Für viele ist es ein tägliches Ritual, für Caroline Hand war es ein jahrzehntelanger Traum: die Veröffentlichung eines eigenen Kreuzworträtsels in der New York Times. Nach mehr als 20 Jahren unermüdlicher Versuche hat sie es nun geschafft und ihr Debüt mit einem anspruchsvollen Freitagsrätsel gefeiert, das in der Community für Aufsehen sorgt.
Ihre Geschichte ist ein Beispiel für Ausdauer und die Leidenschaft für eine der bekanntesten Denksportaufgaben der Welt. Ihr erstes Rätsel reichte sie ein, als die Erstellung noch mühsam auf Millimeterpapier erfolgte – eine Welt entfernt von der heutigen digitalen Software.
Ein Traum, der auf Millimeterpapier begann
Die Reise von Caroline Hand in die Welt der professionellen Rätselerstellung begann vor über zwei Jahrzehnten. Damals, so erinnert sie sich, konstruierte man Kreuzworträtsel noch von Hand auf Millimeterpapier. Jedes Wort musste in speziellen Kreuzworträtsel-Wörterbüchern nachgeschlagen werden. Ihre erste Einreichung bei der New York Times wurde abgelehnt, doch das hielt sie nicht auf.
Schon während ihrer Studienzeit war die Faszination für die Wortgitter präsent. Gemeinsam mit ihren Mitbewohnern löste sie regelmäßig die anspruchsvollen Donnerstags- und Freitagsrätsel der Zeitung. Diese Erfahrung legte den Grundstein für den Wunsch, eines Tages selbst auf der Autorenseite zu stehen. Über die Jahre folgten weitere Einreichungen, die jedoch nicht zum Erfolg führten.
Die Hierarchie der Kreuzworträtsel
Die täglichen Kreuzworträtsel der New York Times folgen einer klaren Schwierigkeitskurve. Montagsrätsel sind am einfachsten, um Neulinge anzusprechen. Die Herausforderung steigt von Tag zu Tag, wobei das Freitags- und insbesondere das Samstagsrätsel als die schwierigsten der Woche gelten. Ein Debüt an einem Freitag ist daher eine besondere Auszeichnung.
Der Wechsel zur königlichen Disziplin
Eine entscheidende Wende in Hands Herangehensweise war der Entschluss, ein themenfreies Rätsel zu erstellen. Viele Rätsel basieren auf einem bestimmten Thema, das sich in mehreren langen Antworten widerspiegelt. Themenfreie Rätsel, oft als „Freestyle“ bezeichnet, verzichten darauf und konzentrieren sich stattdessen auf clevere Wortspiele und originelle Füllwörter.
Inspiriert wurde sie dabei von Robyn Weintraub, einer bekannten Größe in der Szene, die für ihre eleganten, themenfreien Gitter bekannt ist. „Das Finden von Themen war für mich immer eine große Herausforderung“, erklärte Hand. „Also dachte ich mir, was wäre, wenn ich es im Stil von Robyn Weintraub versuche und ein themenfreies Rätsel einreiche?“
Das Ergebnis ist ein Rätsel, das von Experten als „funkelnd“ und voller origineller Einträge gelobt wird. Es enthält gleich sechs sogenannte „Spanner“ – Antworten, die sich über die gesamte Breite oder Höhe des Gitters erstrecken und besonders schwer zu integrieren sind.
Ein Blick ins Debüt-Rätsel
Das Freitagsrätsel von Caroline Hand zeichnet sich durch kreative und anspruchsvolle Hinweise aus. Solche Rätsel leben von Wortspielen und der Fähigkeit, um die Ecke zu denken. Einige der herausragenden Hinweise illustrieren dies besonders gut.
- [Antediluvian] (vor der Sintflut): Die Antwort hier war nicht ein historischer Begriff, sondern die umgangssprachliche Redewendung OLD AS DIRT (steinalt).
- [Bear up?] (Bär oben?): Dieser Hinweis spielt mit der Doppeldeutigkeit des Wortes „Bear“. Es ist nicht das Verb „ertragen“ gemeint, sondern der Bär als Tier – und zwar am Himmel. Die Lösung ist URSA, der lateinische Name für das Sternbild des Bären.
- [Standoff’s conclusion?] (Ende eines Patts?): Hier wird der Rätsellöser in die Irre geführt. Es geht nicht um das Ende einer Pattsituation, sondern um das Ende des Wortes „standoff“. Die Antwort ist die Nachsilbe ISH.
Diese Beispiele zeigen, warum Freitagsrätsel eine besondere Herausforderung darstellen und warum Hands Debüt als so gelungen gilt. Ihre Fähigkeit, frische und überraschende Wortkombinationen zu finden, hat ihr den Respekt der Community eingebracht.
Ich bin mehr als begeistert, mein Debüt in der New York Times zu geben! Das ist seit Jahrzehnten ein Traum von mir.
Neues Format: Das „Midi“-Rätsel
Parallel zu Debüts wie dem von Caroline Hand erweitert die New York Times ihr Angebot. Kürzlich wurde das „Midi“ eingeführt, ein tägliches, mittelgroßes Kreuzworträtsel, das eine Lücke zwischen dem kleinen „Mini“ und dem klassischen großen Rätsel schließt.
Mehr als nur ein Hobby
Die Geschichte von Caroline Hand unterstreicht, dass die Welt der Kreuzworträtsel weit mehr ist als nur ein Zeitvertreib. Sie ist eine lebendige Kultur mit eigenen Stars, anspruchsvollen Standards und einer engagierten Gemeinschaft. Ein Debüt in der New York Times ist vergleichbar mit der Veröffentlichung eines ersten Romans bei einem renommierten Verlag.
Für Caroline Hand ist nach über 20 Jahren ein Lebensziel in Erfüllung gegangen. Ihr Weg von handgezeichneten Entwürfen bis zum gefeierten digitalen Debüt ist eine Inspiration – nicht nur für angehende Rätselautoren, sondern für jeden, der ein langfristiges Ziel mit Geduld und Leidenschaft verfolgt.





