Smarte Brillen entwickeln sich rasant von Nischenprodukten zu alltagstauglichen Begleitern. Während einige Experten, darunter Meta-CEO Mark Zuckerberg, vorhersagen, dass diese Wearables in den nächsten zehn Jahren Smartphones ersetzen könnten, wächst der Markt mit Modellen, die von unauffälligen Alltagsbrillen bis hin zu leistungsstarken Displays für Arbeit und Unterhaltung reichen.
Die Technologie integriert Kameras, Mikrofone und teils sogar virtuelle Bildschirme direkt in unser Sichtfeld. Dies eröffnet neue Möglichkeiten für Kommunikation, Navigation und den Konsum von Medien, stellt aber auch neue Fragen an Design und gesellschaftliche Akzeptanz.
Der aktuelle Stand der Technik
Heutige smarte Brillen lassen sich grob in zwei Kategorien einteilen: Modelle, die wie herkömmliche Brillen aussehen und auf Audio- und Kamerafunktionen setzen, und solche, die mit integrierten Displays eine visuelle Erweiterung der Realität bieten. Beide Ansätze haben ihre eigenen Anwendungsfälle und Zielgruppen.
Der Fokus der Hersteller liegt zunehmend auf unauffälligem Design und langer Akkulaufzeit. Modelle wie die Ray-Ban Meta der zweiten Generation zeigen, dass sich leistungsstarke Technik in einem klassischen Look verstecken lässt, was die Hemmschwelle für den täglichen Gebrauch senkt.
Ray-Ban Meta: Stil trifft auf Funktion
Die zweite Generation der Ray-Ban Meta Brille legt den Schwerpunkt auf Ästhetik und einfache Bedienung. Sie sieht aus wie eine normale Brille, ist aber mit einer 12-Megapixel-Kamera, fünf Mikrofonen und Open-Ear-Lautsprechern ausgestattet. Nutzer können Fotos und Videos in 3K-Auflösung aufnehmen und per Sprachbefehl („Hey Meta“) Anrufe tätigen oder sich Informationen ansagen lassen.
Technische Daten im Überblick
- Kamera: 12 Megapixel
- Speicher: 32 GB
- Akkulaufzeit: Bis zu 8 Stunden (48 Stunden mit Ladecase)
- Besonderheit: IPX4-Wasserbeständigkeit gegen leichten Regen
Mit einer Akkulaufzeit von bis zu acht Stunden und einem Ladecase, das weitere 48 Stunden Energie liefert, ist die Brille für den ganztägigen Einsatz konzipiert. Der Preis liegt bei rund 379 US-Dollar.
Oakley Meta Vanguard für Sportler
Eine spezielle Variante für aktive Nutzer ist die Oakley Meta Vanguard. Sie basiert auf derselben Technologie wie die Ray-Ban Meta, ist aber für den Sporteinsatz optimiert. Das Design ist robuster, und die Bedienelemente sind so platziert, dass sie auch mit einem Helm problemlos erreichbar sind.
Ein besonderes Merkmal ist die verbesserte Wasser- und Staubbeständigkeit nach IP67, was bedeutet, dass die Brille sogar kurzzeitigem Untertauchen standhält. Das Mikrofonsystem wurde speziell zur Reduzierung von Windgeräuschen entwickelt, was bei Aktivitäten wie Radfahren von Vorteil ist. Die Akkulaufzeit beträgt hier bis zu neun Stunden. Dieses Modell kostet 499 US-Dollar.
Virtuelle Bildschirme für unterwegs
Eine andere Klasse von smarten Brillen konzentriert sich darauf, einen großen, virtuellen Bildschirm direkt vor die Augen des Nutzers zu projizieren. Diese Modelle sind ideal für das Ansehen von Filmen, für Videospiele oder als mobiler Zweitbildschirm für die Arbeit.
Was bedeutet 3DoF?
„Three Degrees of Freedom“ (3DoF) bedeutet, dass die Brille die Rotationsbewegungen des Kopfes (Nicken, Schütteln, Neigen) erfasst. Wenn der Nutzer den Kopf dreht, bleibt der virtuelle Bildschirm an seiner Position im Raum fixiert, anstatt sich mitzubewegen. Dies schafft ein stabileres und immersiveres Seherlebnis.
