Google hat eine neue Funktion für seine künstliche Intelligenz Gemini eingeführt, die es dem System ermöglicht, auf persönliche Daten aus anderen Google-Diensten zuzugreifen. Mit der Funktion „Personal Intelligence“ kann die KI nun Informationen aus Gmail, Google Fotos, dem Suchverlauf und dem YouTube-Verlauf abrufen, um personalisierte Antworten und Empfehlungen zu liefern.
Diese neue Fähigkeit soll die Interaktion mit der KI deutlich individueller gestalten. Die Funktion ist zunächst nur für Abonnenten von Google AI Pro und Ultra in den USA verfügbar und muss von den Nutzern aktiv eingeschaltet werden, da sie standardmäßig deaktiviert ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Google führt die Funktion „Personal Intelligence“ für seine KI Gemini ein.
- Die KI kann auf Daten aus Gmail, Google Fotos, dem Such- und YouTube-Verlauf zugreifen.
- Die Funktion ist optional (Opt-in) und zunächst nur für zahlende Abonnenten in den USA verfügbar.
- Nutzer behalten die Kontrolle darüber, welche Datenquellen genutzt werden dürfen.
Was ist Personal Intelligence?
Die neue Funktion „Personal Intelligence“ stellt einen bedeutenden Schritt in der Entwicklung personalisierter KI-Assistenten dar. Anstatt nur auf allgemeine Informationen aus dem Internet zuzugreifen, kann Gemini nun den persönlichen Kontext eines Nutzers verstehen und nutzen. Dies geschieht durch die Verknüpfung mit dem gesamten Google-Ökosystem des Anwenders.
Wenn ein Nutzer beispielsweise eine Frage zu einem bevorstehenden Flug stellt, könnte Gemini die relevanten Informationen direkt aus einer Bestätigungs-E-Mail in Gmail abrufen. Fragt man nach Fotos von einem bestimmten Urlaub, kann die KI die Google-Fotos-Bibliothek durchsuchen, ohne dass der Nutzer die App wechseln muss.
Die Integration erstreckt sich auch auf den Such- und YouTube-Verlauf, was es Gemini ermöglicht, Empfehlungen basierend auf früheren Interessen und Aktivitäten zu geben. Dieser Grad der Personalisierung soll die Nützlichkeit der KI im Alltag erheblich steigern.
Kontrolle und Datenschutz im Fokus
Google betont, dass der Schutz der Privatsphäre bei der Entwicklung dieser Funktion eine zentrale Rolle gespielt hat. Aus diesem Grund ist „Personal Intelligence“ standardmäßig ausgeschaltet. Nutzer müssen die Funktion bewusst aktivieren und können detailliert festlegen, auf welche Apps Gemini zugreifen darf.
In Zukunft soll es sogar möglich sein, die Personalisierung für einzelne Chats zu aktivieren oder zu deaktivieren. Dies gibt den Nutzern eine granulare Kontrolle darüber, wann und wie ihre persönlichen Daten verwendet werden.
Wie werden die Daten verwendet?
Laut Google werden die persönlichen Daten wie E-Mails und Fotos nicht direkt zum Training der KI-Modelle verwendet. Stattdessen lernt das System aus den Eingabeaufforderungen (Prompts) der Nutzer und den darauf generierten Antworten. Nutzer haben zudem die Möglichkeit, ihre Chat-Verläufe zu löschen.
Diese Trennung ist ein wichtiger Aspekt, um Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes zu begegnen. Die eigentlichen Inhalte der persönlichen Dateien bleiben privat und fließen nicht in die allgemeinen Wissensdatenbanken der KI ein. Dennoch werden die Interaktionen selbst zur Verbesserung des Dienstes analysiert.
Mögliche Fehlerquellen
Das Unternehmen räumt ein, dass die neue Funktion noch nicht fehlerfrei ist. Es kann zu einer sogenannten „Über-Personalisierung“ kommen, bei der die KI fälschlicherweise Verbindungen zwischen nicht zusammenhängenden Informationen herstellt. Sollte eine Antwort zu stark personalisiert ausfallen, können Nutzer Gemini anweisen, es ohne den persönlichen Kontext erneut zu versuchen.
Verfügbarkeit und zukünftige Pläne
Die Einführung von „Personal Intelligence“ erfolgt schrittweise. Zunächst steht die Funktion ausschließlich für persönliche Google-Konten zur Verfügung, die ein kostenpflichtiges Abonnement für Google AI Pro oder Ultra abgeschlossen haben. Die geografische Beschränkung liegt vorerst bei den Vereinigten Staaten.
Die Funktion ist über die Gemini-App auf verschiedenen Plattformen nutzbar:
- Im Webbrowser
- Auf Android-Geräten
- Auf iOS-Geräten
Google plant, die Verfügbarkeit in Zukunft auszuweiten. Es ist vorgesehen, die Funktion bald auch in den KI-Modus der Google-Suche zu integrieren. Längerfristig soll „Personal Intelligence“ auch in weiteren Ländern und für Nutzer des kostenlosen Gemini-Tiers verfügbar gemacht werden. Ein genauer Zeitplan hierfür wurde jedoch noch nicht bekannt gegeben.
Gemini als zentraler Baustein der Google-Strategie
Die Integration von Gemini in das gesamte Produktportfolio ist ein zentraler Bestandteil von Googles aktueller KI-Strategie. Die Technologie findet sich bereits in Gmail, auf Fernsehern und im Chrome-Browser für Mobilgeräte. Erst kürzlich kündigte Apple eine mehrjährige Zusammenarbeit an, bei der die KI-Funktionen von Siri durch Gemini unterstützt werden sollen.
Trotz der rasanten Fortschritte bleibt künstliche Intelligenz ein fehleranfälliges Werkzeug. In der Vergangenheit gab es bei Googles KI bereits mehrere öffentlichkeitswirksame Pannen, wie das Erfinden von Redewendungen oder die fehlerhafte Generierung von historischen Bildern. Solche Vorfälle zeigen, dass die Technologie weiterhin sorgfältig überwacht und verbessert werden muss.
Die Zukunft der personalisierten KI
Die Einführung von „Personal Intelligence“ markiert einen Wendepunkt für KI-Assistenten. Während frühere Modelle hauptsächlich als intelligente Suchmaschinen fungierten, entwickelt sich Gemini nun zu einem persönlichen Assistenten, der den individuellen Kontext des Nutzers versteht und proaktiv unterstützen kann.
„Die Fähigkeit, Kontext aus dem gesamten Google-Ökosystem zu ziehen, soll Gemini zu einem wirklich persönlichen Werkzeug machen“, so ein Vertreter des Unternehmens.
Diese Entwicklung wirft jedoch auch wichtige Fragen auf. Die Bequemlichkeit einer tief integrierten KI muss gegen die potenziellen Risiken für die Privatsphäre abgewogen werden. Der Erfolg solcher Funktionen wird maßgeblich davon abhängen, ob es Unternehmen wie Google gelingt, das Vertrauen der Nutzer durch transparente Kontrollen und robuste Sicherheitsmaßnahmen zu gewinnen und aufrechtzuerhalten.
Die kommenden Monate werden zeigen, wie die Nutzer die neue Funktion annehmen und welche neuen Anwendungsmöglichkeiten sich durch diese tiefe Integration ergeben. Für Google ist es ein weiterer Schritt, um die eigene KI im Wettbewerb mit anderen Anbietern als unverzichtbaren Alltagshelfer zu positionieren.





