Samsung hat eine grundlegend überarbeitete Version seines Sprachassistenten Bixby angekündigt. Mit der Integration fortschrittlicher künstlicher Intelligenz (KI) soll Bixby nicht nur intelligenter, sondern auch deutlich intuitiver werden. Die neuen Funktionen werden mit der kommenden Benutzeroberfläche One UI 8.5 eingeführt, deren Beta-Version bereits in Deutschland und anderen ausgewählten Ländern verfügbar ist.
Ein neuer Ansatz für die Gerätesteuerung
Samsung positioniert den neuen Bixby als einen Assistenten, der die Steuerung von Smartphones und anderen Galaxy-Geräten revolutionieren soll. Der Fokus liegt dabei auf der Verarbeitung natürlicher Sprache. Anstatt exakte Befehle oder die genauen Bezeichnungen von Einstellungen kennen zu müssen, können Nutzer ihre Wünsche nun in alltäglicher Sprache formulieren.
Diese Fähigkeit, kontextbezogene und ungenaue Anfragen zu verstehen, stellt einen erheblichen Fortschritt dar. Bixby soll die Absicht hinter einer Aussage erkennen und die entsprechende Aktion ausführen, was die Bedienungshürden für viele Nutzer senken dürfte.
Die wichtigsten Neuerungen
- Natürliche Sprachverarbeitung: Bixby versteht umgangssprachliche Anfragen zur Gerätesteuerung, ohne dass exakte Befehle nötig sind.
- Kontextbezogene Hilfe: Der Assistent analysiert die Situation des Nutzers, um relevante Einstellungen vorzuschlagen und Probleme zu lösen.
- Web-Integration: Bixby kann in Echtzeit Informationen aus dem Internet abrufen, um Fragen direkt zu beantworten.
- Teil von One UI 8.5: Die neuen Funktionen sind tief in Samsungs nächste große Software-Version integriert.
Bixby in der Praxis: Wie funktioniert die neue Steuerung?
Um die neuen Fähigkeiten zu verdeutlichen, hat Samsung konkrete Anwendungsbeispiele genannt. Diese zeigen, wie der Assistent komplexe Anfragen interpretiert und direkt umsetzt.
Beispiele für intuitive Befehle
Ein Nutzer könnte beispielsweise sagen: „Ich möchte nicht, dass sich der Bildschirm ausschaltet, während ich darauf schaue.“ Anstatt den Nutzer durch die Menüs zu schicken, versteht der neue Bixby die Anweisung und aktiviert direkt die Funktion „Bildschirm eingeschaltet lassen bei Betrachtung“.
Ein weiteres Szenario betrifft die Problemlösung. Fragt ein Nutzer: „Warum ist mein Handy-Display in der Hosentasche immer an?“, analysiert Bixby den Kontext. Der Assistent erkennt, dass es sich um ein Problem mit versehentlichen Berührungen handeln könnte, und schlägt vor, den „Schutz vor versehentlicher Berührung“ zu aktivieren. Der Nutzer kann dies dann mit einem einfachen Befehl bestätigen.
Fokus auf Benutzerfreundlichkeit
Die Fähigkeit, die Absicht des Nutzers zu verstehen, statt nur auf Schlüsselwörter zu reagieren, ist ein zentrales Merkmal moderner KI-Assistenten. Samsung zielt darauf ab, die Interaktion mit der Technik so menschlich und einfach wie möglich zu gestalten.
Mehr als nur Gerätesteuerung: Bixby wird zur Informationsquelle
Neben der verbesserten Gerätekontrolle erhält Bixby eine weitere wichtige Funktion: die Fähigkeit, Echtzeit-Informationen aus dem Internet abzurufen. Damit schließt der Assistent zu Konkurrenten wie Google Assistant auf und kann komplexe Fragen direkt beantworten, ohne dass der Nutzer eine separate Suchanfrage starten muss.
Samsung hat bisher nicht offiziell bekannt gegeben, welche Technologie oder welchen Partner das Unternehmen für diese Web-Suche nutzt. In der Branche wird jedoch spekuliert, dass eine Zusammenarbeit mit KI-Suchmaschinen-Anbietern wie Perplexity bestehen könnte, um präzise und schnelle Antworten zu liefern.
Der lange Weg von Bixby
Bixby wurde ursprünglich 2017 eingeführt und hatte oft Schwierigkeiten, sich gegen die etablierte Konkurrenz von Google und Apple durchzusetzen. Während Bixby schon immer Stärken bei der tiefen Integration in die Geräteeinstellungen hatte, bevorzugten viele Nutzer den Google Assistant für allgemeinere Anfragen. Mit dem aktuellen KI-Neustart unternimmt Samsung einen entschlossenen Versuch, Bixby wieder zu einer relevanten und nützlichen Alternative zu machen.
Verfügbarkeit und Zeitplan: Wer bekommt den neuen Bixby?
Die überarbeitete Version von Bixby ist ein integraler Bestandteil von One UI 8.5, der nächsten großen Version von Samsungs Android-Benutzeroberfläche. Diese basiert auf dem kommenden Android 16.
Eine erste Beta-Version von One UI 8.5, die den neuen Bixby enthält, wird derzeit bereits ausgerollt. Die Testphase ist auf ausgewählte Länder beschränkt, zu denen erfreulicherweise auch Deutschland gehört. Weitere Länder im Beta-Programm sind Indien, Korea, Polen, Großbritannien und die USA.
Die Beta-Phase ermöglicht es Samsung, wertvolles Feedback von Nutzern zu sammeln und den Assistenten vor der breiten Veröffentlichung weiter zu optimieren.
Die finale Version von One UI 8.5 wird voraussichtlich in den kommenden Monaten für eine breitere Palette von Galaxy-Geräten verfügbar sein. Traditionell erfolgt der offizielle Start einer neuen One-UI-Version zusammen mit der Vorstellung einer neuen Flaggschiff-Geräteserie. Der Rollout für ältere Modelle folgt dann schrittweise.
Ein strategischer Schritt im KI-Wettbewerb
Mit der umfassenden Überarbeitung von Bixby reagiert Samsung auf den wachsenden Trend zur Integration von generativer KI in Betriebssysteme und mobile Geräte. Konkurrenten wie Google und Apple investieren ebenfalls massiv in die Weiterentwicklung ihrer digitalen Assistenten. Samsungs Strategie, die Stärken von Bixby bei der Gerätesteuerung mit neuen, intelligenten Funktionen zu kombinieren, könnte dem Assistenten helfen, seine Position im hart umkämpften Markt zurückzuerobern und den Nutzern einen echten Mehrwert zu bieten.





