Das Start-up Sunday Robotics hat einen neuen Haushaltsroboter namens Memo vorgestellt, der alltägliche Aufgaben wie das Zubereiten von Kaffee und das Einräumen des Geschirrspülers selbstständig erledigen kann. Durch einen neuartigen Trainingsansatz soll der Roboter in der Lage sein, sich an unvorhersehbare Umgebungen in echten Wohnungen anzupassen.
Memo bewegt sich auf einer rollenden Plattform und verfügt über zwei Greifarme, die ihm menschenähnliche Geschicklichkeit verleihen sollen. Das Unternehmen plant, im kommenden Jahr erste Testgeräte an ausgewählte Nutzer auszuliefern, um die Fähigkeiten des Roboters unter realen Bedingungen zu erproben.
Das Wichtigste in Kürze
- Sunday Robotics stellt den Haushaltsroboter Memo vor, der Aufgaben wie Kaffeekochen und Geschirrspülen erledigt.
- Ein innovatives Trainingssystem mit speziellen Handschuhen ermöglicht es dem Roboter, menschenähnliche Bewegungen zu lernen.
- Das Unternehmen wird von namhaften Investoren wie Benchmark und Conviction unterstützt und plant einen Beta-Test im nächsten Jahr.
- Memo soll die Lücke zwischen spezialisierten Industrierobotern und vielseitigen Haushaltshelfern schließen.
Ein Helfer für die ungeliebten Aufgaben
In einer Demonstration in Mountain View, Kalifornien, zeigte Memo seine Fähigkeiten. Der Roboter, dessen Erscheinungsbild an eine Figur aus einem Animationsfilm erinnert, bereitete selbstständig einen Espresso zu. Er nahm den Siebträger, füllte ihn mit Kaffeepulver, setzte ihn in die Maschine ein und startete den Brühvorgang.
„Wir wollen Roboter bauen, die Menschen von der Wäsche, vom Abwasch, von allen Hausarbeiten befreien“, erklärte Tony Zhao, Mitbegründer und CEO von Sunday Robotics. Solche Aufgaben sind für Maschinen eine enorme Herausforderung, da sie die Fähigkeit erfordern, Objekte zu erkennen, sicher zu greifen und korrekt zu verwenden – und das in einer unordentlichen, sich ständig verändernden Umgebung wie einer echten Küche.
Mehr als nur Kaffee kochen
Eine weitere gezeigte Fähigkeit war das Abräumen eines Tisches. Memo sammelte Gläser ein und räumte sie in den Geschirrspüler. Besonders beeindruckend war die Fähigkeit, zwei Gläser gleichzeitig mit einer Hand zu greifen – eine komplexe Bewegung, die ein hohes Maß an Geschicklichkeit erfordert.
Diese Fähigkeiten unterscheiden Memo von den meisten heutigen Robotern, die typischerweise für präzise, sich wiederholende Aufgaben in streng kontrollierten Umgebungen wie Fabrikhallen konzipiert sind. Ein Roboter für den Haushalt muss jedoch improvisieren und mit unvorhergesehenen Situationen umgehen können.
Die Herausforderung des realen Zuhauses
Im Gegensatz zu Industrieumgebungen sind Haushalte unstrukturiert und chaotisch. Ein Roboter muss hier nicht nur mit verschiedenen Objekten, sondern auch mit Haustieren, Kindern und unerwarteten Hindernissen zurechtkommen. Dies stellt extreme Anforderungen an die Sensorik, die künstliche Intelligenz und die mechanische Geschicklichkeit des Systems.
Der Mensch als Lehrmeister
Die entscheidende Innovation von Sunday Robotics liegt in der Art und Weise, wie Memo trainiert wird. Anstatt den Roboter direkt fernzusteuern, was oft ungenau ist, setzt das Unternehmen auf einen anderen Ansatz. Mitarbeiter führen Haushaltsaufgaben aus, während sie spezielle Handschuhe tragen, die die Bewegungen ihrer Hände präzise erfassen.
Diese Handschuhe kosten etwa 400 US-Dollar pro Paar und liefern detaillierte Daten, die in ein KI-Modell eingespeist werden. Dieses Modell lernt so, die Sensordaten des Roboters zu interpretieren und seine Bewegungen menschenähnlich zu steuern. „Dies ist eine sehr spannende Variante von Heimrobotern“, kommentierte Ken Goldberg, ein Robotik-Experte an der UC Berkeley. „Es ist ein schönes Design und eine viel intelligentere Art der Datenerfassung.“
„Wenn man an die leistungsfähigsten KIs denkt, wie ChatGPT oder Bildgenerierungsmodelle, dann wurden sie mit dem gesamten Internet trainiert. Wir haben nur kein Internet für die Robotik.“
Die Gründer, Tony Zhao und Cheng Chi, haben beide bereits an renommierten Universitäten wie Stanford an Projekten gearbeitet, die die Grundlage für diese Technologie legten. Ihr Ziel ist es, eine riesige Datenbasis an menschlichen Bewegungen zu schaffen, um eine allgemeinere Form von Roboterintelligenz zu entwickeln.
Ein Markt voller Optimismus
Sunday Robotics ist nicht das einzige Unternehmen, das an der Verwirklichung des Haushaltsroboters arbeitet. Start-ups wie Physical Intelligence, Skild und Generalist verfolgen ähnliche Ziele. Auch das Unternehmen 1x hat bereits einen humanoiden Roboter vorgestellt. Der wachsende Optimismus in der Branche wird durch Fortschritte bei großen Sprachmodellen (LLMs) befeuert, die Robotern helfen, Befehle zu verstehen und ihre Umgebung zu interpretieren.
Starke Unterstützung aus der Tech-Branche
Das Team von Sunday Robotics besteht aus erfahrenen Mitarbeitern von Unternehmen wie Tesla und Google DeepMind. Die Finanzierung wird von bekannten Risikokapitalgebern wie Benchmark und Conviction sichergestellt, was das Vertrauen des Marktes in den Ansatz des Unternehmens unterstreicht.
Eric Vishria, Partner bei Benchmark, betonte, dass es bei der Zukunft der Robotik nicht um Show-Effekte wie Saltos gehe, sondern um praktische Nützlichkeit. „Das Versprechen der KI-Robotik sind nicht tanzende Demos, sondern Roboter, die in unordentlichen, realen Situationen funktionieren“, so Vishria.
Der Weg in die Haushalte
Für das kommende Jahr plant Sunday Robotics ein Beta-Programm, bei dem Memo in ausgewählten Haushalten getestet wird. Diese Testphase wird entscheidend sein, um zu sehen, wie zuverlässig der Roboter unter Alltagsbedingungen arbeitet. Die zentrale Frage ist, wie gut er mit der Unordnung, den Haustieren und den unvorhersehbaren Ereignissen eines echten Zuhauses zurechtkommt.
Zhao vergleicht die Einführung von Memo mit den Anfängen des Heimcomputers. Die ersten Nutzer werden wahrscheinlich Technik-Enthusiasten sein, die bereit sind, kleinere Mängel in Kauf zu nehmen, um Teil der Zukunft zu sein. Langfristig sollen die Nutzer ihren Robotern sogar selbst neue Aufgaben beibringen können.
„Ich glaube fest daran, dass Menschen in der Lage sein sollten, ihre eigenen Roboter zu unterrichten“, sagte Zhao. Auch wenn der Weg zu einem perfekten Haushaltshelfer noch weit ist, markiert die Entwicklung von Memo einen wichtigen Schritt in eine Zukunft, in der Roboter tatsächlich zu einem festen Bestandteil unseres täglichen Lebens werden könnten.





