Ein seltenes Naturschauspiel erhellt den Nachthimmel in Regionen, die normalerweise nicht für Polarlichter bekannt sind. Starke Sonnenaktivität führt dazu, dass die Aurora Borealis auch in mittleren Breitengraden sichtbar wird. Viele Menschen möchten dieses beeindruckende Phänomen festhalten, doch die Fotografie von Nordlichtern stellt eine besondere Herausforderung dar. Mit der richtigen Vorbereitung und Technik können jedoch auch Einsteiger beeindruckende Aufnahmen erstellen.
Dieser Leitfaden erklärt die notwendigen Schritte, von der Wahl des Standorts über die richtigen Kameraeinstellungen bis hin zur Bearbeitung der Bilder. Egal ob mit einem modernen Smartphone oder einer Spiegelreflexkamera – die Magie der tanzenden Lichter lässt sich einfangen.
Wichtige Tipps auf einen Blick
- Standortwahl: Suchen Sie einen Ort mit möglichst wenig Lichtverschmutzung und freier Sicht nach Norden.
- Stabilität ist entscheidend: Verwenden Sie ein Stativ, um Verwacklungen bei langen Belichtungszeiten zu vermeiden.
- Manuelle Einstellungen: Nutzen Sie den manuellen Modus Ihrer Kamera oder eine spezielle App auf dem Smartphone, um Blende, ISO und Belichtungszeit zu kontrollieren.
- Geduld mitbringen: Die Intensität der Nordlichter kann stark schwanken. Warten und Experimentieren sind Teil des Erlebnisses.
Die Wissenschaft hinter dem Himmelsspektakel
Bevor man sich der Fotografie widmet, hilft ein grundlegendes Verständnis des Phänomens. Polarlichter, auf der Nordhalbkugel auch Aurora Borealis genannt, sind keine gewöhnlichen Lichtquellen. Sie entstehen, wenn elektrisch geladene Teilchen von der Sonne auf das Magnetfeld der Erde treffen.
Ursprung im Weltraum
Die Sonne stößt kontinuierlich einen Strom von Teilchen aus, den sogenannten Sonnenwind. Bei besonders starken Eruptionen, bekannt als koronale Massenauswürfe, werden riesige Mengen an Plasma ins All geschleudert. Treffen diese Teilchenwolken auf die Erde, interagieren sie mit den Atomen und Molekülen in der oberen Atmosphäre, hauptsächlich Sauerstoff und Stickstoff. Diese Interaktion regt die Gase zum Leuchten an, was wir als farbenfrohe, tanzende Lichter am Himmel sehen.
Die Farben der Aurora hängen von der Art des Gases und der Höhe der Kollision ab. Grünes Licht, die häufigste Farbe, wird durch Sauerstoffatome in etwa 100 bis 300 Kilometern Höhe erzeugt. Rote Töne entstehen ebenfalls durch Sauerstoff, jedoch in größeren Höhen, während violette und blaue Farben auf Stickstoff zurückzuführen sind.
Vorbereitung: Der Schlüssel zum Erfolg
Gute Nordlichtfotos entstehen selten zufällig. Eine sorgfältige Planung ist unerlässlich, um die Chancen auf gelungene Aufnahmen zu maximieren. Dies beginnt lange bevor man den Auslöser drückt.
Den richtigen Ort und Zeitpunkt wählen
Die größte Hürde bei der Nachtfotografie ist die Lichtverschmutzung durch Städte und Siedlungen. Um die oft schwachen Lichter der Aurora klar zu sehen und zu fotografieren, ist ein möglichst dunkler Standort notwendig. Fahren Sie so weit wie möglich aus besiedelten Gebieten heraus.
Eine freie Sicht in Richtung Norden ist ebenfalls wichtig, da die Aurora in unseren Breitengraden meist am nördlichen Horizont erscheint. Ein offenes Feld, ein Hügel oder ein Seeufer ohne störende Gebäude oder hohe Bäume sind ideale Beobachtungspunkte. Versuchen Sie, ein interessantes Vordergrundmotiv wie einen Baum, einen Felsen oder ein Gebäude in Ihre Komposition einzubeziehen, um dem Bild Tiefe und Kontext zu verleihen.
Hilfreiche Apps und Webseiten
Es gibt zahlreiche Anwendungen und Webseiten, die Vorhersagen zur Polarlichtaktivität liefern. Apps wie „My Aurora Forecast & Alerts“ informieren über die Wahrscheinlichkeit von Sichtungen und die Stärke des geomagnetischen Sturms. Diese Werkzeuge helfen dabei, den besten Zeitpunkt für eine Foto-Exkursion zu planen.
