Marc-Alexis Côté, ehemals Leiter der erfolgreichen Assassin’s Creed-Reihe bei Ubisoft, hat Klage gegen das Unternehmen eingereicht. Er fordert knapp eine Million US-Dollar Schadenersatz. Côté behauptet, er sei nicht freiwillig gegangen, sondern von seiner Position verdrängt worden.
Die Klage wurde vor Kurzem beim Obersten Gerichtshof von Quebec eingereicht. Sie fordert 1,3 Millionen kanadische Dollar, was umgerechnet etwa 935.000 US-Dollar entspricht. Côté war über 20 Jahre bei Ubisoft tätig und maßgeblich für die Entwicklung der Assassin’s Creed-Franchise verantwortlich.
Wichtige Punkte
- Marc-Alexis Côté verklagt Ubisoft auf knapp 1 Million US-Dollar.
- Er behauptet, es handele sich um eine „konstruktive Entlassung“.
- Côté wurde nach der Einführung von Vantage Studios von seiner Rolle demotiert.
- Er fordert zudem die Aufhebung einer Wettbewerbsverbotsklausel.
Hintergrund der Klage: Demotion nach Umstrukturierung
Côté war seit 2022 federführend für die Strategie und Zukunft der Assassin’s Creed-Reihe verantwortlich. Seine Klageschrift beschreibt die Ereignisse, die zu seinem Ausscheiden führten. Im Sommer 2025 wurde demnach klar, dass er die Leitung der Franchise nicht behalten würde.
Dies geschah nach der Gründung von Vantage Studios, einer neuen Tochtergesellschaft von Ubisoft. Vantage Studios wurde mit 1,25 Milliarden US-Dollar von Tencent finanziert. Sie sollte die profitabelsten Franchises des Publishers bündeln: Rainbow Six Siege, Far Cry und Assassin’s Creed.
Faktencheck
- Klagehöhe: 1,3 Millionen kanadische Dollar (ca. 935.000 US-Dollar).
- Côtés Dienstzeit: Über 20 Jahre bei Ubisoft.
- Vantage Studios: Geführt von Christophe Derennes und Charlie Guillemot (Sohn des Ubisoft-CEO Yves Guillemot).
- Vantage Studios Finanzierung: 1,25 Milliarden US-Dollar von Tencent.
Neue Hierarchie und Côtés Rolle
Unter dem alten Modell berichtete Côté direkt an Yves Guillemot, den CEO von Ubisoft. Mit der Einführung von Vantage Studios sollte jedoch eine neue Position geschaffen werden: ein „Head of Franchise“.
Diese Person sollte alle wichtigen IPs von Ubisoft, einschließlich Assassin’s Creed, beaufsichtigen. Laut Côtés Klage hätte dies effektiv eine Demotion für ihn bedeutet. Die neue Position wäre zudem nur in Frankreich angesiedelt gewesen. Côté hätte umziehen müssen, um sie überhaupt in Betracht ziehen zu können.
„Die letzten 24 Stunden waren zutiefst emotional. Viele von Ihnen haben sich überrascht gezeigt, dass ich mich nach so vielen Jahren von Assassin’s Creed verabschieden würde, besonders angesichts der Leidenschaft, die ich immer noch dafür empfinde. Die Wahrheit ist einfach: Ich habe diese Wahl nicht getroffen.“
Das Angebot einer anderen Rolle und der erzwungene Abgang
Côté wurde angeblich eine neue Rolle als „Franchise Production Head“ oder eine weniger definierte Position zur Leitung eines „Creative House“ für eine kleinere Franchise angeboten. Er lehnte diese Angebote ab. Im Oktober forderte er seine Abfindungszahlung, da er seine ursprüngliche Position effektiv verloren hatte.
Einen Tag später kündigte Ubisoft überraschend Côtés „freiwilligen“ Abgang an, sowohl intern als auch öffentlich. Côté widersprach dieser Darstellung umgehend auf LinkedIn und machte deutlich, dass die Entscheidung nicht von ihm ausging.
Hintergrundinformationen
Ubisoft ist ein französischer Videospielentwickler und Publisher, bekannt für Franchises wie Assassin’s Creed, Far Cry und Rainbow Six. Das Unternehmen hat in den letzten Jahren mehrere Umstrukturierungen vorgenommen, um die Entwicklungsprozesse zu optimieren und die Rentabilität zu steigern. Diese Klage zeigt die internen Spannungen, die solche Veränderungen hervorrufen können.
Forderungen der Klage: Schadenersatz und Aufhebung der Klausel
Côté fordert vom Gericht in Quebec nicht nur Schadenersatz und seine Abfindungszahlung. Er möchte auch von einer Wettbewerbsverbotsklausel befreit werden. Diese Klausel schränkt seine Möglichkeiten ein, andere Rollen in der Videospielindustrie anzunehmen.
Eine solche Klausel kann die berufliche Zukunft eines Entwicklers erheblich beeinflussen, besonders in einer so spezialisierten Branche wie der Spieleentwicklung. Die Aufhebung würde Côté erlauben, seine Karriere ungehindert fortzusetzen.
Längere Entwicklungszyklen und Zukunftsstrategie
Die Klage kommt kurz vor dem einjährigen Jubiläum von Assassin’s Creed Shadows. Dies war das letzte Spiel der Reihe, das unter Côtés Leitung veröffentlicht wurde. Er hatte seit Assassin’s Creed: Brotherhood im Jahr 2010 an der historischen Action-Serie gearbeitet.
Assassin’s Creed Shadows sollte ursprünglich 2024 erscheinen, wurde aber verschoben, um zusätzliche Entwicklungszeit zu ermöglichen. Dies markierte die längste Pause zwischen neuen Veröffentlichungen in der Geschichte der Serie.
- Assassin’s Creed Shadows: Letztes Spiel unter Côtés Leitung, veröffentlicht Ende 2025.
- Entwicklungszeit: Ursprünglich drei Jahre pro Zyklus, jetzt angestrebt: längere Zyklen für mehr Nachhaltigkeit.
- Zwei Entwicklungsstränge: Weiterentwicklung der Open-World-RPG-Formel (wie Origins) und neue Ansätze (wie Hexe).
Côté kündigte bereits 2022 an, dass Ubisoft sein Entwicklungsmodell ändern würde. Ziel war es, die Zyklen nachhaltiger zu gestalten und die Spiele über einen längeren Zeitraum zu unterstützen. Er sprach von einer Evolution der Franchise auf zwei getrennten Wegen.
Shadows sollte die Open-World-RPG-Formel weiterentwickeln, die mit Assassin’s Creed Origins begann. Der nächste Teil, Assassin’s Creed Hexe unter der Leitung von Clint Hocking, sollte einen „frischen und anderen“ Ansatz verfolgen.
Einige Projekte, wie der Multiplayer-Ableger Invictus und das mobile „AAA“-Spiel Jade, sind jedoch weiterhin verschwunden. Gerüchten zufolge soll ein Remake von Assassin’s Creed IV: Black Flag in den nächsten Monaten erscheinen.
Ubisoft und Côté haben bisher keine öffentlichen Stellungnahmen zu den jüngsten Entwicklungen abgegeben.





