Ein massives Datenleck hat kürzlich 1,3 Milliarden einzigartige Passwörter und zwei Milliarden E-Mail-Adressen offengelegt. Diese Daten, die aus verschiedenen Quellen wie Credential-Stuffing-Angriffen und Infostealer-Malware stammen, zwingen Experten dazu, ihre Sicherheitsempfehlungen zu überdenken. Viele der kompromittierten Passwörter sind über ein Jahrzehnt alt und entsprechen nicht mehr den heutigen Standards.
Die schiere Menge der Daten verdeutlicht, wie wichtig es ist, alte Gewohnheiten abzulegen und die eigene Online-Sicherheit proaktiv zu verwalten. Veraltete Schutzmaßnahmen sind angesichts der sich ständig weiterentwickelnden Bedrohungen nicht mehr ausreichend. Es ist an der Zeit, die Kontrolle über die eigenen digitalen Konten zurückzugewinnen.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein aktuelles Datenleck hat 1,3 Milliarden einzigartige Passwörter offengelegt.
- Viele der kompromittierten Passwörter sind 10 bis 20 Jahre alt und extrem unsicher.
- Moderne Sicherheitspraktiken wie maskierte E-Mails und Passkeys sind entscheidend.
- Das Aufräumen alter Konten und die Aktualisierung von Passwörtern sind unerlässlich.
1. Für jedes Konto eine eigene E-Mail-Adresse nutzen
Die Wiederverwendung derselben E-Mail-Adresse für mehrere Online-Dienste ist ein erhebliches Sicherheitsrisiko. Wenn Angreifer Ihre E-Mail-Adresse und ein zugehöriges Passwort erbeuten, können sie diese Kombination bei unzähligen anderen Webseiten ausprobieren. Diese Methode, bekannt als Credential Stuffing, ist erschreckend oft erfolgreich, da viele Menschen auch ihre Passwörter wiederverwenden.
Eine effektive Gegenmaßnahme ist die Verwendung unterschiedlicher E-Mail-Adressen für jedes einzelne Konto. Früher war dies mit dem umständlichen Erstellen vieler verschiedener Postfächer verbunden, doch heute gibt es eine einfachere Lösung: E-Mail-Aliase, auch „maskierte E-Mails“ genannt.
Wie E-Mail-Aliase funktionieren
Ein Alias ist eine Weiterleitungsadresse. Nachrichten, die an den Alias gesendet werden, landen in Ihrem Hauptpostfach, während Ihre echte E-Mail-Adresse für den Absender verborgen bleibt. Dies erschwert es Angreifern, ein umfassendes Profil über Ihre Online-Aktivitäten zu erstellen.
Es gibt verschiedene Arten von Aliasen:
- Einfache Aliase: Einige Anbieter wie Gmail oder Proton Mail erlauben es, der eigenen E-Mail-Adresse ein Pluszeichen und einen beliebigen Text hinzuzufügen (z.B. [email protected]). Dies hilft bei der Organisation und Nachverfolgung, verbirgt aber nicht die ursprüngliche Adresse.
- Anonyme Aliase: Dienste wie Apple iCloud Mail, Fastmail, Mozilla Relay oder SimpleLogin erstellen zufällige, anonyme Adressen (z.B. [email protected]). Diese bieten den besten Schutz, da sie keinerlei Rückschlüsse auf Ihre Identität zulassen.
Privatsphäre als zusätzlicher Schutz
Die Verwendung anonymer E-Mail-Aliase schützt nicht nur vor Credential Stuffing, sondern auch vor gezielten Phishing-Angriffen. Wenn Hacker Ihre echte E-Mail-Adresse nicht kennen, können sie auch keine personalisierten Betrugs-E-Mails erstellen, die auf Informationen aus verschiedenen Datenlecks basieren.
2. Veraltete Passwörter endlich aktualisieren
Analysen des jüngsten Datenlecks zeigen einen beunruhigenden Trend: Viele der kompromittierten Passwörter waren zwischen 10 und 20 Jahre alt. Diese Passwörter stammen aus einer Zeit, in der die Anforderungen an die Sicherheit deutlich geringer waren.
Was vor einem Jahrzehnt als sicher galt, ist heute leicht zu knacken. Passwörter mit nur acht Zeichen oder simplen Variationen wie dem Anhängen von Sonderzeichen an ein bekanntes Wort bieten keinen ausreichenden Schutz mehr. Die Rechenleistung moderner Computer hat sich so stark verbessert, dass solche Passwörter in kürzester Zeit entschlüsselt werden können.
