Das neue OnePlus 15 positioniert sich als Flaggschiff für anspruchsvolle Nutzer und Gamer, die vor allem Wert auf Leistung und Akkulaufzeit legen. Mit einem hochmodernen Chipsatz und einem riesigen 7.300-mAh-Akku setzt es neue Maßstäbe. Doch bei der Kamera geht der Hersteller einen anderen Weg und setzt auf Software statt auf neue Hardware, was zu gemischten Ergebnissen führt.
Ein weiteres wichtiges Detail betrifft den Verkaufsstart in den USA. Aufgrund von Verzögerungen bei der Zertifizierung durch die Federal Communications Commission (FCC), die durch einen Regierungsstillstand verursacht wurden, ist der Verkaufsstart dort vorerst verschoben. In Kanada hingegen wird das Gerät wie geplant ab dem 13. November erhältlich sein.
Design und Haptik: Eine neue Richtung
Beim ersten Auspacken des OnePlus 15 fällt sofort eine Änderung gegenüber früheren Modellen auf. Anstelle der bekannten Kunstlederrückseite setzt das Unternehmen nun auf eine satinierte Fiberglas-Oberfläche. Besonders die Variante „Sand Storm“ mit ihren schimmernden Beige-Tönen bietet durch einen griffigen Seitenrahmen ein sicheres Gefühl in der Hand.
Diese Designentscheidung hat jedoch zur Folge, dass das Gerät seine traditionell schlanke und geschwungene Form verliert. Es wirkt nun massiver und erinnert in seiner Anmutung stärker an die Pro-Max-Modelle von Apple oder die XL-Varianten von Google Pixel. Wer ein einzigartiges Design erwartet, könnte hier enttäuscht sein.
Display: Flüssigkeit vor Auflösung
Ein zentrales Merkmal des OnePlus 15 ist sein 6,7-Zoll-AMOLED-Display. OnePlus hebt besonders die schmalen Ränder von nur 1,15 Millimetern hervor, die ein immersives Seherlebnis ermöglichen. Gleichzeitig wurde die Auflösung von 2K beim Vorgängermodell auf nun 1,5K reduziert.
Diese Reduzierung scheint jedoch eine bewusste Entscheidung zu sein. Sie ermöglicht es dem Display, eine konstant hohe Bildwiederholfrequenz von 165 Hertz zu erreichen, ohne den Akku übermäßig zu belasten. Im Praxistest, sowohl beim Scrollen durch Webseiten als auch bei grafisch anspruchsvollen Spielen, zeigte sich das Display extrem flüssig und reaktionsschnell.
Hintergrund: Bildwiederholfrequenz vs. Auflösung
Eine höhere Bildwiederholfrequenz (gemessen in Hertz) sorgt für flüssigere Animationen und Bewegungen auf dem Bildschirm, was besonders bei schnellen Spielen und beim Scrollen von Vorteil ist. Eine höhere Auflösung (gemessen in Pixeln) bedeutet ein schärferes Bild. Hersteller müssen oft einen Kompromiss zwischen diesen beiden Faktoren finden, da beide den Akku und den Prozessor stark beanspruchen.
Leistung für Gamer und Power-User
Das Herzstück des OnePlus 15 ist der neue Snapdragon 8 Elite Gen 5 Chipsatz von Qualcomm. In Kombination mit Software-Optimierungen wie dem „CPU Scheduler“ von OnePlus, der Rechenleistung gezielt für Spiele reserviert, liefert das Smartphone eine beeindruckende Performance.
Im Test zeigten sich die Vorteile deutlich. Während konkurrierende Flaggschiffe von Samsung und Google bereits nach wenigen Minuten intensiven Spielens an Leistung verloren und unangenehm warm wurden, hielt das OnePlus 15 fast 30 Minuten durch, bevor erste Anzeichen einer Drosselung auftraten. Das macht es zur klaren Wahl für mobile Gamer.
Leistungsmerkmale im Überblick
- Prozessor: Qualcomm Snapdragon 8 Elite Gen 5
- Display: 6,7-Zoll AMOLED mit 165 Hz
- Akku: 7.300 mAh
- Laden: 80W kabelgebunden
- Schutzklasse: IP69 (Schutz gegen Hochdruckwasserstrahlen)
Zusätzlich unterstützt ein dedizierter Wi-Fi-Chip den neuesten Wi-Fi-7-Standard, was für stabile und schnelle Verbindungen bei Online-Spielen sorgt. Für Nutzer, die maximale Leistung benötigen, setzt das OnePlus 15 derzeit den Maßstab im Mainstream-Markt.
