Fast ein Jahrzehnt nach dem Ende von Googles ambitioniertem Project Ara wagt der chinesische Smartphone-Hersteller Tecno einen neuen Anlauf für ein anpassbares Handy. Kurz vor dem Mobile World Congress 2026 präsentiert das Unternehmen ein Konzept, das auf einer magnetischen Verbindungstechnologie basiert und Nutzern erlauben soll, ihr Gerät je nach Bedarf mit verschiedenen Funktionen zu erweitern.
Wichtige Erkenntnisse
- Tecno stellt ein modulares Smartphone-Konzept vor, das auf magnetischen Ansteckmodulen basiert.
- Das System unterscheidet sich von Googles Project Ara, da es eher Zubehör als Kernkomponenten austauschbar macht.
- Das Basisgerät ist mit 4,9 mm extrem dünn und bleibt auch mit Modulen handlich.
- Zu den ersten Modulen gehören eine Action-Kamera, ein Teleobjektiv und Kommunikationswerkzeuge für entlegene Gebiete.
Ein alter Traum in neuem Gewand
Die Vision eines Smartphones, das man wie einen Baukasten selbst zusammenstellen kann, ist nicht neu. Viele erinnern sich noch an Googles Project Ara, das vor fast zehn Jahren eingestellt wurde. Die Idee war es, Nutzern die vollständige Kontrolle über die Hardware zu geben – vom Prozessor bis zum Kameramodul.
Tecno greift diesen Gedanken nun wieder auf, aber mit einem deutlich veränderten Ansatz. Anstatt zu versuchen, grundlegende Bauteile des Telefons austauschbar zu machen, konzentriert sich das neue Konzept auf die Erweiterung der Funktionalität durch Zubehör.
Was war Project Ara?
Project Ara war eine Initiative von Google, die darauf abzielte, ein Smartphone mit austauschbaren Komponenten zu entwickeln. Nutzer sollten einzelne Module wie Kameras, Prozessoren oder Akkus einfach austauschen und aufrüsten können. Trotz vielversprechender Prototypen wurde das Projekt aufgrund technischer Hürden und Komplexität schließlich eingestellt.
Magnetische Verbindung statt physischer Kontakte
Das Herzstück von Tecnos Konzept ist die sogenannte „Modular Magnetic Interconnection Technology“. Anstatt komplizierter Schiebemechanismen und physischer Stiftkontakte, wie sie bei frühen Prototypen von Ara zu sehen waren, setzt Tecno auf eine elegante magnetische Lösung.
Die Module werden einfach auf die Rückseite des Telefons geklickt, wo sie von starken Magneten gehalten werden. Die Kommunikation mit dem Hauptgerät erfolgt drahtlos über eine Kombination aus Wi-Fi, Bluetooth und mmWave. Dieser Ansatz vereinfacht das Design erheblich und ermöglicht eine bemerkenswert schlanke Bauweise.
Das Basis-Smartphone misst nur 4,9 Millimeter in der Dicke. Selbst mit einem angedockten Powerbank-Modul, das 4,5 Millimeter dick ist, bleibt die Gesamtdicke des Geräts im Bereich aktueller Flaggschiff-Smartphones.
Zwei Designsprachen für unterschiedliche Geschmäcker
Tecno hat zwei verschiedene ästhetische Varianten für sein Konzepttelefon entwickelt. Die Rückseite des Geräts ist dabei in acht Zonen unterteilt, die als Orientierung für die Platzierung der Module dienen.
- ATOM Edition: Diese Version verfügt über ein silbernes Aluminiumgehäuse mit roten Akzenten und wirkt technisch und modern.
- MODA Edition: Diese Variante wird als „geek-inspiriert“ beschrieben und zielt auf eine andere Zielgruppe ab.
Ein wachsendes Ökosystem an Möglichkeiten
Der eigentliche Wert eines modularen Systems liegt in der Vielfalt der verfügbaren Module. Tecno hat bereits ein kleines Ökosystem mit rund zehn verschiedenen Erweiterungen vorgestellt, die unterschiedliche Anwendungsfälle abdecken.
Das Ziel ist es, dem Nutzer Flexibilität zu geben. Anstatt ein Gerät mit vielen Funktionen zu kaufen, die man selten nutzt, kann man gezielt die Hardware mitnehmen, die man für einen bestimmten Tag oder eine bestimmte Aufgabe benötigt.
„Das Ziel ist es, den Nutzern zu ermöglichen, nur die Hardware mit sich zu führen, die sie für einen bestimmten Tag benötigen, anstatt an eine feste werkseitige Ausstattung gebunden zu sein.“
Zu den vorgestellten Modulen gehören unter anderem:
- Action-Kamera: Für Content-Ersteller, die hochwertige Videos unterwegs aufnehmen möchten.
- Teleobjektiv: Erweitert die fotografischen Fähigkeiten des Smartphones erheblich und nutzt den Bildschirm des Telefons als Sucher.
- Off-Grid-Kommunikation: Werkzeuge, die eine Kommunikation auch ohne Mobilfunknetz ermöglichen.
- Powerbank: Ein Zusatzakku für längere Laufzeiten.
Zukunftsmusik oder bald Realität?
Wie bei vielen Konzepten, die auf Messen wie dem MWC gezeigt werden, gibt es derzeit keine konkreten Informationen über einen möglichen Veröffentlichungstermin oder einen Preis. Tecno selbst bezeichnet das Projekt als Teil eines „langfristigen Design-Denkens“.
Ob diese Technologie jemals in einem kommerziellen Produkt münden wird, bleibt abzuwarten. Die Herausforderungen sind nach wie vor groß. Es muss ein robustes Ökosystem an Modulen geschaffen werden, die Software muss nahtlos integriert sein und letztendlich müssen die Verbraucher davon überzeugt werden, dass der modulare Ansatz einen echten Mehrwert bietet.
Dennoch ist es eine interessante Neuinterpretation einer alten Idee. Indem der Fokus von internen Kernkomponenten auf externes Zubehör verlagert wird, könnte Tecno einige der größten Hürden umgangen haben, an denen frühere Projekte gescheitert sind. Die kommenden Monate werden zeigen, ob aus diesem faszinierenden Konzept mehr wird als nur eine Tech-Demo.




