Die US-Raumfahrtbehörde NASA hat nach einem turbulenten Jahr ohne Führung eine neue Spitze. Der Senat bestätigte am 17. Dezember den Milliardär und Privatastronauten Jared Isaacman als neuen Administrator. Seine Ernennung erfolgt in einer kritischen Phase, in der die Agentur mit erheblichen Budgetkürzungen und dem Verlust tausender Mitarbeiter konfrontiert ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Jared Isaacman, ein erfahrener Pilot und Unternehmer, wurde zum neuen Leiter der NASA ernannt.
- Die Ernennung folgt auf eine Phase der Unsicherheit, in der rund 4.000 Mitarbeiter die Agentur verließen.
- Ein von Isaacman verfasstes Strategiepapier namens „Project Athena“ sorgt für Kontroversen, da es radikale Änderungen vorschlägt.
- Die NASA steht vor großen haushaltspolitischen Herausforderungen, einschließlich drohender Kürzungen im Wissenschaftsbudget.
Ein unkonventioneller Anführer für eine angeschlagene Behörde
Die Bestätigung von Jared Isaacman beendet eine monatelange Führungskrise bei der NASA. Die Behörde litt zuletzt unter den Folgen von Budgetkürzungen der Trump-Regierung, die zum Weggang von etwa 4.000 Angestellten führten. Isaacman selbst ist keine typische Wahl für diesen Posten. Er ist ein erfolgreicher Unternehmer, hat Kampfflugzeuge geflogen und war bereits zweimal als Kommandant privater Missionen im Weltraum.
Seine praktischen Erfahrungen sind unbestreitbar. Bei den Missionen Inspiration4 und Polaris Dawn sammelte er nicht nur Flugstunden, sondern führte auch den ersten kommerziellen Weltraumspaziergang durch. Dabei entfernte er sich weiter von der Erde als jeder Mensch seit dem Ende des Apollo-Programms. Diese Qualifikationen machen ihn in den Augen mancher Beobachter zu einem geeigneten Kandidaten.
Keith Cowing, ein ehemaliger NASA-Mitarbeiter und Gründer des Blogs NASA Watch, merkte an: „Das Perfekte ist der Feind des Guten. Isaacman erfüllt viele Kriterien.“ Er betonte, Isaacman habe alle Anforderungen bestanden, die auch an NASA-Astronauten gestellt werden.
Die Situation der NASA vor Isaacmans Amtsantritt
Vor Isaacmans Bestätigung befand sich die NASA in einer schwierigen Lage. Ein Jahr ohne festen Administrator, kombiniert mit politisch motivierten Budgetkürzungen, führte zu großer Unsicherheit und einem signifikanten Personalabbau. Wichtige Projekte standen auf der Kippe, und die Moral innerhalb der Belegschaft war angeschlagen.
Kontroverse um „Project Athena“
Trotz seiner Qualifikationen gibt es erhebliche Bedenken hinsichtlich Isaacmans Zukunftsvision für die Raumfahrtbehörde. Diese Bedenken speisen sich aus einem 62-seitigen Dokument mit dem Titel „Project Athena“, das er im Frühjahr verfasste. Im November gelangte das Papier an die Öffentlichkeit und löste unter Experten Besorgnis aus.
In dem Dokument skizziert Isaacman weitreichende Reformen. Einer der umstrittensten Vorschläge ist, die NASA aus der „steuerfinanzierten Klimawissenschaft“ herauszulösen und dieses Feld der akademischen Forschung zu überlassen. Ein solcher Schritt würde eine grundlegende Neuausrichtung der wissenschaftlichen Prioritäten der Agentur bedeuten.
Radikale Umstrukturierungspläne
Weiterhin schlug Isaacman vor, die „Relevanz und fortlaufende Notwendigkeit“ jedes einzelnen NASA-Zentrums zu überprüfen. Insbesondere das renommierte Jet Propulsion Laboratory (JPL) wurde dabei genannt. Kritiker sehen darin eine Bedrohung für etablierte Forschungseinrichtungen. Ein ehemaliger NASA-Beamter bezeichnete den Plan als „bizarr und sorglos“, ein anderer nannte ihn „anmaßend“.
Zentrale Punkte aus „Project Athena“
- Klimaforschung: Verlagerung der Zuständigkeit von der NASA zu akademischen Institutionen.
- Zentren-Überprüfung: Evaluation aller NASA-Einrichtungen, einschließlich des JPL, auf ihre Notwendigkeit.
- Leistungskennzahlen: Einführung von KPIs zur Messung von „Output und Zeit bis zur Wissenschaft“.
Isaacmans Position im Senat
Während seiner Anhörung vor dem Senat in diesem Monat verteidigte Isaacman sein Strategiepapier. Er erklärte: „Ich stehe hinter allem in dem Dokument, auch wenn es vor sieben Monaten geschrieben wurde. Ich denke, es war alles richtungsweisend korrekt.“
Gleichzeitig versuchte er, einige der schärfsten Kritikpunkte zu entkräften. „Alles, was darauf hindeutet, dass ich anti-wissenschaftlich bin oder diese Verantwortung auslagern möchte, ist schlicht unwahr“, sagte er. Er sprach sich zudem gegen die Pläne der Regierung aus, das Wissenschaftsbudget der NASA fast zu halbieren, und nannte die Vorschläge nicht optimal.
„Einer der Fallstricke früherer NASA-Administratoren war, dass sie den internen Prozessen und der bürokratischen Struktur der Agentur zu viel Ehrfurcht entgegenbrachten, was der Entscheidungsfindung und Leistung schadete.“
Die Macht des Budgets
Experten weisen darauf hin, dass die Macht eines NASA-Administrators begrenzt ist, insbesondere wenn es um den Haushalt geht. Die eigentliche Kontrolle liegt oft beim Haushaltsbüro des Weißen Hauses (OMB). „Sobald ein Budgetantrag öffentlich ist, muss ihn jeder in der Regierung verteidigen. Alles, was er tut, muss intern und privat sein“, erklärt Casey Drier von der Planetary Society.
Das OMB hat bereits Fakten geschaffen. Aufgrund neuer Richtlinien vergab die NASA im Jahr 2025 25 Prozent weniger neue Forschungsstipendien als im Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2024. „Das OMB hat zusätzliche Anforderungen geschaffen, die Wissenschaftler nun durchlaufen müssen, um das Geld auszugeben, das ihnen bereits zugewiesen wurde“, so Drier.
Die größte Hürde bleibt der fehlende Ganzjahreshaushalt für 2026. Der Kongress hat nur bis zum 30. Januar Zeit, eine Finanzierung zu sichern. Bis dahin bleibt die offizielle Politik der Regierung, ein Drittel der wissenschaftlichen Kapazitäten der NASA zu streichen. Es gibt zwar parteiübergreifenden Widerstand gegen diese Kürzungen, doch die Zukunft bleibt ungewiss. Die NASA benötigt nun eine Führungspersönlichkeit, die sich energisch für ihre Interessen einsetzt. Ob Jared Isaacman dieser Aufgabe gewachsen ist, werden die kommenden Monate zeigen.





