Apple bereitet eine umfassende Aktualisierung für den Nachrichtenaustausch zwischen iPhones und Android-Geräten vor. Ein kommendes iOS-Update soll den RCS-Standard (Rich Communication Services) um Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und zahlreiche neue Funktionen erweitern, die bisher iMessage-Nutzern vorbehalten waren.
Diese Verbesserung wird die Kommunikation zwischen den beiden größten mobilen Betriebssystemen sicherer und funktioneller gestalten und eine Lücke schließen, die seit Jahren für umständliche Workarounds sorgt.
Die wichtigsten Punkte
- Apple plant die Einführung von Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für RCS-Nachrichten auf dem iPhone.
- Zukünftige Updates werden Funktionen wie das Bearbeiten und Zurückrufen von Nachrichten sowie verbesserte Reaktionen ermöglichen.
- Die Aktualisierung soll die funktionale Kluft zwischen Apples iMessage und der Kommunikation mit Android-Nutzern deutlich verringern.
- Hinweise in aktuellen Beta-Versionen deuten auf eine baldige Veröffentlichung der neuen Funktionen hin.
Der aktuelle Stand von RCS auf dem iPhone
Mit der Einführung von iOS 18 hat Apple erstmals den RCS-Standard in seine Nachrichten-App integriert. Dieser Schritt wurde lange erwartet und verbesserte die Kommunikation mit Android-Nutzern bereits grundlegend. Die anfängliche Implementierung war jedoch eine Basisversion, die auf dem älteren Protokoll 2.4 basierte.
Dadurch erhielten iPhone-Nutzer zwar wesentliche Vorteile wie Lesebestätigungen, die Anzeige von Schreibindikatoren und den Versand von Fotos und Videos in höherer Qualität. Wichtige moderne Messaging-Funktionen, allen voran die Sicherheit durch Verschlüsselung, fehlten jedoch vollständig.
Was ist RCS?
RCS steht für Rich Communication Services und gilt als Nachfolger des veralteten SMS- und MMS-Standards. Es ermöglicht moderne Chat-Funktionen wie Gruppenchats, Lesebestätigungen und den Versand hochauflösender Medien über mobile Daten oder WLAN, ähnlich wie bei Messengern wie WhatsApp oder iMessage.
Diese Basis-Implementierung war nur der erste Schritt. Apple hatte bereits im vergangenen Jahr signalisiert, dass weitere Verbesserungen folgen würden, um den Standard vollständig zu unterstützen.
Sicherheit im Fokus: Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
Die wichtigste bevorstehende Neuerung ist die Einführung der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (E2EE). Diese Sicherheitstechnologie stellt sicher, dass nur der Sender und der Empfänger einer Nachricht deren Inhalt lesen können – nicht einmal die Mobilfunkanbieter oder Apple selbst haben Zugriff darauf. Während iMessage diese Art der Verschlüsselung von Anfang an bot, war die Kommunikation via RCS bisher ungeschützt.
Apple bestätigte bereits im März seine Absicht, E2EE für RCS zu unterstützen, nachdem der Standard offiziell in der Version 3.0 des Universal Profile verankert wurde.
„Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist eine leistungsstarke Technologie für Datenschutz und Sicherheit, die iMessage von Anfang an unterstützt hat. Wir freuen uns, nun branchenübergreifende Bemühungen angeführt zu haben, um die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in das von der GSMA veröffentlichte RCS Universal Profile zu bringen.“
Diese Aussage unterstreicht das Engagement des Unternehmens, die Privatsphäre der Nutzer auch bei der plattformübergreifenden Kommunikation zu gewährleisten. Die Verschlüsselung wird nicht nur für iOS, sondern auch für iPadOS, macOS und watchOS eingeführt.
Mehr als nur Sicherheit: Neue Chat-Funktionen kommen
Neben der Verschlüsselung bringt das Upgrade auf neuere RCS-Versionen eine Reihe von Komfortfunktionen, die das Chat-Erlebnis zwischen iPhone und Android auf ein neues Level heben werden. Bisher mussten Nutzer auf umständliche Alternativen ausweichen, um grundlegende Interaktionen durchzuführen.
Geplante Funktionserweiterungen
Mit dem Update auf RCS Version 2.7 und höher werden iPhone-Nutzer in Chats mit Android-Kontakten voraussichtlich folgende Möglichkeiten erhalten:
- Nachrichten bearbeiten: Bereits gesendete Nachrichten können nachträglich korrigiert werden.
- Nachrichten zurückrufen: Falsch gesendete Nachrichten lassen sich für alle Teilnehmer löschen.
- Direkte Antworten: Auf einzelne Nachrichten kann direkt geantwortet werden (In-Line Replies), was die Übersicht in Gruppenchats verbessert.
- Echte Emoji-Reaktionen: Anstatt einer Text-Fallback-Nachricht wie „Benutzer hat X auf eine Nachricht reagiert“ werden Emojis direkt an der Nachricht angezeigt.
- Benutzerdefinierte Reaktionen: Die Auswahl an möglichen Reaktionen wird erweitert.
Diese Funktionen sind entscheidend, um die Benutzererfahrung an die von modernen Messengern wie iMessage oder WhatsApp anzugleichen. Insbesondere die Möglichkeit, Nachrichten zu bearbeiten und zurückzurufen, wird von vielen Nutzern sehnlichst erwartet.
Wann kommt das große Update?
Obwohl Apple noch keinen offiziellen Zeitplan veröffentlicht hat, gibt es deutliche Anzeichen für eine baldige Implementierung. Kürzlich wurden in Beta-Versionen von iOS 18.3 spezielle Konfigurationsdateien für Mobilfunkanbieter in Frankreich entdeckt. Diese sogenannten „Carrier Bundles“ deuten darauf hin, dass einige Anbieter die Möglichkeit erhalten, die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für RCS standardmäßig zu aktivieren.
Solche technischen Vorbereitungen sind oft ein Vorbote für die Einführung neuer Funktionen in einer der nächsten Software-Versionen. Branchenbeobachter spekulieren daher, dass die vollständige RCS-Integration mit allen genannten Verbesserungen bereits mit einem der kommenden Updates, möglicherweise iOS 18.4, ausgerollt werden könnte.
Die Einführung dieser Funktionen wird einen der größten Reibungspunkte in der mobilen Kommunikation beseitigen und die Interaktion zwischen den beiden dominanten Smartphone-Plattformen nahtloser und sicherer machen als je zuvor.





