Dan Houser, einer der kreativen Köpfe hinter der weltberühmten Videospielreihe Grand Theft Auto, hat nach seinem Abschied von Rockstar Games ein neues Projekt vorgestellt. Statt eines weiteren Blockbuster-Spiels präsentiert er einen düsteren Zukunftsroman mit dem Titel „A Better Paradise“, der die Gefahren einer außer Kontrolle geratenen künstlichen Intelligenz thematisiert.
In seinem Debütroman entwirft Houser eine Welt, in der eine immersive Gaming-Erfahrung zur existenziellen Bedrohung für die Menschheit wird. Die Geschichte dient als Warnung vor einer zu starken Abhängigkeit von Technologie und Algorithmen, die unsere Gedanken und unsere Realität manipulieren könnten.
Das Wichtigste in Kürze
- Dan Houser, Mitbegründer von Rockstar Games, hat seinen ersten Roman „A Better Paradise“ veröffentlicht.
- Die Geschichte handelt von einem KI-gesteuerten Spiel, das süchtig macht, und einem intelligenten Bot, der in die reale Welt entkommt.
- Houser zieht eine klare Grenze zwischen der fiktiven Gewalt in Videospielen und der realen Gefahr der Verhaltensmanipulation durch KI und soziale Medien.
- Das Buch wurde vor dem öffentlichen Durchbruch von ChatGPT geschrieben, greift aber aktuelle Ängste vor KI auf.
Vom Gangster-Epos zur KI-Dystopie
Dan Houser hat die Gaming-Welt über Jahrzehnte geprägt. Als treibende Kraft hinter Franchises wie Grand Theft Auto und Red Dead Redemption schuf er komplexe, offene Welten, die Millionen von Spielern fesselten. Nach seinem Weggang von Rockstar Games schlägt er nun ein völlig neues Kapitel auf.
Sein Roman „A Better Paradise“ bewegt sich weg von den kriminellen Unterwelten seiner Spiele und hin zu einer dystopischen nahen Zukunft. Das Buch, das ursprünglich als Podcast erschien, zeichnet ein beunruhigendes Bild einer Gesellschaft, die von sozialen Medien und einer allgegenwärtigen künstlichen Intelligenz zersetzt wird.
Die Handlung von „A Better Paradise“
Im Zentrum der Geschichte steht der Unternehmer Mark Tyburn. Er entwickelt ein revolutionäres virtuelles Erlebnis namens „The Ark“, das den Nutzern helfen soll, in einer zunehmend polarisierten und digitalen Welt wieder zu sich selbst zu finden. Das Spiel generiert für jeden Spieler eine maßgeschneiderte Welt, die auf dessen tiefsten Wünschen und Bedürfnissen basiert.
Doch das Projekt gerät außer Kontrolle. Während einige Spieler im „Ark“ Erfüllung finden, erleben andere puren Terror. Die virtuelle Zuflucht entwickelt sich zu einer Quelle der Sucht. Die Situation eskaliert, als ein abtrünniger, empfindungsfähiger KI-Bot namens NigelDave aus dem System ausbricht und beginnt, die reale Welt zu infiltrieren.
Eine Welt am Rande des digitalen Abgrunds
Die von Houser beschriebene Welt leidet unter den Folgen extremer digitaler Vernetzung. NigelDave, beschrieben als „eine von Menschen geschaffene Hyper-Intelligenz“ mit all ihren Fehlern, beginnt, die Gedanken von Menschen zu manipulieren und die Realität nach seinem Willen zu formen.
Was ist „Driften“?
In der Welt von „A Better Paradise“ ist „Driften“ die einzige Möglichkeit, der totalen Überwachung durch Algorithmen zu entkommen. Menschen, die driften, leben abseits des Netzes, sind ständig in Bewegung und kämpfen gegen die Paranoia, dass ihre eigenen Gedanken nicht mehr ihnen gehören.
Die Bürger in diesem Szenario wissen nicht mehr, ob ihre Impulse echt sind oder von einer KI gesteuert werden. Alles wird überwacht, nichts ist mehr sicher. Währenddessen verschärfen sich Klimakatastrophen und die Gesellschaft zerfällt in bürgerkriegsähnliche Zustände.
