Ein neues Videospiel namens „Relooted“ versetzt Spieler in die Rolle von Meisterdieben, die eine besondere Mission verfolgen: die Rückholung geraubter afrikanischer Kulturschätze aus westlichen Museen. Das vom südafrikanischen Studio Nyamakop entwickelte Spiel kombiniert Action-Gameplay mit einer tiefgreifenden Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte und der aktuellen Debatte um die Restitution von Kunstwerken.
Ein futuristisches Szenario mit realem Hintergrund
Die Handlung von „Relooted“ spielt im Jahr 2099. Ein fiktiver internationaler Vertrag zur Rückgabe von Kulturgütern, der Transatlantic Returns Treaty, scheitert an der mangelnden Kooperation westlicher Institutionen. Museen beginnen, wertvolle Artefakte in ihren Depots zu verstecken, um sie nicht zurückgeben zu müssen.
Angesichts dieser Entwicklung beschließt die südafrikanische Artefaktenexpertin Professor Grace, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Sie stellt ein Team zusammen, angeführt von ihrer Enkelin Nomali, einer talentierten Parkour-Läuferin. Gemeinsam mit ihrem Bruder Trevor, einem Sicherheitsexperten, und weiteren Spezialisten aus ganz Afrika planen sie gewagte Raubzüge in Museen und Privatsammlungen.
Wichtige Aspekte von Relooted
- Gewaltfreies Gameplay: Spieler nutzen Parkour, Rätsel und Teamwork statt Gewalt.
- Echte Artefakte: Das Spiel basiert auf realen Kulturgütern, die aus Afrika entwendet wurden.
- Panafrikanische Entwicklung: Das Team hinter dem Spiel stammt aus verschiedenen afrikanischen Ländern.
- Bildungsanspruch: Das Spiel will Bewusstsein für die Geschichte und Bedeutung der Artefakte schaffen.
Mehr als nur ein Spiel: Eine Form des Protests
Im Gegensatz zu typischen Heist-Geschichten geht es den Charakteren in „Relooted“ nicht um Geld. Ihre Motivation ist die Wiederherstellung kultureller Gerechtigkeit. Mohale Mashigo, die narrative Direktorin des Spiels, erklärt die Beweggründe der Hauptfigur: „Nomali stimmt dem ersten Raubzug widerwillig zu, um zu beweisen, wie gefährlich das Ganze ist.“ Ihre Loyalität zur Familie treibt sie an, sie bei dieser riskanten Mission zu schützen.
Das Gameplay spiegelt diese Haltung wider. Anstatt auf Gewalt zu setzen, müssen die Spieler ihre Umgebung nutzen, Hindernisse überwinden und Sicherheitssysteme austricksen. Nomalis Parkour-Fähigkeiten stehen im Mittelpunkt, während ihr Team sie mit technischem Know-how und logistischer Planung unterstützt. Zu diesem Team gehören unter anderem eine Akrobatin aus Kamerun, ein Hacker aus Kenia und ein Gadget-Spezialist aus dem Kongo.
Die Inspiration hinter dem Spiel
Die Idee zu „Relooted“ kam dem CEO von Nyamakop, Ben Myres, nach einem Besuch seiner Mutter im British Museum in London. Sie war schockiert über die Dreistigkeit, mit der ein antikes Grabmal aus der Türkei, das Nereidenmonument, Stein für Stein abgetragen und nach London gebracht wurde. Ihre beiläufige Bemerkung, man solle daraus ein Spiel machen, wurde zur Grundlage für „Relooted“.
Virtuelle Rückkehr realer Schätze
Ein zentrales Element des Spiels ist die detailgetreue Nachbildung von tatsächlich existierenden und umstrittenen Artefakten. Die Spieler haben die Aufgabe, 70 verschiedene Objekte zu bergen, die eine immense kulturelle und historische Bedeutung haben.
Zu den prominentesten Beispielen gehören:
- Der Kabwe 1 (Broken Hill Man): Ein etwa 300.000 Jahre alter Schädel, der als einer der wichtigsten menschlichen Fossilienfunde gilt. Er wurde 1921 im heutigen Sambia entdeckt und befindet sich seitdem im Natural History Museum in London.
- Die Asante-Goldmaske: Dieses wertvolle Stück wurde 1874 von britischen Truppen aus dem königlichen Palast in Kumasi (heutiges Ghana) geplündert und ist heute Teil der Wallace Collection in London.
- Die Ngwi Ndem (Bangwa-Königin): Eine heilige Holzskulptur aus Kamerun, die 1899 entfernt wurde. Für das Volk der Lebang ist sie keine reine Kunst, sondern eine heilige Figur, die Ahnen repräsentiert und für Fruchtbarkeit und Schutz steht. Sie befindet sich heute in der Dapper Foundation in Frankreich.
Ein langer Kampf um Rückgabe
Die Forderungen nach der Rückgabe afrikanischer Kulturgüter sind nicht neu. Bereits in den 1930er Jahren forderte der damalige Monarch des nigerianischen Königreichs Benin, Oba Akenzua II., die Rückgabe der berühmten Benin-Bronzen. Obwohl es in den letzten Jahren einige Fortschritte gab, bleibt die Restitution ein langsamer und mühsamer Prozess.
Ein Spiel mit globaler Reichweite und Botschaft
Obwohl „Relooted“ von einem afrikanischen Studio entwickelt wurde, richtet es sich an ein globales Publikum. Da das Spiel für PC und Konsolen konzipiert ist, zielt es vor allem auf Spieler außerhalb Afrikas, insbesondere auf die afrikanische Diaspora. In vielen afrikanischen Ländern ist Mobile-Gaming aufgrund der geringeren Kosten für Smartphones weitaus verbreiteter.
Sithe Ncube, die Projektmanagerin des Spiels, ist überzeugt, dass die Thematik eine breite Anziehungskraft hat. „Die Rückholung von geraubten Kulturgütern ist etwas, das sich viele Menschen erhoffen – und von dem sie fantasieren“, erklärte sie.
Ich bin ziemlich sicher, dass jeder, der das Spiel spielt, mit einer neuen Perspektive daraus hervorgehen wird.
Das Spiel dient nicht nur der Unterhaltung, sondern auch der Bildung. In einem speziellen Bereich des Spiels, dem „Hideout Room“, können die Spieler mehr über die Geschichte, die Symbolik und die Herkunftsgemeinschaften der einzelnen Artefakte erfahren. Dieser Raum ist dem realen Northcliff Water Tower nachempfunden, der einen Blick über Johannesburg bietet.
Ben Myres betont, dass „Relooted“ in erster Linie unterhaltsam sein soll. Gleichzeitig sieht er es als einen „Versuch, ein allgemeines Bewusstsein für die afrikanische Kultur, die afrikanische Geschichte und das Ausmaß dieses Raubes von Kulturgütern zu schaffen.“
Am Ende des Spiels werden die zurückeroberten Artefakte an einen realen Ort gebracht: das Museum der Schwarzen Zivilisationen in Dakar, Senegal. Dieser Ort dient als symbolischer Sammelpunkt, von dem aus die Schätze schließlich an die Völker zurückgegeben werden sollen, denen sie einst gestohlen wurden. Damit schließt das Spiel den Kreis von der virtuellen Fiktion zur realen Hoffnung auf kulturelle Wiedergutmachung.





