Neuesten Berichten aus der Spielebranche zufolge hat der französische Publisher Ubisoft die Entwicklung der einst vielversprechenden „Watch Dogs“-Reihe eingestellt. Die Entscheidung soll nach der enttäuschenden kommerziellen und kritischen Aufnahme des letzten Teils, „Watch Dogs: Legion“, gefallen sein.
Die Marke, die 2014 als großer Hoffnungsträger für die damals neue Konsolengeneration startete, scheint damit vorerst ein Ende zu finden. Dies reiht sich in eine Serie von strategischen Neuausrichtungen bei Ubisoft ein, die das Unternehmen nach einer Phase finanzieller Schwierigkeiten durchläuft.
Das Wichtigste in Kürze
- Die „Watch Dogs“-Spielereihe ist Berichten zufolge „vollständig tot“.
- Der Misserfolg von „Watch Dogs: Legion“ aus dem Jahr 2020 gilt als Hauptgrund für die Entscheidung.
- Die ersten beiden Spiele der Reihe waren mit jeweils über 10 Millionen verkauften Einheiten kommerziell erfolgreich.
- Die Einstellung der Serie ist Teil einer größeren Umstrukturierung bei Ubisoft, um sich auf profitablere Marken zu konzentrieren.
Das Ende einer Hacker-Saga
Einem bekannten Brancheninsider zufolge, der in der Vergangenheit bereits mehrfach mit präzisen Informationen über Ubisoft auf sich aufmerksam machte, hat das Unternehmen die „Watch Dogs“-IP intern für beendet erklärt. Obwohl eine offizielle Bestätigung seitens Ubisoft noch aussteht, deuten die Umstände der letzten Jahre stark auf diesen Schritt hin. Seit der Veröffentlichung von „Watch Dogs: Legion“ im Jahr 2020 ist es still um die Serie geworden.
Die Entscheidung, eine etablierte Marke wie „Watch Dogs“ aufzugeben, wäre ein klares Signal für die neue strategische Ausrichtung des Publishers. Ubisoft hat in den letzten Jahren mit mehreren Herausforderungen zu kämpfen, darunter die Ermüdung bei Kernfranchises wie „Assassin's Creed“ und „Far Cry“ sowie kostspielige Fehlschläge im Live-Service-Bereich. Die Konzentration auf die stärksten und profitabelsten Marken scheint eine logische Konsequenz zu sein.
Aufstieg und Fall einer vielversprechenden Marke
Die Geschichte von „Watch Dogs“ ist eine von großen Erwartungen, soliden Erfolgen und einem jähen Absturz. Die Serie hat die Gaming-Welt über fast ein Jahrzehnt begleitet und dabei Höhen und Tiefen erlebt.
Der Hype um das Original
Als „Watch Dogs“ 2012 erstmals vorgestellt wurde, sorgte es für enormes Aufsehen. Es wurde als Aushängeschild für die kommende PlayStation 4 und Xbox One Generation positioniert und versprach eine offene Spielwelt, in der jede Technologie gehackt werden konnte. Die Erwartungen waren immens.
Bei der Veröffentlichung im Jahr 2014 konnte das Spiel die höchsten Erwartungen zwar nicht ganz erfüllen, was sich in soliden, aber nicht überragenden Wertungen im Bereich von 77 bis 80 auf Metacritic widerspiegelte. Dennoch war es ein kommerzieller Erfolg.
Verkaufserfolg des ersten Teils
Trotz gemischter Kritiken verkaufte sich das erste „Watch Dogs“ über 10 Millionen Mal und etablierte sich damit als eine der erfolgreichsten neuen Marken der achten Konsolengeneration.
Stabilität mit dem Nachfolger
Zwei Jahre später, 2016, folgte „Watch Dogs 2“. Der Nachfolger verlegte den Schauplatz ins sonnige San Francisco und präsentierte sich mit einem leichteren, optimistischeren Ton. Das Spiel wurde von Kritikern etwas besser aufgenommen als sein Vorgänger und konnte ebenfalls beeindruckende Verkaufszahlen vorweisen, die sich in einer ähnlichen Größenordnung wie das Original bewegten. Zu diesem Zeitpunkt schien die Zukunft der Serie gesichert.
