Google hat eine klare Botschaft an alle Content-Ersteller und SEO-Experten gesendet: Die Anpassung von Inhalten speziell für Sprachmodelle (LLMs) durch übermäßige Kürzung ist eine Strategie, die langfristig nicht erfolgreich sein wird. Stattdessen bleibt der Fokus auf qualitativ hochwertige, nutzerorientierte Inhalte der entscheidende Faktor für den Erfolg.
In einer kürzlich veröffentlichten Folge des „Search Off the Record“-Podcasts äußerte sich Googles Search Liaison, Danny Sullivan, unmissverständlich zu dem Trend, Texte in „mundgerechte Häppchen“ zu zerlegen. Diese Praxis, so Sullivan, widerspricht den Grundprinzipien von Google und sei keine nachhaltige Methode, um in der Suche sichtbarer zu werden.
Googles Appell: Denken Sie an den Nutzer, nicht an den Algorithmus
Die Diskussion um die richtige Content-Strategie im Zeitalter der künstlichen Intelligenz gewinnt an Fahrt. Viele Webseitenbetreiber fragen sich, wie sie ihre Inhalte gestalten müssen, um sowohl in der traditionellen Suche als auch in den neuen KI-gestützten Antwortsystemen gut platziert zu werden. Ein verbreiteter Ratschlag lautet, Texte stark zu vereinfachen und in kleine, leicht verdauliche Abschnitte zu gliedern, da angenommen wird, dass LLMs diese Form bevorzugen.
Danny Sullivan trat dieser Annahme nun entschieden entgegen. Er erklärte, dass Google diesen Ansatz nicht wünscht und aktiv davon abrät. Die Kernbotschaft bleibt dieselbe, die das Unternehmen seit Jahren für die Suchmaschinenoptimierung (SEO) predigt: Erstellen Sie Inhalte für Menschen.
„Wir wollen nicht, dass ihr das tut. Ich habe mit einigen Ingenieuren darüber gesprochen. Wir wollen das wirklich nicht. Wir wollen nicht, dass die Leute denken, sie müssten irgendetwas speziell für die Suche erstellen.“
Sullivan betonte, dass der Versuch, Inhalte für einen spezifischen Algorithmus zu optimieren, eine kurzsichtige Taktik ist. Die Systeme von Google entwickeln sich ständig weiter, mit dem klaren Ziel, menschliche Bedürfnisse besser zu verstehen und Inhalte zu belohnen, die echten Mehrwert bieten.
Was sind LLMs?
LLMs (Large Language Models) sind große Sprachmodelle, die auf künstlicher Intelligenz basieren. Sie sind darauf trainiert, menschliche Sprache zu verstehen, zu verarbeiten und zu generieren. Beispiele sind die Technologien hinter Chatbots wie ChatGPT oder Googles eigener Gemini. In der Google-Suche werden sie zunehmend für die Erstellung von KI-Übersichten (AI Overviews) genutzt, die direkte Antworten auf Suchanfragen geben.
Die Gefahr kurzfristiger Taktiken
Sullivan räumte ein, dass einige Content-Ersteller möglicherweise kurzfristige Erfolge mit der „Bite-sized“-Methode verzeichnen könnten. Er warnte jedoch davor, diese vermeintlichen Vorteile als langfristige Strategie zu betrachten. Wer seine gesamte Content-Strategie auf einen aktuellen Zustand des Algorithmus ausrichtet, riskiert, bei der nächsten Aktualisierung den Anschluss zu verlieren.
„Nehmen wir an, in einigen Randfällen [...] erzielen Sie hier einen Vorteil“, führte Sullivan aus. „Aber morgen können sich die Systeme ändern.“ Der Aufwand, Inhalte speziell für eine Maschine umzugestalten, könnte sich als verschwendete Zeit und Energie erweisen, wenn die Algorithmen weiter verfeinert werden, um menschenzentrierte Inhalte besser zu erkennen und zu bevorzugen.
Die zentrale Frage, die sich Content-Verantwortliche stellen sollten, lautet laut Sullivan: „War das die beste Nutzung Ihrer Zeit und Ihrer Energie?“ Anstatt internen Aufruhr zu verursachen, um einer vermeintlichen „Geheimwaffe“ nachzujagen, sei es sinnvoller, sich konsequent auf die Qualität und den Nutzen für die Zielgruppe zu konzentrieren.
Googles Kernprinzip bleibt unverändert
Die Empfehlung, für Nutzer statt für Suchmaschinen zu schreiben, ist keine neue Erfindung. Sie ist seit über einem Jahrzehnt die Grundlage von Googles Richtlinien für Webmaster. Die Botschaft wird nun lediglich auf das neue Feld der KI-Optimierung, manchmal auch als AEO (Answer Engine Optimization) bezeichnet, ausgeweitet.
Was bedeutet das für die Praxis?
Die Aussagen von Sullivan liefern eine klare Handlungsanweisung für Unternehmen, Verlage und einzelne Blogger. Anstatt Inhalte zu zerstückeln, sollten sie sich auf die Erstellung umfassender, gut strukturierter und tiefgehender Artikel konzentrieren, die die Fragen der Nutzer vollständig beantworten.
Empfohlene Vorgehensweisen:
- Fokus auf Qualität: Erstellen Sie originelle, gut recherchierte und fehlerfreie Inhalte, die Expertise und Vertrauenswürdigkeit ausstrahlen.
- Nutzerabsicht verstehen: Analysieren Sie, welche Informationen Ihre Zielgruppe sucht, und beantworten Sie deren Fragen umfassend und klar.
- Struktur und Lesbarkeit: Nutzen Sie Überschriften, Listen und kurze Absätze, um die Lesbarkeit für Menschen zu verbessern – nicht, um einer KI zu gefallen. Eine gute Struktur hilft sowohl Nutzern als auch Suchmaschinen, den Inhalt zu verstehen.
- Vermeiden Sie Über-Optimierung: Produzieren Sie keine zwei Versionen Ihrer Inhalte – eine für Menschen und eine für LLMs. Ein einziger, hochwertiger Inhalt sollte für alle ausreichen.
Langfristig wird sich die Strategie auszahlen, die den menschlichen Leser in den Mittelpunkt stellt. Suchalgorithmen und KI-Systeme werden immer besser darin, die Qualität und Relevanz von Inhalten aus der Perspektive eines Nutzers zu bewerten. Wer heute schon auf diese Karte setzt, investiert nachhaltig in die Zukunft seiner digitalen Präsenz.
Die Botschaft aus dem Google-Hauptquartier ist deutlich: Das Spiel hat sich vielleicht geändert, aber die Regeln für den Sieg sind die gleichen geblieben. Qualität und Nutzerfokus sind und bleiben der Schlüssel zum Erfolg.





