Stewart Cheifet, der als Moderator der wegweisenden PBS-Sendung „Computer Chronicles“ einer ganzen Generation die Welt der Personal Computer näherbrachte, ist im Alter von 87 Jahren verstorben. Seine Tochter, Dr. Stephanie Cheifet Koven, bestätigte, dass er an den Folgen einer Grippeerkrankung starb.
Fast zwei Jahrzehnte lang erklärte Cheifet mit ansteckender Begeisterung die technologischen Umbrüche, die heute unseren Alltag prägen. Von 1983 bis 2002 führte er durch 433 Episoden und wurde so zu einer Schlüsselfigur in der Vermittlung der digitalen Revolution.
Wichtige Fakten
- Stewart Cheifet, Moderator von „Computer Chronicles“, verstarb im Alter von 87 Jahren.
- Die Sendung lief 19 Staffeln lang, von 1983 bis 2002, und prägte die frühe Ära des Personal Computing.
- Cheifet interviewte Branchengrößen wie Steve Jobs, Bill Gates und Jeff Bezos.
- Er war dafür bekannt, komplexe technische Themen für ein breites Publikum verständlich zu machen.
Die Entstehung von „Computer Chronicles“
In den frühen 1980er Jahren, als Computer wie der Apple II und der Commodore 64 in die ersten Haushalte einzogen, erkannte Stewart Cheifet eine entscheidende Lücke. Es gab kaum Anlaufstellen für die neuen Nutzer. „Es gab keine Computerläden. Es gab keine Computermagazine. Die Leute brauchten Hilfe“, erklärte er 1995 in einem Interview.
Aus dieser Beobachtung entstand die Idee, eine Art Benutzergruppe für das Fernsehen zu schaffen. Als damaliger Leiter des PBS-Senders KCSM-TV in San Mateo, Kalifornien, startete Cheifet 1983 die „Computer Chronicles“. Er selbst war kein Programmierer oder Ingenieur, sondern ein Journalist mit einem Abschluss in Rechtswissenschaften von der Harvard University. Genau das machte ihn zum idealen Übersetzer zwischen den Entwicklern im Silicon Valley und dem neugierigen Publikum zu Hause.
Was war eine Benutzergruppe?
In den Anfängen der Personal Computer waren „User Groups“ (Benutzergruppen) lokale Gemeinschaften von Technikbegeisterten. Diese Gruppen trafen sich regelmäßig, um Wissen auszutauschen, Probleme zu lösen und neue Software vorzustellen. Cheifets Sendung übertrug dieses Konzept erfolgreich ins Fernsehen und erreichte damit ein landesweites Publikum.
Ein Fenster in die digitale Zukunft
Die Sendung entwickelte sich schnell zu einem vollen Erfolg. Innerhalb eines Jahres wurde „Computer Chronicles“ landesweit von PBS-Stationen ausgestrahlt und erreichte auf dem Höhepunkt ihrer Popularität über 300 Städte. Für viele Zuschauer war die Sendung der erste Kontakt mit revolutionären Technologien.
Cheifet und sein Team stellten den ersten Macintosh von Apple vor, erklärten das Betriebssystem Windows 95 und führten in das damals wundersame Konzept der „elektronischen Post“ ein. Zu seinen Gästen zählten die visionärsten Köpfe der Branche, darunter Steve Jobs, Bill Gates und ein junger Jeff Bezos, lange bevor ihre Namen weltweit bekannt waren.
In späteren Staffeln wagte sich die Sendung an Themen wie Cyber-Dating, virtuelle Realität und künstliche Intelligenz. Bereits 1984 sagte ein Experte in der Sendung voraus, dass KI-Systeme „in 10, 20 Jahren allgemein nützlich sein werden“ – eine bemerkenswert treffsichere Prognose.
Der Mensch hinter dem Moderator
Stewart Cheifet wurde am 24. September 1938 in Philadelphia geboren. Sein Vater war LKW-Fahrer, seine Mutter Bankangestellte. Er schloss 1960 sein Studium an der University of Southern California mit einem Doppelhauptfach in Mathematik und Psychologie ab, bevor er 1964 seinen Abschluss an der Harvard Law School machte.
Seine journalistische Karriere begann er in den Rechtsabteilungen von ABC News und CBS News. Später arbeitete er als Gerichtsreporter und berichtete unter anderem über die Prozesse gegen Charles Manson und Sirhan Sirhan, den Mörder von Robert F. Kennedy. Diese journalistische Grundlage verlieh seiner späteren Technikberichterstattung eine sachliche und fundierte Perspektive.
„Solange ich mich erinnern kann, war er immer sehr an neuen Technologien interessiert und neugierig darauf. Er war wirklich dieser technikaffine Computertyp, immer auf der Suche nach dem neuen coolen Computer, der Digitaluhr oder den frühen Robotern.“
Von 1996 bis 2002 moderierte er parallel die Sendung „Net Café“, die sich mit der aufkommenden Kultur des Internets befasste. Hier zeigte er sich legerer, im T-Shirt statt im Anzug, und erkundete Themen wie Hacker-Kultur, Desinformation im Netz und die Rolle von Frauen im Web.
Stewart Cheifets Karriere in Zahlen
- 19 Staffeln „Computer Chronicles“
- 433 produzierte Episoden
- 6 Jahre Moderator von „Net Café“
- Ausstrahlung in über 300 Städten
Ein bleibendes Vermächtnis
Nach dem Ende seiner Fernsehkarriere gab Cheifet sein Wissen an die nächste Generation weiter. 2013 wurde er Assistenzprofessor für Rundfunkjournalismus an der University of Nevada, Reno. In einem Interview für die Universität erklärte er, wie er seine Leidenschaft bereits als Student entdeckte: „Der Rundfunk war sozusagen meine instinktive Passion. Es war eine Kombination aus Wissenschaft, Ingenieurwesen, Gadgets und Schreiben – den Dingen, die ich liebe.“
Stewart Cheifet hinterlässt seine Tochter Stephanie, seinen Sohn Jonathan, zwei Brüder und fünf Enkelkinder. Seine Frau Peta Kennedy, die er 1968 heiratete, verstarb bereits 2024. Sein Vermächtnis ist das eines Mannes, der die digitale Welt entmystifizierte und die Anfänge einer technologischen Revolution für Millionen von Menschen dokumentierte und verständlich machte.





