Das dezentrale soziale Netzwerk Bluesky hat eine neue Funktion für private Kommunikation eingeführt. Durch die Integration des Dienstes „Germ DM“ können Nutzer nun erstmals Ende-zu-Ende-verschlüsselte Direktnachrichten direkt über die Plattform versenden. Diese Entwicklung markiert einen wichtigen Schritt für die Privatsphäre der Nutzer und zeigt die Flexibilität offener sozialer Protokolle.
Das Wichtigste in Kürze
- Bluesky integriert den externen Dienst Germ DM für Ende-zu-Ende-verschlüsselte Nachrichten.
- Die Funktion wird über ein Abzeichen im Nutzerprofil aktiviert und nutzt iOS App Clips für den schnellen Zugriff.
- Die Technologie basiert auf dem neuen MLS-Standard und dem AT-Protokoll, ohne dass eine Telefonnummer erforderlich ist.
- Dieser Schritt verdeutlicht die Vorteile offener Ökosysteme gegenüber geschlossenen Plattformen von Big-Tech-Unternehmen.
Eine neue Ära der privaten Kommunikation
Nutzer des sozialen Netzwerks Bluesky haben nun die Möglichkeit, ihre private Kommunikation abzusichern. Eine Partnerschaft mit dem Startup Germ Network ermöglicht die Integration eines privaten Messengers, der auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (E2EE) setzt. Damit ist Germ DM der erste Dienst seiner Art, der nativ in die Bluesky-App eingebunden werden kann.
Die Ankündigung der Integration hatte unmittelbare Auswirkungen. Das Team von Germ Network berichtete, dass die Zahl der täglich aktiven Nutzer nach der offiziellen Bekanntgabe um das Fünffache gestiegen ist. Dies deutet auf eine hohe Nachfrage nach sicheren Kommunikationskanälen innerhalb der Community hin.
Was ist das AT-Protokoll?
Das AT-Protokoll (Authenticated Transfer Protocol) ist die technologische Grundlage von Bluesky. Es handelt sich um ein dezentrales Protokoll für soziale Netzwerke, das es Entwicklern ermöglicht, eigene Anwendungen und Dienste zu erstellen, die miteinander interagieren können. Diese Offenheit unterscheidet es von den geschlossenen Systemen traditioneller sozialer Medien.
So funktioniert der verschlüsselte Chat
Die Nutzung der neuen Funktion ist unkompliziert gestaltet. Nutzer, die den Dienst einrichten, erhalten ein spezielles Abzeichen auf ihrem Bluesky-Profil. Ein Klick auf dieses Abzeichen bei einem Freund öffnet einen sogenannten iOS App Clip – eine Art Mini-Anwendung, die nicht dauerhaft installiert werden muss.
Anschließend authentifiziert sich der Nutzer mit seinem AT-Protokoll-Handle und kann sofort eine verschlüsselte Nachricht senden. Eine Telefonnummer wird nicht benötigt. Wer das Abzeichen seinem eigenen Profil hinzufügen möchte, muss die vollständige Germ-DM-App aus dem App Store herunterladen und sich dort mit seinen Bluesky-Daten anmelden.
Schritt für Schritt zur sicheren Nachricht:
- Die Germ-DM-App auf iOS herunterladen.
- Sich mit den eigenen Bluesky-Anmeldedaten authentifizieren.
- Das Germ-Abzeichen erscheint automatisch auf dem Bluesky-Profil.
- Freunde können nun auf das Abzeichen klicken, um eine verschlüsselte Konversation zu starten.
Die eigenständige App von Germ ist derzeit als öffentliche Beta-Version für iOS in Nordamerika und Europa verfügbar und verzeichnete bereits vor der offiziellen Integration Tausende von Downloads.
Die Technologie hinter der Sicherheit
Germ Network wurde von Tessa Brown, einer Kommunikationswissenschaftlerin, und Mark Xue, einem ehemaligen Datenschutz-Ingenieur bei Apple, gegründet. Ihr Ziel war es, eine Alternative zu etablierten verschlüsselten Messengern wie Signal oder WhatsApp zu schaffen, die auf modernen Technologien basiert.
Der Dienst nutzt zwei Kerntechnologien: Messaging Layer Security (MLS), einen neuen Verschlüsselungsstandard der Internet Engineering Task Force (IETF), und das bereits erwähnte AT-Protokoll. Durch diese Kombination können die Nachrichten von keinem Drittanbieter, einschließlich Bluesky oder Germ selbst, entschlüsselt werden.
Die Entscheidung, die Verschlüsselung über einen Drittanbieter zu realisieren, war bewusst. Laut Daniel Holms, einem Protokoll-Ingenieur bei Bluesky, ist die Implementierung von E2EE „schwierig“ und würde die Komplexität für alle Entwickler im Ökosystem erheblich erhöhen.
„Wir stimmen mit dem Ethos des AT-Protokolls überein, dass Menschen mit den Apps und Werkzeugen kommunizieren können sollten, die sie wählen. Wir glauben, dass die Nutzer uns weiterhin wählen werden, wenn wir die schwierigen Probleme für sie auf sichere, transparente und benutzerfreundliche Weise lösen“, erklärte Mark Xue, CTO von Germ Network.
Ein offenes Ökosystem als Stärke
Die Integration von Germ DM ist ein Paradebeispiel für die Funktionsweise offener sozialer Netzwerke. Anstatt darauf zu warten, dass der Plattformbetreiber selbst eine Funktion entwickelt, kann die Community neue Funktionalitäten schaffen und einbinden. Dies fördert Innovation und Vielfalt.
Die Zusammenarbeit zwischen Germ und Bluesky begann nach der ATmosphere-Konferenz im vergangenen Jahr in Seattle. „Direkt mit dem Bluesky-Team zu arbeiten, war ein Vergnügen“, sagte Tessa Brown, CEO von Germ. „Sie liefern schnell, priorisieren die Benutzererfahrung und kümmern sich um den Zugang ihrer Nutzer zu Ende-zu-Ende-verschlüsselter Nachrichtenübermittlung.“
Die Offenheit des Systems zeigt sich auch darin, dass kurz nach der Ankündigung bereits ein anderer auf dem AT-Protokoll basierender Client, Blacksky, ebenfalls Unterstützung für das Germ-Abzeichen hinzugefügt hat.
Zukunftspläne und Monetarisierung
Aktuell konzentriert sich das Team von Germ darauf, weitere alltägliche Messaging-Funktionen zu implementieren. Die Monetarisierung steht vorerst nicht im Vordergrund.
Für die Zukunft zieht das Unternehmen jedoch kostenpflichtige Funktionen in Betracht. Diese sollen sich vor allem an professionelle Nutzer richten. „Wir gehen davon aus, dass sich unsere ersten kostenpflichtigen Funktionen auf die Bedürfnisse von Power-Usern wie Kreativen, Journalisten und Politikern konzentrieren werden – zum Beispiel die Unterstützung mehrerer Handles oder eine private, KI-gestützte Überprüfung von Erstanfragen“, so Brown.





