Zwei Jahre nach der Markteinführung des Apple Vision Pro hat Google eine offizielle YouTube-Anwendung für das Mixed-Reality-Headset veröffentlicht. Die native App, die seit dem 12. Februar 2026 verfügbar ist, schließt eine bedeutende Lücke im Ökosystem des Geräts und erfüllt einen lang gehegten Wunsch der Nutzergemeinschaft.
Die Anwendung ist mehr als nur eine einfache Portierung der iPad-Version. Sie wurde speziell für die räumliche Benutzeroberfläche von visionOS entwickelt und unterstützt immersive Videoformate wie 3D-, 180-Grad- und 360-Grad-Videos, was das Seherlebnis auf dem Headset erheblich verbessert.
Die wichtigsten Punkte
- Google hat eine native YouTube-App für Apple Vision Pro veröffentlicht.
- Die Veröffentlichung erfolgte zwei Jahre nach dem Marktstart des Headsets.
- Die App unterstützt 3D-, 180-Grad- und 360-Grad-Videos.
- Zuvor mussten Nutzer auf den Webbrowser oder inoffizielle Apps ausweichen.
Langes Warten hat ein Ende
Seit der Einführung des ersten Apple Vision Pro im Februar 2024 war das Fehlen einer offiziellen YouTube-App einer der größten Kritikpunkte. Für ein Gerät, das stark auf den Konsum von Videoinhalten ausgerichtet ist, stellte dies eine erhebliche Einschränkung dar. Nutzer waren gezwungen, auf die Webversion von YouTube auszuweichen, was insbesondere bei immersiven Inhalten ein unzureichendes Erlebnis bot.
Die Frustration in der Community wuchs, als Google zunächst keine konkreten Pläne für eine App bekannt gab und lediglich erklärte, dass eine Anwendung auf der „Roadmap“ stehe. Diese vage Aussage wurde von zwei Jahren des Schweigens begleitet, was die Nutzer verunsicherte und Raum für alternative Lösungen schuf.
Die Rolle von Drittanbieter-Apps
In der Zwischenzeit versuchten Entwickler von Drittanbietern, die Lücke zu füllen. Anwendungen wie „Juno“ gewannen an Popularität, da sie eine bessere Integration als die Weboberfläche boten. Allerdings ging Google aktiv gegen einige dieser inoffiziellen Lösungen vor.
So wurde Juno aus dem App Store entfernt, nachdem Google eine Verletzung der API-Richtlinien geltend gemacht hatte. Dieser Schritt wurde von vielen Nutzern kritisiert, da er die Optionen weiter einschränkte, ohne eine offizielle Alternative bereitzustellen. Das Vorgehen unterstrich die komplizierte Beziehung zwischen den beiden Tech-Giganten im aufstrebenden XR-Markt.
Funktionen der neuen YouTube-App
Die neu veröffentlichte App ist keine bloße Notlösung. Sie wurde von Grund auf für das Vision Pro entwickelt und nutzt die Stärken der räumlichen Computerumgebung. Die Benutzeroberfläche besteht aus Fenstern, die frei im Raum des Nutzers angeordnet werden können, was ein intuitives und immersives Bedienerlebnis ermöglicht.
Voller Funktionsumfang
Laut der Beschreibung im App Store bietet die Anwendung das „vollständige angemeldete Erlebnis“. Das bedeutet, Nutzer haben Zugriff auf ihren Wiedergabeverlauf, ihre Abonnements, Playlists und personalisierte Empfehlungen, genau wie auf anderen Plattformen.
Ein entscheidendes Merkmal ist die Unterstützung für immersive Videoformate. Die umfangreiche Bibliothek von YouTube mit 360-Grad- und 180-Grad-VR-Videos kann nun nativ auf dem Vision Pro erlebt werden. Auch 3D-Videos werden unterstützt, was die Fähigkeiten des hochauflösenden Displays des Headsets voll ausnutzt.
Darüber hinaus wurde eine spezielle Oberfläche für YouTube Shorts integriert, die das vertikale Videoformat an die räumliche Darstellung anpasst. Dies zeigt, dass Google bestrebt war, alle Kernfunktionen seiner Plattform auf das neue Gerät zu bringen.
Strategische Bedeutung und Marktauswirkungen
Die späte Veröffentlichung der YouTube-App wirft Fragen über Googles Strategie im Bereich Extended Reality (XR) auf. Es ist bekannt, dass das Unternehmen eigene Ambitionen in diesem Sektor verfolgt, möglicherweise in Konkurrenz zu Apples Vision-Plattform. Die zweijährige Verzögerung könnte ein strategischer Schachzug gewesen sein, um die Attraktivität des Konkurrenzprodukts zunächst nicht zu steigern.
Dass die App nun doch erscheint, könnte auf mehrere Faktoren zurückzuführen sein:
- Wachsender Druck aus der Nutzergemeinschaft: Die anhaltenden Forderungen der Vision-Pro-Besitzer waren nicht zu überhören.
- Eigene XR-Entwicklungen: Die Arbeit an der Vision-Pro-App könnte Synergien mit Googles eigenen XR-Projekten geschaffen haben.
- Marktpositionierung: Eine Präsenz auf allen relevanten Plattformen ist für YouTube entscheidend, um seine Dominanz im Videomarkt zu sichern.
Der fehlende Riese Netflix
Mit der Ankunft von YouTube richtet sich der Blick nun auf einen anderen großen Streaming-Anbieter: Netflix. Im Gegensatz zu Google hat Netflix bisher keine Absicht bekundet, eine native App für das Vision Pro zu entwickeln. Nutzer sind hier weiterhin auf den Browser angewiesen, was das Seherlebnis einschränkt. Die Entscheidung von Netflix, die Plattform zu meiden, bleibt ein wichtiger fehlender Baustein im Software-Angebot des Vision Pro.
Die Veröffentlichung der YouTube-App ist ein bedeutender Gewinn für die Vision-Pro-Plattform. Sie beseitigt nicht nur ein großes Ärgernis für bestehende Nutzer, sondern macht das Gerät auch für potenzielle Neukunden attraktiver. Für viele ist der uneingeschränkte Zugriff auf die weltweit größte Videoplattform ein entscheidendes Kaufargument.
Ein Blick in die Zukunft
Die Einführung der YouTube-App könnte als Zeichen einer allmählichen Öffnung und Zusammenarbeit zwischen den großen Tech-Konzernen im XR-Bereich gewertet werden. Während der Wettbewerb hart bleibt, erkennen Unternehmen möglicherweise die Notwendigkeit, ihre wichtigsten Dienste plattformübergreifend anzubieten, um die Akzeptanz der neuen Technologie insgesamt zu fördern.
Für Apple ist dies ein wichtiger Meilenstein, der die Software-Bibliothek des Vision Pro stärkt. Die native Unterstützung für YouTube-Inhalte, insbesondere für immersive Formate, wird zweifellos die Art und Weise verändern, wie Besitzer ihr Headset nutzen.
Es bleibt abzuwarten, ob andere große Player wie Netflix dem Beispiel von Google folgen werden. Doch für den Moment können sich Vision-Pro-Nutzer darüber freuen, dass eine der wichtigsten Apps der Welt endlich vollständig und optimiert auf ihrem Gerät angekommen ist.





