Nach Jahren des Schweigens hat Nintendo Einblicke in die turbulente Entwicklung von „Metroid Prime 4: Beyond“ gegeben. Neue Informationen enthüllen, dass das Projekt auf Anfrage von Nintendo of America begann und nach einem kompletten Neustart bei Retro Studios vor massiven strukturellen Herausforderungen stand.
Die lange Wartezeit, die Fans seit der ersten Ankündigung im Jahr 2017 ertragen mussten, war nicht nur auf kreative Entscheidungen zurückzuführen, sondern auf die Notwendigkeit, das Entwicklerteam von Grund auf neu aufzubauen und die einzigartige Essenz der Serie zu vermitteln.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Die Entwicklung von „Metroid Prime 4“ wurde ursprünglich von Nintendo of America angestoßen.
- Nach dem Neustart bei Retro Studios fehlte dem Studio die notwendige Struktur, um ein Prime-Spiel zu entwickeln.
- Ein zentrales Ziel war es, neuen Mitarbeitern das japanische Konzept des „Ma“ (der Raum zwischen den Dingen) zu vermitteln, das für die Atmosphäre der Serie entscheidend ist.
- Die Geschichte konzentriert sich auf die Beziehung zwischen Samus Aran und dem mysteriösen Jäger Sylux.
Ein Projekt mit amerikanischem Ursprung
Die Reise von „Metroid Prime 4: Beyond“ begann nicht in den japanischen Hauptquartieren von Nintendo, sondern als direkter Wunsch aus den USA. Nintendo of America äußerte den Bedarf nach einem neuen, nummerierten Hauptteil der gefeierten „Metroid Prime“-Reihe. Dies setzte die Räder für ein Projekt in Bewegung, das zu einem der am meisten erwarteten und gleichzeitig rätselhaftesten Titel für die Nintendo Switch werden sollte.
Von Anfang an war die kreative Vision klar: Das Spiel sollte die typischen Merkmale der „Prime“-Serie beibehalten und gleichzeitig eine frische, neue Erfahrung bieten. Ein zentraler erzählerischer Faden wurde früh festgelegt: die komplexe Beziehung zwischen der Protagonistin Samus Aran und ihrem Rivalen Sylux. Diese Handlungslinie wurde von den Entwicklern schon länger ins Auge gefasst und bot die perfekte Grundlage für das nächste Kapitel der Saga.
Der schwierige Neustart bei Retro Studios
Die wohl bekannteste Wendung in der Entwicklungsgeschichte von „Metroid Prime 4“ war die Entscheidung, das Projekt komplett neu zu starten und die Verantwortung an Retro Studios zu übergeben – das Team, das bereits die ursprüngliche Trilogie entwickelt hatte. Doch diese Rückkehr zu den Wurzeln war alles andere als einfach.
Ein mutiger Schritt
Im Januar 2019 kündigte Nintendo in einer seltenen und transparenten Videobotschaft an, dass die bisherige Entwicklung von „Metroid Prime 4“ nicht den eigenen Qualitätsstandards entsprach. Das Projekt wurde verworfen und die Entwicklung unter der Leitung von Produzent Kensuke Tanabe bei Retro Studios neu begonnen. Dieser Schritt führte zu einer erheblichen Verzögerung, wurde aber von der Community als Bekenntnis zur Qualität der Marke begrüßt.
Wie Nintendo nun enthüllte, stand Retro Studios zu diesem Zeitpunkt vor einem fundamentalen Problem. Ein Entwickler erklärte, dass das Studio „nicht die Struktur hatte, um ein Metroid Prime-Spiel zu machen“. Viele der ursprünglichen Entwickler hatten das Unternehmen über die Jahre verlassen. Die erste und größte Hürde bestand also nicht darin, das Spiel zu entwerfen, sondern das Studio selbst wieder aufzubauen.
