Electronic Arts hat die Server für den Online-Shooter Anthem am 12. Januar 2026 endgültig abgeschaltet. Das von BioWare entwickelte Spiel ist damit nach knapp sieben Jahren nicht mehr spielbar. Die Community nimmt in den sozialen Medien emotional Abschied von einer Welt, die für ihr Potenzial geliebt und für ihre ungenutzten Chancen kritisiert wurde.
Die Abschaltung markiert das Ende eines der ambitioniertesten, aber auch umstrittensten Projekte des renommierten Entwicklerstudios. Spieler, die Hunderte von Stunden in ihre Charaktere investiert haben, verlieren nun den Zugang zu ihren Fortschritten und der virtuellen Welt von Bastion.
Ein leises Ende für ein lautes Versprechen
Am Morgen des 12. Januar war es noch möglich, sich in die Welt von Anthem einzuloggen. Doch im Laufe des Tages wurden die Verbindungen gekappt. Eine offizielle, genaue Uhrzeit für die Abschaltung wurde von Electronic Arts nie kommuniziert, was bei vielen Spielern für Unsicherheit sorgte. Die Abschaltung erfolgte ohne ein spezielles In-Game-Event oder eine letzte Nachricht an die verbliebenen Fans – ein stiller Abschied für ein Spiel, das einst mit großen Erwartungen gestartet war.
Anthem wurde ursprünglich im Februar 2019 veröffentlicht. Es sollte BioWares Antwort auf erfolgreiche Live-Service-Spiele wie Destiny sein. Mit seinen beeindruckenden Javelin-Exo-Anzügen und einer visuell atemberaubenden Spielwelt zog es anfangs viele Spieler in seinen Bann. Das Fluggefühl und die dynamischen Kämpfe wurden oft als herausragend gelobt.
Was war Anthem?
Anthem war ein Online-Multiplayer-Action-Rollenspiel, das von BioWare entwickelt und von Electronic Arts veröffentlicht wurde. Spieler schlüpften in die Rolle von Freelancern, die mächtige Exo-Anzüge namens Javelins steuerten, um die Menschheit in einer unvollendeten, chaotischen Welt zu schützen. Das Spiel setzte auf ein Live-Service-Modell, das kontinuierlich neue Inhalte liefern sollte.
Trotz des vielversprechenden Konzepts litt das Spiel von Beginn an unter technischen Problemen, einem Mangel an Inhalten im Endgame und einem unbefriedigenden Lootsystem. Diese Kritikpunkte führten schnell zu einem Rückgang der Spielerzahlen.
Die Community nimmt Abschied
In den Tagen und Stunden vor der Abschaltung füllten sich Online-Foren wie das Anthem-Subreddit mit Abschiedsnachrichten. Spieler teilten Screenshots ihrer individuell gestalteten Javelins, posteten Videos von ihren letzten Flügen durch die Dschungelwelt von Coda und erinnerten sich an die positiven Aspekte des Spiels.
Ein wiederkehrendes Motiv in den Beiträgen war das Motto des Spiels: „Zusammen sind wir stark“. Viele Nutzer drückten ihre Dankbarkeit für die gemeinsamen Erlebnisse und die entstandenen Freundschaften aus. Es ist ein bittersüßer Abschied von einer Community, die bis zuletzt die Hoffnung auf eine Wende nicht aufgegeben hatte.
„Es war eine Ehre, Freelancer. All diese Momente werden in der Zeit verloren gehen, wie Tränen im Regen“, schrieb ein Nutzer und zitierte damit den Film Blade Runner – eine passende Metapher für die Vergänglichkeit digitaler Welten.
Die Beiträge zeigen eindrucksvoll die emotionale Bindung, die Spieler zu ihren digitalen Charakteren und Welten aufbauen können. Die Tatsache, dass personalisierte Helden, in die unzählige Stunden investiert wurden, nun für immer verschwinden, ist für viele ein ernüchternder Gedanke.
Vom Hype zur Abschaltung: Eine kurze Chronik
- Veröffentlichung: 22. Februar 2019
- Ankündigung des Reworks (Anthem 2.0): Februar 2020
- Einstellung des Reworks: Februar 2021
- Entfernung aus digitalen Stores: Juli 2025
- Server-Abschaltung: 12. Januar 2026
Der gescheiterte Neustart: Anthem 2.0
Nach dem schwierigen Start kündigte BioWare Pläne für eine umfassende Überarbeitung des Spiels an, die intern als „Anthem NEXT“ oder „Anthem 2.0“ bekannt war. Ein kleines Team arbeitete daran, die Kernsysteme wie Loot, Ausrüstung und die Spielstruktur von Grund auf zu erneuern. Die Community setzte große Hoffnungen in dieses Projekt, das dem Spiel eine zweite Chance geben sollte.
Im Februar 2021 gab BioWare jedoch bekannt, dass die Entwicklung an Anthem 2.0 eingestellt wird. Als Gründe wurden die Herausforderungen durch die COVID-19-Pandemie und der Wunsch genannt, sich auf andere große Franchises wie Dragon Age und Mass Effect zu konzentrieren. Diese Entscheidung besiegelte praktisch das Schicksal von Anthem.
Für viele Beobachter der Branche ist das Scheitern von Anthem ein Lehrstück über die Risiken von Live-Service-Spielen. Der Druck, kontinuierlich hochwertige Inhalte zu liefern und gleichzeitig technische Stabilität zu gewährleisten, ist enorm. Anthem konnte diesen Erwartungen nie vollständig gerecht werden.
Die Zukunft von reinen Online-Spielen
Die Abschaltung der Anthem-Server wirft erneut eine grundlegende Frage auf: Was passiert mit digitalen Spielen, wenn ihre Infrastruktur nicht mehr unterstützt wird? Im Gegensatz zu traditionellen Einzelspieler-Titeln, die auch offline spielbar sind, werden reine Online-Spiele unbrauchbar, sobald die Server vom Netz gehen.
Für Spieler bedeutet dies, dass ihre gekauften Produkte und ihre investierte Zeit eine begrenzte Haltbarkeit haben. Die Konservierung von Videospielen als Kulturgut wird dadurch zu einer immer größeren Herausforderung. Während die Community von Anthem Abschied nimmt, bleibt die Diskussion über die Vergänglichkeit digitaler Erlebnisse und die Verantwortung der Publisher für ihre Produkte aktuell.
Das Ende von Anthem ist somit mehr als nur die Abschaltung eines weiteren Spiels. Es ist eine Mahnung, dass in der digitalen Welt nichts für die Ewigkeit gebaut sein muss – selbst wenn es sich um ganze Welten handelt.