Künstliche Intelligenz und die neue Aktionstaste
Eine bemerkenswerte Änderung ist der Wegfall des klassischen Alert-Sliders, einem Markenzeichen von OnePlus. An seiner Stelle befindet sich nun eine programmierbare Aktionstaste, ähnlich wie bei neueren iPhone-Modellen.
Diese Taste kann für verschiedene Funktionen konfiguriert werden, etwa zum Starten der Kamera oder der Taschenlampe. Besonders nützlich erwies sie sich jedoch für die Aktivierung von „Mind Space“. Dabei handelt es sich um eine lokale Datenbank, in der Screenshots und Sprachnotizen gespeichert werden können. Die KI Gemini kann anschließend auf diese Informationen zugreifen, um kontextbezogene Fragen zu beantworten.
„Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, Bilder von wichtigen Reise-E-Mails und Notizen abzulegen. So konnte ich Gemini einfach bitten, darauf zu verweisen, wenn ich nach Flugplänen, dem Wetter oder erforderlichen Dokumenten suchte.“
Diese Funktion zeigt, dass OnePlus im Bereich der mobilen KI-Anwendungen eine führende Rolle einnehmen will und praktische Anwendungsfälle für den Alltag schafft.
Die Kamera: Software schlägt Hardware
Im Bereich der Fotografie geht OnePlus einen überraschenden Weg. Anstatt die Kamerasensoren im Vergleich zum Vorgängermodell zu verbessern, sind diese hardwareseitig sogar unterlegen. Das Unternehmen setzt stattdessen auf eine verbesserte KI-gestützte Bildverarbeitung und den Bildsignalprozessor (ISP) des neuen Qualcomm-Chips.
Die Ergebnisse sind gemischt. Bei Tageslichtaufnahmen mit der Weitwinkel- und Ultraweitwinkelkamera wirken die Bilder gut gesättigt und kontrastreich. Die HDR-Aufnahme ist dabei weniger aggressiv als bei vielen Konkurrenten, was zu einer ausgewogenen Darstellung von Details und Farben führt.
Stärken und Schwächen im Detail
Die größte Stärke der Kamera liegt im Telefotobereich. Der 120-fache optische Zoom kann Schilder und Texte aus großer Entfernung oft besser wiedergeben als die hochauflösenden Sensoren der Konkurrenz. Eine leichte generative KI-Nachbearbeitung sorgt für ansprechende Ergebnisse, ohne unnatürlich zu wirken.
Die Schwäche offenbart sich jedoch bei schlechten Lichtverhältnissen. Die kleineren Sensoren können nicht genügend Licht einfangen, um Details scharf darzustellen. Gesichter wirken oft unscharf, Objekte verschwimmen und die Farben verlieren an Natürlichkeit. Hier fällt das OnePlus 15 im Vergleich zu anderen Premium-Smartphones deutlich zurück.
Akkulaufzeit, die beeindruckt
Der wohl größte Pluspunkt des OnePlus 15 ist sein gigantischer 7.300-mAh-Akku. Im Praxistest hielt das Gerät selbst bei intensiver Nutzung mit GPS, Kamera und Internetrecherche problemlos bis in den nächsten Morgen durch.
Wenn der Akku doch einmal leer ist, sorgt die 80-Watt-Schnellladetechnologie für eine schnelle Wiederaufladung. In der Zeit, die man morgens im Bad verbringt, ist der Akku bereits wieder zu 50 % gefüllt. Diese Kombination aus extremer Ausdauer und schnellem Aufladen ist ein entscheidender Vorteil im Alltag.
Fazit: Ein spezielles Flaggschiff
Das OnePlus 15 ist keine radikale Neuerung, sondern eine konsequente Weiterentwicklung der Stärken seines Vorgängers. Mit einem Startpreis von 899 US-Dollar richtet es sich gezielt an eine anspruchsvolle Zielgruppe: mobile Gamer, Power-User und Technik-Enthusiasten, für die Leistung und Akkulaufzeit an erster Stelle stehen.
In diesen Bereichen ist das Gerät unübertroffen. Wer jedoch den Fokus auf die bestmögliche Kameraqualität legt, insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen, muss Kompromisse eingehen. Das OnePlus 15 ist ein spezialisiertes Kraftpaket, das seine Nische perfekt bedient, aber nicht den Anspruch erhebt, in allen Kategorien der Beste zu sein.