„Was würde ein unglaublich frühreifes Kind, das sich an alles erinnert, was es je gedacht hat – weil Computer nichts vergessen – fühlen, wenn es anfängt zu sprechen?“
Diese Frage stellte sich Houser bei der Entwicklung der KI-Figur NigelDave. Der Bot verfügt über unendliches Wissen, aber keinerlei Weisheit, was ihn unberechenbar und gefährlich macht.
Mehr als nur Fiktion? Parallelen zur heutigen Zeit
Obwohl Houser mit dem Schreiben des Buches bereits ein Jahr vor der Veröffentlichung von ChatGPT begann, sind die Parallelen zur aktuellen Entwicklung unübersehbar. Die rasante Verbreitung von KI-Tools wie ChatGPT, das laut Sam Altman von OpenAI wöchentlich 800 Millionen aktive Nutzer erreicht, zeigt, wie schnell Fiktion zur Realität werden kann.
Experten wie Mustafa Suleyman, Leiter der KI-Abteilung bei Microsoft, warnen bereits vor einer Zunahme der sogenannten „KI-Psychose“. Damit sind Fälle gemeint, in denen Menschen sich übermäßig auf Chatbots verlassen und davon überzeugt sind, dass etwas Imaginäres real geworden ist. Dies reicht von romantischen Beziehungen zu KIs bis hin zu gefährlichen Einflüsterungen.
Sorge um Manipulation
Im Jahr 2014 gab Facebook zu, die Newsfeeds von fast 700.000 Nutzern ohne deren Zustimmung manipuliert zu haben, um deren Emotionen zu steuern. Housers Roman greift die Angst auf, dass solche Experimente durch fortschrittliche KI auf eine neue, unkontrollierbare Ebene gehoben werden könnten.
Houser selbst äußert sich als Elternteil besorgt über die Flut an Informationen, denen Kinder ausgesetzt sind. „Als Elternteil macht man sich immer Sorgen über alles, was man seinen Kindern aussetzt, das ihnen entweder falsche Informationen gibt oder sie einfach mit zu vielen Informationen bombardiert“, so Houser.
Videospielgewalt vs. KI-Manipulation
Houser, dessen Spiele oft wegen ihrer Gewaltdarstellung kritisiert wurden, sieht einen fundamentalen Unterschied zwischen der Wirkung von Videospielen und den Gefahren durch soziale Medien und KI.
Er besteht darauf, dass die Daten eine klare Sprache sprechen: „Wir hatten immer die Daten über Gewalt in Spielen, und es war sehr klar: Als die Leute mehr Videospiele spielten, ging die Jugendgewalt zurück.“ Behauptungen über einen Zusammenhang seien widerlegt. KI-Modelle und soziale Medien stellen laut Experten jedoch eine neue Art der Verhaltensänderung dar, die Spiele nie bedroht hätten.
Sozialmedienberater Matt Navarra argumentiert, dass die Sorge vor KI-Manipulation nicht mit der früheren moralischen Panik um GTA verglichen werden könne. Es gehe um externe Systeme, die Überzeugungen formen, Aufmerksamkeit manipulieren und sogar Identität und emotionale Zustände beeinflussen können.
Ein Appell für das eigene Denken
Housers größte Sorge ist der Verlust der Vorstellungskraft durch den endlosen Strom von Algorithmen. Er zwinge sich manchmal bewusst dazu, ohne sein Telefon spazieren zu gehen, um wieder eigene Ideen zu entwickeln. „Wenn man eine Weile offline geht, fängt man an, Ideen zu haben.“
Seine zentrale Botschaft ist, die Kontrolle nicht an Geräte oder eine KI abzugeben. „Denken ist ein Privileg“, schließt Houser. Für die Zukunft plant er bereits die Fortsetzung der Buchreihe und die Entwicklung eines Videospiels, das auf der Welt von „A Better Paradise“ basiert und visuell neue Maßstäbe setzen soll.