Der Wendepunkt: Watch Dogs Legion
Der Bruch kam 2020 mit „Watch Dogs: Legion“. Das Spiel versuchte, mit einem ambitionierten Konzept zu punkten: Jeder einzelne Charakter in der offenen Spielwelt von London sollte rekrutierbar und spielbar sein. Diese Mechanik erwies sich jedoch als zweischneidiges Schwert. Während die technische Umsetzung beeindruckte, fehlte es dem Spiel an einer fesselnden zentralen Geschichte und charismatischen Hauptfiguren, die die Vorgänger ausgezeichnet hatten.
Die kritische Resonanz war deutlich schwächer, mit Metacritic-Wertungen, die zwischen 66 und 76 lagen. Noch entscheidender waren jedoch die Verkaufszahlen.
Nachdem Ubisoft anfangs den Verkauf von 1,9 Millionen digitalen Einheiten in den ersten Tagen meldete, wurden danach keine weiteren offiziellen Verkaufszahlen mehr kommuniziert – ein branchenübliches Zeichen für enttäuschende Ergebnisse.
Ubisofts strategische Neuausrichtung
Die angebliche Einstellung von „Watch Dogs“ geschieht nicht im luftleeren Raum. Sie ist Teil eines größeren Umbaus bei Ubisoft, der notwendig wurde, um das Unternehmen nach einer schwierigen Phase wieder auf Kurs zu bringen. Mit einer der größten Belegschaften der Branche und hohen Betriebskosten ist der Publisher gezwungen, sein Portfolio zu straffen.
Hintergrund: Ubisoft unter Druck
In den letzten Jahren hatte Ubisoft mit mehreren Problemen zu kämpfen. Dazu gehören die Schwierigkeiten, neue erfolgreiche Marken zu etablieren, während die bestehenden großen Serien Anzeichen von Übersättigung zeigten. Eine strategische Investition durch den chinesischen Tech-Konzern Tencent war entscheidend, um das Unternehmen zu stabilisieren und die notwendige Umstrukturierung zu finanzieren.
Die Konzentration auf weniger, aber dafür profitablere Projekte ist eine gängige Strategie in solchen Situationen. Projekte, die nicht die erwartete Rendite liefern, werden eingestellt, um Ressourcen für vielversprechendere Titel freizumachen. „Watch Dogs“ scheint diesem Prozess zum Opfer gefallen zu sein.
Was bleibt von der Hacker-Serie?
Trotz des abrupten Endes hat „Watch Dogs“ seine Spuren in der Gaming-Landschaft hinterlassen. Das Konzept, eine moderne, technologiegetriebene offene Welt durch Hacking zu manipulieren, war frisch und innovativ. Die Serie bot eine düstere, aber faszinierende Auseinandersetzung mit Themen wie Überwachung, Datenschutz und der Macht von Technologiekonzernen.
Interessanterweise befindet sich weiterhin ein „Watch Dogs“-Film in der Entwicklung. Dies ist wahrscheinlich das Ergebnis von Verträgen, die lange vor der Entscheidung, die Spieleserie einzustellen, geschlossen wurden. Es handelt sich vermutlich um ein Projekt, in das bereits zu viel investiert wurde, um es komplett zu stoppen.
Für Fans der Serie bleibt die Hoffnung, dass die Marke nicht für immer verschwunden ist. In der Spielebranche kommt es immer wieder vor, dass eingestellte Serien nach vielen Jahren eine Neuauflage oder eine Fortsetzung erhalten. Vorerst müssen sich Spieler jedoch damit abfinden, dass die Geschichte von DedSec und dem Kampf gegen die Überwachungstechnologie in den Spielen zu einem Ende gekommen ist.





