone handelt. Mehrere Betroffene berichten von bizarren Erlebnissen, die diese Entwicklung untermauern.
Ein Fall, der für Aufsehen sorgte, ist der von Sam, einem 32-jährigen Londoner. Er wurde von einer Gruppe von acht Personen überfallen, die ihm sein Telefon, seine Kamera und sogar seine Mütze abnahmen. Kurz nachdem die Täter geflohen waren, drehte sich einer von ihnen um, lief zurück und gab Sam sein Samsung-Handy wieder. Die gestohlene Mütze behielten sie.
Ein anderer Londoner namens Mark erlebte eine ähnliche Zurückweisung. Ein Dieb auf einem Fahrrad entriss ihm sein Samsung Galaxy. Nach einem kurzen Blick auf das Gerät warf der Täter es verächtlich auf den Boden und fuhr davon. „Ich fühle mich fast ein wenig gekränkt“, kommentierte Mark den Vorfall.
„Es ist ein seltsames Gefühl, wenn Kriminelle ein gestohlenes Gerät im Wert von über tausend Euro als wertlos erachten, aber eine einfache Mütze behalten.“
Spott im Markenstreit
Diese Vorfälle werfen ein Schlaglicht auf die tief verwurzelte Wahrnehmung der Markenwerte. Während Samsung mit seinen Flaggschiff-Modellen wie der Galaxy-S-Ultra-Reihe preislich mit Apples Pro-Max-iPhones konkurriert oder diese sogar übertrifft, scheint dieser Wert auf dem Schwarzmarkt nicht anzukommen. Die Tatsache, dass selbst Kriminelle Android-Geräte verschmähen, verleiht dem ewigen Streit zwischen iOS- und Android-Anhängern eine neue, ironische Dimension.
Preisparität im Neukauf, Kluft im Wiederverkauf
Ein Samsung Galaxy S25 Ultra kostet bei Markteinführung mehr als ein iPhone 17 Pro Max. Faltbare Modelle wie das Galaxy Z Fold erreichen Preise von 2.000 Euro und mehr. Dennoch verlieren Android-Geräte ihren Wert deutlich schneller als iPhones, was sie für Diebe weniger attraktiv macht.
Der wahre Grund: Der Wiederverkaufswert
Experten sind sich einig, dass hinter diesem Verhalten keine technische Überlegenheit oder leichtere Umgehung von Sicherheitsmaßnahmen bei iPhones steckt. Der entscheidende Faktor ist rein wirtschaftlicher Natur: der Wiederverkaufswert.
Jake Moore, ein Sicherheitsberater bei ESET, analysiert die Situation pragmatisch. „Apple-Geräte haben einen höheren Wert auf dem Gebrauchtmarkt“, erklärt er. „Für Diebe ist es wirtschaftlich sinnvoller, sich auf diese gefragteren Telefone zu konzentrieren, anstatt auf günstigere Modelle mit einem niedrigeren Wiederverkaufspreis.“
Ein iPhone behält über Jahre hinweg einen stabilen Wert. Ein zwei Jahre altes iPhone erzielt oft noch einen Preis, der weit über dem eines gleichaltrigen Android-Spitzenmodells liegt. Für Kriminelle, die auf schnellen Profit aus sind, ist die Wahl daher einfach. Ein gestohlenes iPhone lässt sich leichter und für mehr Geld verkaufen.
Sicherheit ist kein Unterscheidungsmerkmal mehr
Die Annahme, Android-Telefone seien unsicherer und iPhones deshalb wertvoller, ist längst überholt. Sowohl Apple als auch Google haben in den letzten Jahren massiv in die Diebstahlsicherung investiert.
Moderne Sicherheitsfunktionen umfassen unter anderem:
- Fernsperrung und -löschung: Beide Systeme ermöglichen es Besitzern, ihre Geräte aus der Ferne unbrauchbar zu machen.
- Aktivierungssperre: Ein gestohlenes Gerät kann ohne die Apple-ID oder das Google-Konto des ursprünglichen Besitzers nicht neu aufgesetzt werden.
- Erweiterte Schutzmaßnahmen: Google hat kürzlich eine Funktion namens „Diebstahlschutzsperre“ eingeführt. Sie erkennt mithilfe von Beschleunigungssensoren, wenn ein Telefon ruckartig entrissen wird, und sperrt den Bildschirm automatisch.
Diese robusten Schutzmechanismen machen es für Diebe schwierig, die Geräte weiterzuverkaufen, ohne sie vorher zu entsperren. Doch die Nachfrage nach iPhones – selbst für Ersatzteile – ist so hoch, dass sich der Aufwand für Kriminelle offenbar eher lohnt.
Für Samsung-Nutzer in London könnte diese Entwicklung eine unerwartete Form des Schutzes bedeuten. Während der Besitz eines iPhones das Risiko erhöht, ins Visier von Dieben zu geraten, scheint ein Android-Gerät eine Art unsichtbarer Schutzschild zu sein. Es ist eine seltsame Realität, in der die Wahl des Smartphones nicht nur eine Frage der persönlichen Vorliebe, sondern auch der persönlichen Sicherheit auf der Straße sein kann.





