Google arbeitet Berichten zufolge an einer neuen, hardwarebasierten Gesichtserkennungstechnologie für zukünftige Pixel-Smartphones und Chromebooks. Das interne „Projekt Toscana“ soll eine Leistung und Zuverlässigkeit erreichen, die mit Apples Face ID vergleichbar ist, und die biometrische Sicherheit auf Android-Geräten grundlegend verbessern.
Das Wichtigste in Kürze
- Google entwickelt unter dem Codenamen „Projekt Toscana“ eine neue hardwarebasierte Gesichtserkennung.
- Die Technologie soll in zukünftigen Pixel-Smartphones und Chromebooks zum Einsatz kommen.
- Ziel ist eine Leistung, die mit Apples Face ID vergleichbar ist, insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen.
- Im Gegensatz zu früheren Versuchen soll die neue Hardware ohne zusätzliche sichtbare Sensoren auskommen.
Ein neuer Anlauf für sichere Gesichtserkennung
Biometrische Authentifizierung ist aus modernen Smartphones nicht mehr wegzudenken. Während viele Android-Hersteller primär auf Fingerabdrucksensoren setzen, scheint Google erneut Ambitionen im Bereich der Gesichtserkennung zu hegen. Ein internes Projekt mit dem Namen „Toscana“ soll eine fortschrittliche, hardwaregestützte Lösung entwickeln, die es mit dem Branchenstandard von Apple aufnehmen kann.
Die neue Technologie soll Berichten zufolge auch unter schwierigen Lichtverhältnissen schnell und zuverlässig funktionieren. Dies wäre ein entscheidender Fortschritt gegenüber der aktuellen kamerabasierten Lösung der Pixel-8-Serie, die bei Dunkelheit an ihre Grenzen stößt. Die Implementierung könnte über eine einzige Kameraöffnung erfolgen, ohne dass zusätzliche, sichtbare Sensoren wie beim Pixel 4 notwendig wären.
Googles wechselhafte Geschichte mit Face Unlock
Die Bemühungen von Google, eine fortschrittliche Gesichtserkennung zu etablieren, sind nicht neu. Das Pixel 4 verfügte 2019 bereits über ein komplexes System mit Infrarotkameras und einem Soli-Radarsensor, das als direkte Antwort auf Face ID gedacht war. Aufgrund des hohen Akkuverbrauchs, der großen Aussparung im Display und der eingeschränkten Funktionalität durch die COVID-19-Pandemie wurde die Technologie bei den Nachfolgemodellen jedoch wieder verworfen.
Die Technik hinter „Projekt Toscana“
Obwohl Details noch rar sind, deuten erste Informationen darauf hin, dass Google auf Infrarot-Technologie (IR) setzt. Diese Technik ermöglicht es, Gesichtsmerkmale auch bei völliger Dunkelheit präzise zu erfassen. Frühere Gerüchte sprachen bereits von der Möglichkeit, dass zukünftige Tensor-Prozessoren ein „Unter-Display-IR-Kamerasystem“ unterstützen könnten. Dies würde erklären, wie die Technologie ohne sichtbare Hardware integriert werden könnte.
Die Geschwindigkeit der aktuellen Gesichtserkennung auf Pixel-Geräten ist bereits hoch. Die eigentliche Herausforderung und der Fokus von „Projekt Toscana“ liegen daher auf der Zuverlässigkeit unter allen Bedingungen. Ein System, das genauso schnell wie Face ID arbeitet und dabei in verschiedenen Lichtsituationen verlässlich ist, wäre ein bedeutender Mehrwert für die Nutzer.
Von Smartphones zu Chromebooks
Ein interessanter Aspekt des Projekts ist die geplante Erweiterung auf Chromebooks. Bisher sind sichere biometrische Anmeldemethoden auf Laptops mit Googles Betriebssystem eher selten. Eine hardwarebasierte Gesichtserkennung könnte nicht nur die Anmeldung vereinfachen, sondern auch die Sicherheit für den Zugriff auf sensible Daten und Apps im beruflichen und privaten Umfeld erhöhen.
Die Integration in das breitere Google-Ökosystem könnte die Nutzererfahrung vereinheitlichen und die Attraktivität von Pixel-Geräten und Chromebooks steigern. Eine nahtlose und sichere Anmeldung über alle Geräte hinweg ist ein Komfortmerkmal, das viele Anwender schätzen.
Vom Pixel 4 zum Pixel 8: Die Evolution
- Pixel 4 (2019): Hardwarebasiertes Face Unlock mit IR-Kameras und Soli-Radar. Sicher, aber energieintensiv und schnell wieder eingestellt.
- Pixel 7 (2022): Kamerabasiertes Face Unlock. Weniger sicher und nicht für Banking-Apps oder Zahlungen zugelassen.
- Pixel 8 (2023): Verbesserte kamerabasierte Lösung, die als sicher genug für App-Logins und Zahlungen eingestuft wird, aber bei Dunkelheit unzuverlässig ist.
Was bedeutet das für die Zukunft von Android?
Sollte „Projekt Toscana“ erfolgreich sein, könnte Google einen neuen Standard für die biometrische Sicherheit im Android-Ökosystem setzen. Bisher gibt es keinen einheitlichen, sicheren Standard für die Gesichtserkennung, der von allen Herstellern übernommen wird. Googles Vorstoß könnte andere Unternehmen motivieren, ähnliche Technologien zu entwickeln oder zu lizenzieren.
Das Ziel scheint eine Gesichtserkennung zu sein, die „unter allen Lichtbedingungen ohne zusätzliche sichtbare Hardware“ funktioniert.
Die Entwicklung stellt auch eine strategische Neuausrichtung dar. Nachdem der Fingerabdrucksensor jahrelang die bevorzugte Methode war, signalisiert Google nun, dass eine Kombination aus beiden Biometrie-Arten die Zukunft sein könnte. Dies gibt den Nutzern mehr Flexibilität und erhöht die allgemeine Sicherheit ihrer Geräte.
Wann die neue Technologie in einem Endprodukt zu sehen sein wird, ist noch unklar. Gerüchte deuten auf eine mögliche Integration im Pixel 11 hin, das voraussichtlich mit einem Tensor G6-Chip ausgestattet sein wird. Bis dahin bleibt abzuwarten, wie Google die technischen Hürden überwindet und ob das Versprechen einer echten Face-ID-Alternative für die Android-Welt eingelöst werden kann.





