Adobe hat offiziell das Ende seiner weit verbreiteten 2D-Animationssoftware Animate angekündigt. Das Programm, das seit über einem Vierteljahrhundert ein fester Bestandteil der Kreativbranche ist, wird zum 1. März 2026 eingestellt. Diese Entscheidung löste in der Nutzergemeinschaft eine Welle der Enttäuschung und Besorgnis aus.
In einer Mitteilung an die Kunden begründete das Unternehmen den Schritt mit der technologischen Entwicklung und neuen Plattformen, die den Bedürfnissen der Nutzer besser gerecht würden. Gleichzeitig deutet die strategische Neuausrichtung von Adobe auf eine stärkere Konzentration auf Produkte mit künstlicher Intelligenz hin.
Das Wichtigste in Kürze
- Adobe Animate wird am 1. März 2026 offiziell eingestellt.
- Der reguläre Kundensupport endet bereits im März 2025.
- Unternehmenskunden erhalten bis zum 1. März 2029 technischen Support.
- Adobe begründet den Schritt mit technologischem Wandel, fokussiert sich aber zunehmend auf KI.
- Die Nutzergemeinschaft reagiert mit Unverständnis und fordert Alternativen.
Die offizielle Ankündigung und der Zeitplan
Die Nachricht wurde den Nutzern per E-Mail und über eine Aktualisierung auf der Support-Website von Adobe mitgeteilt. Der festgelegte Zeitplan sieht eine gestaffelte Einstellung der Dienste vor, um insbesondere Geschäftskunden einen längeren Übergang zu ermöglichen.
Für die meisten Nutzer endet der technische Support bereits im März 2025, also ein Jahr vor der endgültigen Einstellung. Unternehmenskunden (Enterprise-Kunden) profitieren von einer verlängerten Frist und erhalten noch bis zum 1. März 2029 Unterstützung. Diese Maßnahme soll größeren Teams und Firmen die Umstellung ihrer Arbeitsabläufe erleichtern.
Bestehende Installationen der Software werden auch nach dem Stichtag weiter funktionieren, solange sie auf den Geräten der Nutzer installiert sind. Neue Lizenzen werden jedoch nicht mehr verkauft, und es wird keine weiteren Updates oder Sicherheits-Patches für Privatkunden nach März 2025 geben.
Ein Werkzeug mit langer Geschichte
Adobe Animate, ursprünglich als FutureSplash Animator bekannt und später als Macromedia Flash berühmt geworden, prägte über Jahrzehnte das Internet und die Welt der Animation. Von interaktiven Webseiten und Online-Spielen bis hin zu Zeichentrickserien war die Software ein Standardwerkzeug für Kreative. Die Einstellung markiert das Ende einer Ära für viele Animatoren, die mit diesem Programm ihre Karriere begannen.
Adobes Begründung und die strategische Neuausrichtung
In einer offiziellen Erklärung beschreibt Adobe die Entscheidung als eine Reaktion auf die sich verändernde Technologielandschaft. „Animate ist ein Produkt, das seit über 25 Jahren existiert und seinen Zweck bei der Schaffung und Entwicklung des Animations-Ökosystems gut erfüllt hat“, so das Unternehmen. „Da sich Technologien weiterentwickeln, entstehen neue Plattformen und Paradigmen, die den Bedürfnissen der Nutzer besser dienen.“
Zwischen den Zeilen wird jedoch eine tiefere strategische Verschiebung deutlich. Adobe investiert massiv in die Integration von künstlicher Intelligenz in seine Produktpalette. Ältere Programme wie Animate, die nicht im Zentrum dieser neuen KI-Strategie stehen, scheinen schrittweise aus dem Portfolio genommen zu werden.
Anzeichen für diese Entwicklung gab es bereits zuvor. Bei der jährlichen Adobe Max Konferenz wurde Animate kaum noch erwähnt, und eine Version für das Jahr 2025 wurde gar nicht erst veröffentlicht. Diese Auslassungen ließen in der Community bereits Spekulationen über die Zukunft der Software aufkommen.
Heftige Reaktionen aus der Community
Die Entscheidung von Adobe stieß bei Animatoren, Entwicklern und Hobby-Künstlern auf breites Unverständnis und teils heftige Kritik. In den sozialen Netzwerken äußerten viele Nutzer ihre Enttäuschung und Wut. Ein wiederkehrender Kritikpunkt ist das Fehlen einer adäquaten Alternative, die den spezifischen Funktionsumfang von Animate vollständig abdeckt.
„Das wird mein Leben buchstäblich ruinieren“, schrieb ein Nutzer auf der Plattform X, während ein anderer kommentierte: „Was zum Teufel machen die da? Animate ist der Grund, warum ein guter Teil der Adobe-Nutzer überhaupt ein Abonnement hat.“
Besonders frustrierend für viele ist, dass Adobe selbst keine direkte Nachfolgelösung anbietet. Stattdessen verweist das Unternehmen darauf, dass Teile der Funktionalität von Animate durch andere Programme der Creative Cloud ersetzt werden können. So wird Adobe After Effects für komplexe Keyframe-Animationen mit dem Puppet-Tool und Adobe Express für einfache Animationseffekte empfohlen. Diese fragmentierte Lösung stellt für viele professionelle Anwender jedoch keinen vollwertigen Ersatz dar.
Einige Nutzer forderten Adobe auf, die Software als Open-Source-Projekt freizugeben, anstatt sie einfach aufzugeben. „Hey @Adobe, macht es Open Source, anstatt es zu beenden“, appellierte der Entwickler Tyler Glaiel in einem viel beachteten Beitrag.
Was kostete Adobe Animate?
Die Software war Teil des Creative Cloud-Abonnements, konnte aber auch einzeln erworben werden. Die monatlichen Kosten lagen bei 34,49 US-Dollar. Bei einer jährlichen Verpflichtung sanken die Kosten auf 22,99 US-Dollar pro Monat. Ein im Voraus bezahltes Jahresabonnement war für 263,88 US-Dollar erhältlich.
Die Suche nach Alternativen beginnt
Mit dem angekündigten Ende von Animate beginnt für viele Kreative die Suche nach neuen Werkzeugen. Die von Adobe vorgeschlagenen Workarounds in After Effects und Express sind für viele keine Option, da sie auf andere Anwendungsfälle spezialisiert sind und nicht den intuitiven Workflow für traditionelle 2D-Animation bieten.
In Online-Foren und Diskussionsgruppen werden bereits aktiv Alternativen diskutiert. Zu den am häufigsten genannten Programmen gehören:
- Toon Boom Harmony: Gilt als Branchenstandard für professionelle TV- und Filmproduktionen. Es bietet einen sehr umfangreichen Funktionsumfang, ist aber auch komplexer und teurer.
- Moho Animation: Eine leistungsstarke Software, die sich besonders für Vektor-Animationen und Cut-Out-Charaktere eignet. Sie ist bekannt für ihr fortschrittliches Bone-Rigging-System.
- Clip Studio Paint: Obwohl primär als Zeichen- und Malprogramm bekannt, verfügt es über robuste Animationsfunktionen, die von vielen unabhängigen Animatoren geschätzt werden.
Die Umstellung auf eine neue Software bedeutet für viele Künstler nicht nur finanzielle Investitionen, sondern auch einen erheblichen Zeitaufwand, um neue Arbeitsabläufe zu erlernen. Die Entscheidung von Adobe zwingt eine ganze Generation von Kreativen, sich neu zu orientieren und Werkzeuge zu finden, die ihre Visionen auch in Zukunft zum Leben erwecken können.