Wiederaufbau eines legendären Teams
Der Wiederaufbau war ein aufwendiger Prozess. Es mussten neue Mitarbeiter eingestellt und Teams geformt werden, die in der Lage waren, die hohen Erwartungen zu erfüllen. Dieser Prozess erforderte Zeit und eine sorgfältige Auswahl von Talenten.
Zusätzlich war das Projekt auf externe Unterstützung angewiesen. Teile der Umgebungsmodelle und Videosequenzen wurden an andere Firmen ausgelagert. Die Auswahl und Koordination dieser Partner war eine weitere komplexe Managementaufgabe, die den Zeitplan beeinflusste. Laut den Entwicklern war das Projektmanagement-Team von unschätzbarem Wert, um Zeitplan und Qualität im Gleichgewicht zu halten.
Die Essenz von Metroid: Das Konzept des „Ma“
Eine der größten Herausforderungen während der langen Entwicklungszeit war es, den neuen Teammitgliedern die subtile, aber entscheidende Philosophie hinter „Metroid Prime“ zu vermitteln. Es ging nicht nur darum, ein Spiel zu programmieren, sondern eine ganz bestimmte Spielerfahrung zu schaffen.
„Es dauerte seine Zeit, bis jeder das Gefühl des ‚Ma‘ von Metroid Prime verstand“, so ein an der Entwicklung beteiligter Mitarbeiter. „Am Ende, denke ich, haben sie es verstanden, ebenso wie das japanische Konzept des ‚Ma‘.“
Dieses Konzept ist tief in der japanischen Ästhetik verwurzelt und schwer zu übersetzen. „Ma“ (間) beschreibt den Raum oder die Pause zwischen Dingen – sei es in der Musik, der Kunst oder der Architektur. Es ist die Stille zwischen den Tönen, die Leere, die ein Objekt umgibt, oder die Pause in einem Gespräch. Indem man diese Lücke würdigt, kann man ein tieferes Verständnis für Zeit, Schönheit und Spannung entwickeln.
Was bedeutet „Ma“ im Gamedesign?
Im Kontext von „Metroid Prime“ manifestiert sich „Ma“ auf verschiedene Weisen:
- Atmosphäre: Lange, ruhige Korridore, in denen nur das Echo von Samus' Schritten zu hören ist, bauen Spannung auf.
- Pacing: Der Wechsel zwischen intensiven Kämpfen und ruhigen Erkundungsphasen gibt dem Spieler Zeit zum Durchatmen und Nachdenken.
- Leveldesign: Die oft isolierten und weitläufigen Gebiete erzeugen ein Gefühl der Einsamkeit und des Mysteriums.
- Sounddesign: Die minimalistische Musik und die Umgebungsgeräusche betonen die Stille und die Fremdartigkeit der Welt.
Diese Designphilosophie ist der Grund, warum sich die „Prime“-Spiele so einzigartig anfühlen. Es war für das Team von entscheidender Bedeutung, dass jeder Mitarbeiter dieses Prinzip verinnerlichte, um eine authentische Fortsetzung zu schaffen. Dieser Lernprozess war ein wesentlicher Teil der verlängerten Entwicklungszeit.
Ein Blick in die Zukunft von Metroid
Die Offenheit Nintendos über die Schwierigkeiten bei der Entwicklung von „Metroid Prime 4: Beyond“ zeichnet das Bild eines Unternehmens, das bereit ist, große Hürden zu überwinden, um seine Qualitätsversprechen einzuhalten. Der Neustart war ein riskantes, aber notwendiges Manöver, um sicherzustellen, dass die Rückkehr von Samus Aran den hohen Erwartungen der Fans gerecht wird.
Der Fokus auf den Wiederaufbau von Retro Studios und die Vermittlung der Kernphilosophie der Serie zeigt, dass es bei der Entwicklung nicht nur um technische Aspekte ging, sondern um die Bewahrung einer künstlerischen Vision. Mit dem Wissen um diese Hintergründe blicken Fans nun mit noch größerer Spannung auf die Veröffentlichung von „Metroid Prime 4: Beyond“ und die Fortsetzung der Geschichte um Samus und Sylux.





