In einer Telefonkonferenz zu den Quartalsergebnissen wich die Google-Muttergesellschaft Alphabet einer direkten Frage zu ihrer weitreichenden KI-Partnerschaft mit Apple aus. Diese Zurückhaltung wirft ein Schlaglicht auf die strategische Unsicherheit, wie der Technologieriese seine künstliche Intelligenz monetarisieren will, während er gleichzeitig eine milliardenschwere Beziehung zu einem seiner größten Konkurrenten pflegt.
Anstatt auf die Anfrage eines Analysten einzugehen, wie die Partnerschaft zur Integration der Gemini-KI in Apples Siri-Assistenten das Kerngeschäft beeinflussen wird, wurde die Frage übergangen. Das Schweigen des Unternehmens spricht Bände über die Komplexität und die noch offenen Fragen rund um die Zukunft der KI-gestützten Suche und deren Werbemodelle.
Wichtige Erkenntnisse
- Alphabet wich einer Analystenfrage zur KI-Partnerschaft mit Apple während einer Telefonkonferenz aus.
- Die Zurückhaltung deutet auf strategische Unsicherheiten bei der Monetarisierung von KI-Diensten hin.
- Die Partnerschaft baut auf einem bestehenden Such-Deal auf, bei dem Google jährlich 20 Milliarden US-Dollar an Apple zahlt.
- Im Gegensatz zum Suchgeschäft ist der finanzielle Nutzen des neuen KI-Deals für Google noch unklar.
Eine strategische Partnerschaft mit vielen Unbekannten
Die Beziehung zwischen Google und Apple ist seit Jahren eine der faszinierendsten und lukrativsten in der Tech-Welt. Obwohl sie auf dem Smartphone-Markt erbitterte Konkurrenten sind, verbindet sie eine tiefgreifende finanzielle Abhängigkeit. Google zahlt Apple immense Summen, um die Standardsuchmaschine auf iPhones, iPads und Macs zu bleiben.
Gerichtsdokumente aus einem Kartellverfahren in den USA enthüllten kürzlich das Ausmaß dieser Vereinbarung: Im Jahr 2022 flossen rund 20 Milliarden US-Dollar von Google an Apple. Dieser Betrag sichert Google den Zugang zu Apples riesiger Nutzerbasis, die weltweit mehr als 2,5 Milliarden aktive Geräte umfasst.
Vom Suchmaschinen- zum KI-Partner
Die neue Kooperation im Bereich der künstlichen Intelligenz erweitert diese Beziehung auf eine neue Ebene. Berichten zufolge wird Apples Siri in Zukunft durch Googles fortschrittliche Gemini-Technologie unterstützt. Während die Kosten für Apple auf etwa eine Milliarde US-Dollar pro Jahr geschätzt werden, ist der direkte finanzielle Vorteil für Google weitaus weniger offensichtlich als beim Such-Deal.
Bei der traditionellen Suche platziert Google bezahlte Anzeigen prominent über den organischen Ergebnissen, was den Großteil seiner Einnahmen ausmacht. Wie Werbung in einer KI-gestützten, dialogorientierten Umgebung funktionieren soll, ist jedoch noch weitgehend unklar.
Hintergrund: Die Monetarisierung von KI
Die großen Technologieunternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre Investitionen in künstliche Intelligenz in profitable Geschäftsmodelle umzuwandeln. Während einige auf Abonnementdienste setzen, experimentiert Google damit, Anzeigen in seine KI-Antworten zu integrieren. Diese Anzeigen erscheinen unterhalb oder innerhalb der von der KI generierten Texte, was eine grundlegend andere Nutzererfahrung darstellt als bei der klassischen Websuche.
Vielsagendes Schweigen in der Telefonkonferenz
Die Weigerung von Alphabet, die Frage eines Analysten zur Apple-Partnerschaft zu beantworten, war der bemerkenswerteste Moment der Telefonkonferenz. Anstatt Details zu den finanziellen Erwartungen oder der strategischen Ausrichtung zu geben, wiederholten die Führungskräfte lediglich vorbereitete und nahezu identische Formulierungen.
Sowohl CEO Sundar Pichai als auch Chief Business Officer Philipp Schindler erklärten lediglich, man sei erfreut, Apples „bevorzugter Cloud-Anbieter“ zu sein und bei der Entwicklung der „nächsten Generation von Apple Foundation Models auf Basis der Gemini-Technologie“ zu helfen.
Diese kontrollierte Kommunikation signalisiert, dass intern noch keine klare Strategie für die Monetarisierung der KI-Dienste auf fremden Plattformen existiert. Die Integration in Siri könnte Google zwar wertvolle Daten und eine noch größere Reichweite verschaffen, aber der Weg zur Profitabilität ist noch nicht definiert.
Zahlen im Überblick
- 20 Mrd. US-Dollar: Jährliche Zahlung von Google an Apple für den Status als Standardsuchmaschine.
- 2,5 Mrd.: Anzahl der aktiven Apple-Geräte weltweit, auf die Google Zugriff erhält.
- 1 Mrd. US-Dollar: Geschätzte jährliche Kosten für Apple im Rahmen des neuen KI-Deals.
Der Wettbewerb schläft nicht
Während Google noch mit seinem Werbemodell für KI experimentiert, positionieren sich Konkurrenten bereits anders. Unternehmen wie Anthropic, ein aufstrebender KI-Entwickler, stellen das werbefinanzierte Modell offen in Frage und werben mit einem Fokus auf Datenschutz und werbefreie Erlebnisse.
Auch OpenAI, der Entwickler von ChatGPT, setzt primär auf ein Freemium-Modell mit kostenpflichtigen Abonnements für erweiterte Funktionen. Google befindet sich somit in einem Dilemma: Es muss sein extrem profitables Werbegeschäft in das Zeitalter der KI überführen, ohne die Nutzer zu verprellen oder den Anschluss an die Konkurrenz zu verlieren.
Die Partnerschaft mit Apple ist ein entscheidender Schritt, um die eigene Technologie auf so vielen Geräten wie möglich zu etablieren. Doch die unbeantwortete Frage während der Telefonkonferenz zeigt, dass die wichtigste Antwort noch aussteht: Wie wird Google damit Geld verdienen?