Die richtige Ausrüstung zusammenstellen
Obwohl eine professionelle Ausrüstung Vorteile bietet, sind gute Ergebnisse auch mit einfacheren Mitteln möglich. Das Wichtigste ist die Stabilität der Kamera.
- Stativ: Ein stabiles Stativ ist unverzichtbar. Da mit langen Belichtungszeiten gearbeitet wird, würde jede noch so kleine Bewegung das Bild unscharf machen.
- Kamera: Eine DSLR- oder spiegellose Kamera mit manuellem Modus ist ideal. Ein Weitwinkelobjektiv (z.B. 14-24 mm) eignet sich am besten, um möglichst viel vom Himmel einzufangen.
- Smartphone: Moderne Smartphones mit einem guten Nachtmodus können ebenfalls erstaunliche Ergebnisse liefern. Auch hier ist die Verwendung eines Stativs entscheidend.
- Zusätzliches Zubehör: Ein Fernauslöser oder die Nutzung des Selbstauslösers (Timer) verhindert Verwacklungen beim Drücken des Auslösers. Ersatzakkus sind ebenfalls ratsam, da Kälte die Akkuleistung stark reduziert. Eine Taschenlampe mit Rotlichtfunktion hilft, die Dunkeladaption der Augen nicht zu stören.
Die perfekten Kameraeinstellungen finden
Die richtige Einstellung der Kamera ist der technisch anspruchsvollste Teil. Da sich die Bedingungen ständig ändern, gibt es keine Universaleinstellung. Die folgenden Werte dienen als Ausgangspunkt, den Sie je nach Situation anpassen müssen.
Einstellungen für DSLR- und spiegellose Kameras
Wechseln Sie in den manuellen Modus (M), um die volle Kontrolle über die Belichtung zu haben. Deaktivieren Sie den Autofokus und stellen Sie manuell auf unendlich (∞) scharf. Ein guter Trick ist, den Live-View-Modus zu verwenden, digital auf einen hellen Stern oder ein entferntes Licht zu zoomen und die Schärfe präzise einzustellen.
- Blende: Öffnen Sie die Blende so weit wie möglich (kleinste f-Zahl, z.B. f/1.8 oder f/2.8). Dadurch gelangt maximal viel Licht auf den Sensor.
- Belichtungszeit: Starten Sie mit einer Belichtungszeit zwischen 10 und 20 Sekunden. Bei sehr hellen und sich schnell bewegenden Nordlichtern können kürzere Zeiten (5-10 Sekunden) notwendig sein, um die Strukturen einzufrieren. Bei schwachen Lichtern können längere Zeiten (bis zu 30 Sekunden) erforderlich sein.
- ISO-Wert: Beginnen Sie mit einem ISO-Wert zwischen 1600 und 3200. Ein höherer ISO-Wert macht das Bild heller, führt aber auch zu mehr Bildrauschen. Moderne Kameras liefern jedoch auch bei hohen ISO-Werten gute Ergebnisse.
- Dateiformat: Fotografieren Sie unbedingt im RAW-Format. RAW-Dateien enthalten wesentlich mehr Bildinformationen als JPEGs und bieten dadurch deutlich mehr Spielraum in der Nachbearbeitung.
Fotografieren mit dem Smartphone
Auch mit einem Smartphone lassen sich beeindruckende Nordlichtfotos machen. Der Schlüssel liegt in der Nutzung des Nachtmodus und der Stabilisierung des Geräts.
Schalten Sie den Blitz aus und aktivieren Sie den Nachtmodus. Dieser Modus nimmt über mehrere Sekunden hinweg Licht auf und kombiniert die Informationen zu einem helleren und klareren Bild.
Stellen Sie Ihr Smartphone auf ein Stativ, um jegliche Bewegung zu vermeiden. Apps von Drittanbietern können zusätzliche manuelle Kontrollen über Belichtungszeit und ISO ermöglichen, was die kreativen Möglichkeiten erweitert. Ein sauberes Objektiv ist ebenfalls entscheidend – wischen Sie es vor der Aufnahme mit einem weichen Tuch ab.
Mehr als nur ein Foto
Die Jagd nach dem perfekten Nordlichtfoto kann aufregend sein. Doch bei aller Konzentration auf die Technik sollte das Erlebnis selbst nicht in den Hintergrund treten. Die Aurora Borealis ist eines der beeindruckendsten Naturschauspiele der Welt.
Nehmen Sie sich Zeit, das Lichtspiel auch mit eigenen Augen zu genießen. Die Erfahrung, unter einem leuchtenden Himmel zu stehen, ist oft genauso wertvoll wie das Foto, das dabei entsteht. Wenn eine Aufnahme nicht sofort gelingt, bleiben Sie geduldig und passen Sie Ihre Einstellungen an. Jede Aurora ist einzigartig, und das Experimentieren ist Teil des Abenteuers.





