Der Hersteller von Garagentorantrieben, die Chamberlain Group, hat eine neue Technologie eingeführt, die die Integration seiner Geräte in gängige Smart-Home-Systeme wie Apple Home, Google Home und Amazon Alexa verhindert. Mit der Einführung der „Security+ 3.0“-Plattform werden Nutzer stärker an das hauseigene MyQ-System gebunden, das zunehmend auf kostenpflichtige Abonnements setzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Chamberlains neue Security+ 3.0-Technologie blockiert Zubehör von Drittanbietern.
- Eine direkte Einbindung in Apple Home, Google Home oder Amazon Alexa ist mit den neuen Antrieben nicht mehr ohne Weiteres möglich.
- Nutzer werden in die MyQ-App gedrängt, die auf ein geschlossenes Ökosystem mit Abo-Modellen setzt.
- Die technische Umstellung auf eine rein drahtlose Kommunikation macht bisherige Umgehungslösungen unbrauchbar.
Ein geschlossenes System für die Garage
Für viele Smart-Home-Nutzer war es bisher möglich, Garagentorantriebe von Chamberlain oder der Partnermarke Liftmaster über Zubehör von Drittherstellern zu steuern. Unternehmen wie Meross, Tailwind oder Ratgdo boten Controller an, die eine Brücke zu den großen Smart-Home-Plattformen schlugen.
Mit der Einführung der neuen Garagentorantriebe, die auf der Security+ 3.0-Technologie basieren, hat Chamberlain diese Möglichkeit unterbunden. Die neuen Geräte sind so konzipiert, dass sie die Kommunikation mit nicht autorisiertem Zubehör aktiv blockieren. Dies zwingt Kunden, die MyQ-App des Herstellers zu verwenden.
Während die Grundfunktionen der App, wie das Öffnen und Schließen des Tors per Smartphone, weiterhin kostenlos sind, sind viele erweiterte Integrationen kostenpflichtig. So erfordert die Anbindung an Dienste wie IFTTT oder die Steuerung über das Infotainmentsystem bestimmter Automarken ein Abonnement.
Der Trend zum geschlossenen Ökosystem
Dieser Schritt ist Teil einer längerfristigen Strategie von Chamberlain. Das Unternehmen, das 2021 von der Blackstone Group übernommen wurde, hat in der Vergangenheit bereits die Unterstützung für Apple HomeKit eingestellt und die Integration mit Google Assistant beendet. Zudem hat sich Chamberlain aus der Connectivity Standards Alliance zurückgezogen, der Organisation hinter dem offenen Smart-Home-Standard Matter.
Die technischen Hintergründe der Sperre
Die bisherigen Controller von Drittanbietern nutzten eine Schwachstelle in der Kommunikationstechnologie von Chamberlain. Sie griffen auf eine kabelgebundene Verbindung am Antrieb zu, um die Sicherheitsprotokolle zu umgehen und Befehle zu senden.
Security+ 3.0 stellt die gesamte Kommunikation auf ein drahtloses System um. Die Verbindung zwischen Zubehör wie Fernbedienungen, Wandtastern und dem Antrieb erfolgt nun verschlüsselt über Bluetooth Low Energy (BLE). Eine kabelgebundene Steuerung durch externe Geräte ist nicht mehr vorgesehen.
Neue Authentifizierung als zusätzliche Hürde
Zusätzlich hat Chamberlain eine cloudbasierte Authentifizierung eingeführt. Jedes Zubehörteil, das mit einem Security+ 3.0-Antrieb verbunden werden soll, muss sich über das Internet als originales Chamberlain-Produkt ausweisen. Damit soll die Verwendung von nachgebauten oder nicht lizenzierten Geräten verhindert werden.
„Unser Ansatz für die Integration von Drittanbieterpartnern bleibt derselbe“, erklärte Christina Marenson, Senior Manager für Marketing und PR bei der Chamberlain Group. „Wir konzentrieren uns darauf, allen Nutzern das sicherste und nahtloseste Erlebnis zu bieten, und das bedeutet, dass wir nur genehmigte Integrationen zulassen können.“
Zu den genehmigten Partnern gehören vor allem professionelle Sicherheitsfirmen wie Alarm.com, Vivint und Ring, deren Dienste in der Regel kostenpflichtig sind.
Woran erkennt man die neue Technologie?
Besitzer eines Chamberlain- oder Liftmaster-Antriebs können die verwendete Technologie leicht identifizieren. Ein runder, weißer „Learn“-Knopf am Gerät weist auf die neue Security+ 3.0-Plattform hin. Ältere Modelle mit Security+ 2.0 haben in der Regel einen gelben Knopf.
Welche Alternativen haben Verbraucher?
Obwohl Chamberlain einen Marktanteil von über 70 Prozent in den USA hat, gibt es Alternativen für Verbraucher, die ein offenes Smart-Home-System bevorzugen.
- Andere Hersteller: Marken wie Genie setzen mit ihrer Aladdin-Plattform auf eine offenere Herangehensweise und bieten mehr Integrationsmöglichkeiten.
- Matter-kompatible Geräte: Der Schlosshersteller Kwikset hat einen Garagentorantrieb angekündigt, der den neuen, herstellerübergreifenden Smart-Home-Standard Matter unterstützen soll.
- Kreative Umgehungslösungen: Es gibt bereits erste Produkte, die das Problem mechanisch lösen. Ein Beispiel ist ein Gerät von Third Reality, das eine physische Fernbedienung in einer Box platziert und bei Bedarf den Knopf mit einem kleinen mechanischen Finger drückt. Dieses Gerät ist Matter-kompatibel und könnte somit die Blockade von Chamberlain umgehen.
Für Bastler besteht theoretisch die Möglichkeit, eine originale Security+ 3.0-Fernbedienung zu modifizieren und die Drähte des Tasters mit einem eigenen Smart-Home-Controller zu verbinden. Dies erfordert jedoch technisches Geschick und kann die Garantie des Geräts erlöschen lassen.
Ein klares Signal an den Markt
Die Entscheidung von Chamberlain, sein Ökosystem weiter abzuschotten, steht im Kontrast zum Branchentrend hin zu offenen Standards wie Matter. Während große Technologieunternehmen wie Apple, Google und Amazon auf Interoperabilität setzen, um die Nutzung von Smart-Home-Geräten zu vereinfachen, verfolgt Chamberlain eine Strategie, die Kunden eng an die eigene Plattform und deren kostenpflichtige Dienste bindet.
Für Verbraucher bedeutet dies, dass sie sich vor dem Kauf eines neuen Garagentorantriebs genau informieren müssen, welche Integrationsmöglichkeiten bestehen und ob diese mit ihren vorhandenen Smart-Home-Systemen kompatibel sind. Die Zeiten, in denen eine einfache Verbindung mit fast jedem System möglich war, scheinen für die Produkte des Marktführers vorerst vorbei zu sein.