Diese Geräte werden oft per USB-C-Kabel mit Smartphones, Laptops oder Spielekonsolen verbunden und spiegeln deren Inhalte. Die Qualität der verbauten Displays ist hier das entscheidende Kriterium.
Viture Luma Pro: Das mobile Kino
Die Viture Luma Pro gilt als eine der Brillen mit der besten Bildqualität auf dem Markt. Sie nutzt Micro-OLED-Panels von Sony, um ein 1200p-Bild auf eine virtuelle Leinwand von 152 Zoll zu projizieren. Mit einer Bildwiederholfrequenz von 120 Hz und einer wahrgenommenen Helligkeit von bis zu 1.000 Nits ist das Bild auch in helleren Umgebungen klar erkennbar.
„Die Möglichkeit, einen riesigen Bildschirm überallhin mitzunehmen, verändert die Art und Weise, wie wir unterwegs spielen und arbeiten.“
Ein praktisches Feature ist die eingebaute Unterstützung für Kurzsichtigkeit bis zu -4,0 Dioptrien, wodurch viele Nutzer keine zusätzlichen Korrekturgläser benötigen. Obwohl sie etwas klobiger ist als eine normale Brille, ist sie für den mobilen Einsatz als Display-Ersatz konzipiert. Der Preis liegt bei 499 US-Dollar.
Xreal One Pro: Premium-Erlebnis mit Raumverankerung
Für anspruchsvolle Nutzer gibt es die Xreal One Pro für 649 US-Dollar. Sie bietet einen virtuellen Bildschirm von bis zu 171 Zoll bei 1080p-Auflösung und 120 Hz. Die Besonderheit hier ist die 3DoF-Technologie, die den virtuellen Bildschirm im Raum verankert, wenn man den Kopf bewegt.
Die Helligkeit von 700 Nits und die integrierten Lautsprecher von Bose sorgen für ein hochwertiges Multimedia-Erlebnis. Über Tasten an der Brille lassen sich Bildschirmgröße, Abstand und Farbtemperatur schnell anpassen.
RayNeo Air 3s: Der günstige Einstieg
Wer die Technologie erst einmal ausprobieren möchte, findet mit der RayNeo Air 3s eine preiswerte Alternative. Für rund 269 US-Dollar bietet sie einen virtuellen 201-Zoll-Bildschirm mit 1080p-Auflösung und 120 Hz. Im Vergleich zu den teureren Modellen ist das Sichtfeld mit 46 Grad etwas kleiner, und es fehlt die 3DoF-Kopferfassung.
Trotzdem eignet sie sich gut für das Ansehen von Filmen auf Reisen oder für leichtes Gaming. Der Hersteller legt zudem Wert auf Augenschutz durch Technologien zur Reduzierung von Blaulicht und Bildschirmflimmern.
Ein Blick in die Zukunft
Der Markt für smarte Brillen steht erst am Anfang, und große Technologieunternehmen arbeiten bereits an der nächsten Generation von Geräten. Die kommenden Jahre versprechen spannende Entwicklungen, die die Grenzen zwischen physischer und digitaler Welt weiter verschwimmen lassen.
Zukünftige Entwicklungen
- Project Aura (Google & Xreal): Eine Brille mit Android XR, die ein erweitertes Sichtfeld von 70 Grad bietet und als Arbeits- oder Unterhaltungsgerät dienen soll. Geplanter Start ist nächstes Jahr.
- Snap Specs: Snap plant für 2026 eine leichtere und dezentere Version seiner AR-Brille für Endverbraucher, die viele der KI- und Augmented-Reality-Funktionen der Entwicklerversion übernehmen soll.
- Apple AI Smart Glasses: Berichten zufolge verlagert Apple seinen Fokus von der Vision Pro auf die Entwicklung einer leichteren KI-Brille, die direkt mit den Produkten von Meta konkurrieren soll. Eine Veröffentlichung wird ebenfalls für 2026 erwartet.
Die Vision ist klar: Smarte Brillen sollen unauffälliger, leistungsfähiger und stärker in unseren Alltag integriert werden. Ob sie das Smartphone tatsächlich ersetzen können, wird davon abhängen, wie gut es den Herstellern gelingt, überzeugende Anwendungsfälle zu schaffen und gleichzeitig soziale und datenschutzrechtliche Bedenken auszuräumen.





