Das für die „The Last of Us“-Reihe bekannte Entwicklerstudio Naughty Dog hat Berichten zufolge für sein nächstes Großprojekt verpflichtende Überstunden angeordnet. Mitarbeiter des zu Sony gehörenden Studios arbeiten seit Wochen unter erhöhtem Druck, um eine wichtige Deadline für das Spiel „Intergalactic: The Heretic Prophet“ einzuhalten.
Die Maßnahme soll eine Reaktion auf mehrere verpasste Fristen sein und zielt darauf ab, eine Demoversion des Spiels für eine interne Präsentation bei der Muttergesellschaft Sony fertigzustellen. Diese Entwicklung wirft erneut ein Schlaglicht auf die Arbeitsbedingungen in der Videospielindustrie.
Die wichtigsten Punkte
- Naughty Dog hat für die Entwicklung von „Intergalactic: The Heretic Prophet“ verpflichtende Überstunden eingeführt.
- Mitarbeiter müssen seit Ende Oktober mindestens acht zusätzliche Stunden pro Woche leisten.
- Grund dafür sind verpasste Entwicklungsfristen und eine bevorstehende Demo-Präsentation für Sony.
- Die Praxis, bekannt als „Crunch“, ist in der Branche zunehmend umstritten.
Druck im Studio steigt wegen wichtiger Deadline
In den Büros von Naughty Dog in Santa Monica herrscht seit Ende Oktober ein straffer Zeitplan. Quellen aus dem Umfeld des Unternehmens berichten, dass die Belegschaft angewiesen wurde, ihre Arbeitszeit deutlich zu erhöhen. Konkret wird von den Mitarbeitern verlangt, mindestens acht zusätzliche Stunden pro Woche zu arbeiten.
Diese Überstunden werden in einer internen Tabelle erfasst, um den Fortschritt genau zu überwachen. Die Anordnung betrifft die Entwicklung des mit Spannung erwarteten Titels „Intergalactic: The Heretic Prophet“, der bei den Game Awards 2024 erstmals angekündigt wurde.
Ziel der verstärkten Anstrengungen ist die Fertigstellung einer spielbaren Demo. Diese Version ist für eine interne Überprüfung durch Führungskräfte von Sony Group Corp. bestimmt, dem Mutterkonzern des Studios. Der Erfolg dieser Präsentation ist entscheidend für den weiteren Projektverlauf.
Was ist „Crunch“?
Der Begriff „Crunch“ oder „Crunch Time“ bezeichnet in der Videospielentwicklung Phasen intensiver und oft unbezahlter Überstunden kurz vor einer wichtigen Deadline, wie der Veröffentlichung eines Spiels oder der Fertigstellung einer Demo. Obwohl diese Praxis lange als normal galt, steht sie wegen der negativen Auswirkungen auf die Gesundheit und das Privatleben der Entwickler zunehmend in der Kritik.
Ein bekanntes Muster in der Branche
Die Anordnung von Überstunden, um Produktionsziele zu erreichen, ist für Naughty Dog kein neues Phänomen. Das Studio, das für seine qualitativ hochwertigen und detailreichen Spiele wie „Uncharted“ und „The Last of Us“ gefeiert wird, stand bereits in der Vergangenheit wegen seiner intensiven Arbeitskultur in der Kritik.
Viele große Studios sehen sich mit dem Dilemma konfrontiert, ambitionierte kreative Visionen mit straffen Zeitplänen und hohen Budgetvorgaben in Einklang zu bringen. Dies führt häufig zu Arbeitsphasen, die weit über eine normale 40-Stunden-Woche hinausgehen.
Die Industrie im Wandel
In den letzten Jahren hat sich jedoch ein Wandel in der Branche abgezeichnet. Immer mehr Entwickler und Studios sprechen sich öffentlich gegen „Crunch“ aus und suchen nach nachhaltigeren Produktionsmethoden. Gewerkschaftsbildungen und eine stärkere Sensibilisierung für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz sind Teil dieser Bewegung.
Dass ein prominentes Studio wie Naughty Dog nun offenbar wieder auf diese umstrittene Methode zurückgreift, wird in der Branche genau beobachtet. Es zeigt, wie tief verwurzelt diese Praktiken trotz des wachsenden Gegenwinds noch immer sind.
Fakten zur aktuellen Situation
- Betroffenes Projekt: Intergalactic: The Heretic Prophet
- Beginn der Überstunden: Ende Oktober 2025
- Dauer: Seit mindestens sieben Wochen
- Umfang: Mindestens 8 zusätzliche Stunden pro Woche
Die Hintergründe der Verzögerungen
Informationen von Insidern deuten darauf hin, dass die aktuelle Überstundenphase eine direkte Folge von zuvor verpassten Entwicklungsmeilensteinen ist. Das Projekt sei hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurückgeblieben, was den Druck erhöhte, verlorene Zeit aufzuholen.
Die Entwicklung moderner AAA-Spiele ist ein extrem komplexer Prozess. Teams von Hunderten von Mitarbeitern müssen koordiniert werden, während technische Hürden und kreative Herausforderungen bewältigt werden. Kleinere Verzögerungen in einem Bereich können schnell kaskadenartige Effekte auf die gesamte Produktion haben.
„Die Anweisung war klar: Wir müssen die Demo fertigstellen, egal was es kostet. Die Stimmung ist angespannt, denn jeder weiß, wie viel davon abhängt.“
- Anonyme Quelle aus dem Umfeld des Studios
Die Entscheidung, die Arbeitsbelastung zu erhöhen, anstatt den Zeitplan anzupassen, ist oft eine wirtschaftliche. Jede Verschiebung eines großen Titels kann für einen Publisher wie Sony erhebliche finanzielle Auswirkungen haben. Daher wird oft versucht, den ursprünglichen Veröffentlichungstermin um jeden Preis zu halten.
Auswirkungen auf die Mitarbeiter und die Zukunft
Langfristige Phasen von Überstunden können schwerwiegende Folgen für die Mitarbeiter haben. Burnout, gesundheitliche Probleme und eine hohe Fluktuation sind bekannte Konsequenzen einer solchen Arbeitskultur. Für die Studios bedeutet dies den Verlust von erfahrenen Talenten, was sich langfristig negativ auf die Qualität der Spiele auswirken kann.
Die aktuelle Situation bei Naughty Dog wird die Debatte über nachhaltige Arbeitsbedingungen in der Gaming-Industrie weiter anheizen. Während Fans sich auf ein neues, ambitioniertes Spiel freuen, wächst das Bewusstsein dafür, unter welchen Bedingungen diese digitalen Welten erschaffen werden.
Weder Naughty Dog noch Sony haben sich bisher offiziell zu den Berichten über die angeordneten Überstunden geäußert. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob das Studio seine Ziele erreicht und wie sich die intensive Arbeitsphase auf das Team und das finale Produkt auswirkt.





