In Windows 11 wurde ein verborgener, nativer Treiber für NVMe-SSDs entdeckt, der die Systemleistung erheblich steigern kann. Durch eine manuelle Aktivierung berichten Nutzer von einer Zunahme der Schreibgeschwindigkeit um bis zu 85 Prozent. Diese Leistungssteigerung wird durch die Umgehung einer bisherigen technischen Einschränkung im Betriebssystem ermöglicht.
Die Aktivierung erfordert jedoch eine Änderung in der Windows-Registrierungsdatenbank, ein Vorgang, der mit Risiken verbunden ist und nur von erfahrenen Anwendern durchgeführt werden sollte. Bislang hat Microsoft diesen Treiber nicht standardmäßig für Verbraucherversionen von Windows 11 freigegeben.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein neuer, nativer NVMe-Treiber kann in Windows 11 manuell aktiviert werden.
- Tests zeigen eine Steigerung der zufälligen Schreibgeschwindigkeiten von SSDs um bis zu 85 Prozent.
- Die Aktivierung erfolgt über einen Eingriff in die Windows-Registry und birgt Risiken.
- Der Treiber stammt ursprünglich aus der Server-Version von Windows und ist noch nicht offiziell für alle Nutzer verfügbar.
Ein unerwarteter Fund mit großer Wirkung
Nutzer von Windows 11 haben eine Möglichkeit gefunden, die Leistung ihrer NVMe-SSDs deutlich zu verbessern. Der Schlüssel dazu liegt in einem nativen NVMe-Treiber, den Microsoft in einer Vorabversion von Windows Server 2025 integriert hat. Es stellte sich heraus, dass dieser Treiber auch in der aktuellen Verbraucherversion von Windows 11 vorhanden ist, aber standardmäßig deaktiviert bleibt.
Durch gezielte Anpassungen in der Windows-Registrierungsdatenbank, oft als Registry bezeichnet, lässt sich dieser Treiber jedoch zwingend aktivieren. Die Ergebnisse, die in Online-Foren und auf sozialen Netzwerken geteilt werden, sind beeindruckend und deuten auf ein bisher ungenutztes Potenzial moderner Speichermedien hin.
Der technische Hintergrund der Leistungssteigerung
Um die Bedeutung dieses neuen Treibers zu verstehen, muss man die bisherige Funktionsweise von NVMe-SSDs unter Windows 11 betrachten. Das Betriebssystem kommunizierte mit den schnellen Laufwerken über eine sogenannte SCSI-Übersetzungsschicht. Diese Schicht fungiert als eine Art Dolmetscher zwischen dem Betriebssystem und der Hardware.
Dieser zusätzliche Schritt kann jedoch zu einer Verlangsamung führen, da Befehle nicht direkt an die SSD gesendet werden. Der neu entdeckte native Treiber umgeht diese Übersetzungsschicht vollständig. Er ermöglicht eine direkte Kommunikation zwischen Windows und der NVMe-SSD, was die Effizienz steigert und Latenzen reduziert. Das Resultat ist eine spürbar schnellere Datenverarbeitung, insbesondere bei zufälligen Lese- und Schreibvorgängen.
Bis zu 85% schneller
Ein Nutzer berichtete von einer Leistungssteigerung der zufälligen Schreibgeschwindigkeit seiner Crucial T705 4-TB-SSD um 85 Prozent nach der Aktivierung des neuen Treibers. Solche Operationen sind entscheidend für die allgemeine Systemreaktion und das Starten von Programmen.
Konkrete Ergebnisse aus der Praxis
Die theoretischen Vorteile des nativen Treibers wurden durch Tests von Technik-Enthusiasten untermauert. Ein Nutzer, der unter dem Pseudonym „PurePlayerPC“ auf der Plattform X bekannt ist, testete die Änderung mit einer SK Hynix Platinum P41 2-TB-SSD. Seine Benchmark-Ergebnisse zeigten eine deutliche Verbesserung bei den zufälligen Lese- und Schreibgeschwindigkeiten.
Noch drastischere Ergebnisse meldete der Reddit-Nutzer „Cheetah2kkk“. Nach der Aktivierung des Treibers auf einer Crucial T705 4-TB-SSD in einem MSI Claw 8 AI+ Handheld-PC stiegen die zufälligen Schreibgeschwindigkeiten um beeindruckende 85 Prozent. Diese Werte zeigen, dass der Leistungsgewinn je nach verwendeter Hardware und dem spezifischen Laufwerk variieren kann.
„Die Verbesserung der zufälligen Schreib-Performance ist besonders bemerkenswert. Dies ist der Bereich, von dem das System am meisten profitiert“, kommentierte ein Nutzer die veröffentlichten Benchmark-Resultate.
Warnung: Ein Eingriff für Experten
Obwohl die Leistungsgewinne verlockend sind, ist die manuelle Aktivierung des Treibers nicht ohne Risiko. Der Prozess erfordert direkte Änderungen an der Windows-Registrierungsdatenbank. Ein falscher Eingriff in die Registry kann zu schwerwiegenden Systemproblemen führen, die im schlimmsten Fall eine Neuinstallation des Betriebssystems erforderlich machen.
Einige Nutzer, die den neuen Treiber aktivierten, berichteten von vorübergehenden Problemen, wie dem Verlust des Zugriffs auf das Dateisystem ihres Laufwerks. Glücklicherweise konnten diese Probleme durch das Rückgängigmachen der Änderungen in der Registry behoben werden. Dennoch unterstreicht dies die potenziellen Gefahren.
Was ist die Windows-Registry?
Die Windows-Registrierungsdatenbank (Registry) ist eine zentrale, hierarchische Datenbank, in der Windows Konfigurationsinformationen und Einstellungen für das Betriebssystem, Hardware, Software und Benutzerprofile speichert. Änderungen an dieser Datenbank sollten mit äußerster Vorsicht vorgenommen werden, da sie die Stabilität des gesamten Systems beeinflussen.
Es wird daher dringend empfohlen, dass nur technisch versierte Anwender mit Erfahrung in der Bearbeitung der Registry diesen Schritt wagen. Ein vollständiges System-Backup vor jeglichen Änderungen ist unerlässlich.
Ausblick: Wann kommt der Treiber für alle?
Derzeit gibt es keine offizielle Ankündigung von Microsoft, wann oder ob dieser native NVMe-Treiber standardmäßig in Windows 11 für alle Nutzer aktiviert wird. Die Tatsache, dass er bereits im System vorhanden ist, lässt jedoch vermuten, dass eine offizielle Implementierung in einem zukünftigen Update möglich ist.
Eine breite Einführung würde die Leistung von Millionen von PCs verbessern, ohne dass die Nutzer selbst riskante manuelle Eingriffe vornehmen müssten. Bis dahin bleibt die Aktivierung eine inoffizielle Methode für Enthusiasten, die bereit sind, das Risiko für einen deutlichen Leistungsschub einzugehen. Angesichts der fortschreitenden Entwicklung von Speichertechnologien wie PCIe 6.0 wäre ein optimierter Software-Unterbau ein logischer nächster Schritt für Microsoft.