Die Entwicklung der Passwortsicherheit
Ein Passwort, das 2005 als stark galt (z.B. „p@$$w0rt!“), kann heute von spezialisierter Hardware in wenigen Minuten geknackt werden. Heutige Empfehlungen lauten, lange Passphrasen aus mehreren Wörtern zu verwenden oder einen Passwort-Manager zu nutzen, der komplexe und zufällige Zeichenfolgen generiert.
Selbst wenn Sie ein altes Konto nicht mehr aktiv nutzen, stellt es ein Risiko dar. Oft sind dort persönliche Daten wie Adressen, Telefonnummern oder Geburtsdaten gespeichert, die für Identitätsdiebstahl oder gezielte Phishing-Angriffe missbraucht werden können. Es ist daher entscheidend, alle alten Konten zu überprüfen und die Passwörter durch neue, starke und einzigartige zu ersetzen.
3. Alte Konten aufräumen oder vollständig löschen
Jedes Online-Konto, das Sie besitzen, ist ein potenzielles Ziel für Datendiebstahl. Das gilt besonders für Konten, die Sie nur selten nutzen und vielleicht schon vergessen haben. Selbst wenn Ihr Passwort sicher ist, können die Betreiber der Webseite Opfer eines Angriffs werden und Ihre Daten verlieren.
Reduzieren Sie Ihre digitale Angriffsfläche, indem Sie nicht mehr benötigte Informationen aus Ihren Konten entfernen. Beginnen Sie mit den sensibelsten Daten:
- Kreditkarteninformationen: Speichern Sie Zahlungsinformationen niemals dauerhaft auf Shopping-Websites. Nutzen Sie stattdessen einen Passwort-Manager, der diese Daten sicher verwaltet und bei Bedarf automatisch ausfüllt.
- Persönliche Daten: Entfernen Sie Adressen, Telefonnummern und andere persönliche Details, die nicht zwingend für die Funktion des Dienstes erforderlich sind.
- Konten löschen: Wenn Sie ein Konto gar nicht mehr benötigen, löschen Sie es vollständig. Viele Dienste bieten diese Option in den Kontoeinstellungen an. Dies ist der sicherste Weg, um zu verhindern, dass Ihre Daten in die falschen Hände geraten.
4. Der Umstieg auf Passkeys als zukunftssichere Methode
Die vielleicht wichtigste Veränderung für Ihre Online-Sicherheit ist der Wechsel von Passwörtern zu Passkeys. Diese neue Technologie ist von Grund auf sicherer und widerstandsfähiger gegen die häufigsten Angriffsarten.
Im Gegensatz zu einem Passwort, das gestohlen und wiederverwendet werden kann, funktioniert ein Passkey anders. Er besteht aus einem Schlüsselpaar: einem öffentlichen Schlüssel, der auf der Webseite gespeichert wird, und einem privaten Schlüssel, der sicher auf Ihrem Gerät (z.B. Smartphone oder Computer) verbleibt. Zum Anmelden wird nur eine kryptografische Signatur ausgetauscht, nicht das Geheimnis selbst.
„Ein Angreifer kann Ihre E-Mail-Adresse und Ihre alten Passwörter herausfinden. Aber wenn Sie Ihre primäre Anmeldemethode auf einen Passkey umstellen, nützt ihm das nichts.“
Die Vorteile von Passkeys
Passkeys bieten mehrere entscheidende Vorteile gegenüber traditionellen Passwörtern:
- Phishing-Resistenz: Ein Passkey ist an die Webseite gebunden, für die er erstellt wurde. Er funktioniert nicht auf einer gefälschten Phishing-Seite.
- Kein Diebstahl möglich: Da der private Schlüssel Ihr Gerät nie verlässt, kann er nicht von einem Server gestohlen werden.
- Einfache Anwendung: Nach der einmaligen Einrichtung funktioniert die Anmeldung schnell und bequem per Fingerabdruck, Gesichtserkennung oder PIN.
Immer mehr Webseiten und Dienste unterstützen Passkeys. Wo dies noch nicht möglich ist, sollten Sie weiterhin ein langes, einzigartiges und zufällig generiertes Passwort verwenden und die Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) aktivieren. Langfristig sind Passkeys jedoch der sicherste und benutzerfreundlichste Weg, um Ihre digitalen Konten zu schützen.





