Berichten zufolge reduziert Apple die Produktion seines ambitionierten Vision Pro Headsets drastisch. Nach einem verhaltenen Start und enttäuschenden Verkaufszahlen scheint das Unternehmen seine Strategie für die als „Spatial Computing“ bezeichnete Technologie zu überdenken. Die anfängliche Euphorie weicht einer nüchternen Marktrealität.
Die Hoffnungen, mit dem fast 3.500 US-Dollar teuren Gerät eine neue Ära der Computertechnologie einzuläuten, wurden bisher nicht erfüllt. Stattdessen deuten die Signale auf eine Neuausrichtung hin, bei der künstliche Intelligenz eine zentralere Rolle spielen könnte als die virtuelle Realität.
Wichtige Erkenntnisse
- Apple reduziert Berichten zufolge die Produktion des Vision Pro Headsets aufgrund geringer Nachfrage.
- Analysten schätzen die Verkaufszahlen auf lediglich 45.000 Einheiten im letzten Quartal des Vorjahres.
- Der hohe Preis, mangelnder Tragekomfort und ein begrenztes App-Angebot werden als Hauptgründe für die Zurückhaltung der Käufer genannt.
- Die Branche beobachtet eine strategische Verschiebung von Virtual Reality hin zu tragbaren KI-Geräten, auch bei Konkurrenten wie Meta.
Ein holpriger Start für das „Spatial Computing“
Als Apple CEO Tim Cook im Jahr 2023 die Vision Pro vorstellte, sprach er von einer Revolution. Das Gerät sollte die physische und digitale Welt nahtlos miteinander verschmelzen und den Nutzern eine „unendliche Leinwand“ bieten. Doch die Realität nach der Markteinführung zeichnet ein anderes Bild.
Die Verkaufszahlen bleiben deutlich hinter den Erwartungen zurück. Während Apple selbst keine offiziellen Daten veröffentlicht, schätzt die Marktforschungsgruppe International Data Corporation (IDC), dass im letzten Quartal des vergangenen Jahres nur etwa 45.000 Einheiten verkauft wurden. Diese Zahl steht in starkem Kontrast zu den millionenfachen Verkäufen von iPhones und iPads in jedem Quartal.
Zusätzlich zu den Produktionskürzungen hat das Unternehmen laut dem Marktforschungsunternehmen Sensor Tower seine Marketingausgaben für das Headset im vergangenen Jahr um mehr als 95 % reduziert. Dies deutet darauf hin, dass die anfängliche Werbekampagne nicht die erhoffte Wirkung erzielte.
Die Gründe für die schwache Nachfrage
Mehrere Faktoren tragen zur verhaltenen Aufnahme der Vision Pro bei. Experten und Verbraucher nennen wiederholt dieselben Kritikpunkte, die den Erfolg des Geräts bisher verhindern.
Der Preis als größte Hürde
Mit einem Startpreis von 3.499 US-Dollar (in Deutschland noch nicht offiziell erhältlich) ist die Vision Pro für die breite Masse unerschwinglich. Das Gerät positioniert sich klar als Luxusprodukt, ohne jedoch einen klaren, alltäglichen Nutzen zu demonstrieren, der einen solch hohen Preis rechtfertigen würde. Für viele potenzielle Kunden bleibt es ein teures Experiment statt eines unverzichtbaren Werkzeugs.
Ein Blick auf die Zahlen
- Preis: Ab 3.499 US-Dollar
- Geschätzte Verkäufe (Q4 2023): 45.000 Einheiten (laut IDC)
- Verfügbare Apps: ca. 3.000
- Marktanteil Meta Quest: 80 %
Kritik an Komfort und Nutzen
Rezensenten und frühe Nutzer kritisierten das Gewicht und den Tragekomfort des Headsets. Längere Nutzungssitzungen werden oft als unangenehm beschrieben. Zudem empfinden viele die Erfahrung als isolierend, da sie den Träger von seiner unmittelbaren Umgebung abschottet.
Ein weiteres zentrales Problem ist das begrenzte Ökosystem. Mit rund 3.000 nativen Apps für VisionOS ist das Angebot im Vergleich zu den Millionen von Anwendungen für das iPhone verschwindend gering. Viele Entwickler zögern, in eine Plattform mit einer so kleinen Nutzerbasis zu investieren, was zu einem Henne-Ei-Problem führt.
„Wir können sagen, dass die Kosten, der Formfaktor und der Mangel an nativen VisionOS-Apps die Gründe sind, warum sich die Vision Pro nie in der Breite verkauft hat“, fasste der Technologieanalyst Erik Woodring von Morgan Stanley die Probleme zusammen.
Der Markt für VR und die Konkurrenz
Die Schwierigkeiten der Vision Pro sind Teil eines größeren Trends. Das Marktforschungsunternehmen Counterpoint Research prognostiziert einen Rückgang der jährlichen Verkäufe von Virtual-Reality-Headsets um 14 %. Die anfängliche Begeisterung für das Metaverse scheint einer pragmatischeren Sichtweise gewichen zu sein.
Selbst der Marktführer Meta, dessen Quest-Headsets rund 80 % des Marktes ausmachen, richtet seine Strategie neu aus. Das Unternehmen, das sich einst voll und ganz dem Metaverse verschrieben hatte, verlagert nun ebenfalls Investitionen in Richtung KI-Brillen und andere Wearables. Die Quest-Headsets sind mit einem Preis von rund 500 Euro deutlich günstiger, was ihnen einen entscheidenden Marktvorteil verschafft.
Erinnerungen an Google Glass
Die Situation der Vision Pro erinnert an das Scheitern von Google Glass im Jahr 2013. Auch damals sorgte eine teure, futuristische Brille für Aufsehen, konnte sich aber bei den Verbrauchern nicht durchsetzen. Soziale Akzeptanzprobleme und ein unklarer Nutzen führten dazu, dass das Produkt schnell wieder vom Markt verschwand. Kritiker befürchten, dass die Vision Pro ein ähnliches Schicksal erleiden könnte.
Apples Zukunft: KI statt VR?
Die gemeldeten Produktionskürzungen und die strategische Neuausrichtung deuten darauf hin, dass Apple seine Pläne für die nächste Generation der Vision Pro vorerst auf Eis gelegt hat. Stattdessen scheint der Fokus nun auf der Entwicklung günstigerer, KI-gestützter Wearables zu liegen.
Diese Verschiebung wäre ein seltener kommerzieller Rückschlag für ein neues Apple-Produkt. Das Unternehmen hat sich zu den Berichten bisher nicht offiziell geäußert. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Vision Pro ein Nischenprodukt für Enthusiasten und Entwickler bleibt oder ob Apple einen Weg findet, „Spatial Computing“ doch noch für einen breiteren Markt attraktiv zu machen. Vorerst scheint die Zukunft jedoch weniger in der virtuellen Realität als in der künstlichen Intelligenz zu liegen.





