Amazon und BioWare haben neue Details zur kommenden „Mass Effect“-Fernsehserie bekannt gegeben. Die Serie wird eine völlig neue Geschichte erzählen, die nach den Ereignissen der ursprünglichen Spieltrilogie angesiedelt ist. Commander Shepard, die ikonische Hauptfigur der Spiele, wird dabei nicht im Mittelpunkt stehen, was weitreichende Fragen für die Zukunft des Universums aufwirft.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Amazon-Serie wird eine neue, eigenständige Geschichte im Mass-Effect-Universum erzählen.
- Die Handlung ist zeitlich nach den Ereignissen von „Mass Effect 3“ angesiedelt.
- Commander Shepard wird nicht die Hauptfigur sein, um die persönlichen Spielerfahrungen zu wahren.
- Die Macher müssen sich für eines der umstrittenen Spielenden als kanonische Grundlage entscheiden, was die Galaxie nachhaltig beeinflusst.
Eine neue Ära für das Mass-Effect-Universum
Fans der gefeierten Science-Fiction-Reihe „Mass Effect“ erhielten kürzlich neue Einblicke in die geplante Serienadaption von Amazon. In einem Blogbeitrag bestätigte Mike Gamble, Executive Producer bei BioWare, die enge Zusammenarbeit mit dem Streaming-Dienst. Er enthüllte zwei entscheidende Details, die die Richtung der Serie vorgeben.
Die Serie wird keine direkte Nacherzählung der Spiele sein. Stattdessen haben sich die Autoren für eine originelle Handlung entschieden. Dieser kreative Freiraum ermöglicht es, neue Charaktere und Konflikte zu etablieren, ohne an die vorgegebenen Pfade der Spielvorlage gebunden zu sein.
Noch überraschender ist die zeitliche Verortung: Die Geschichte spielt irgendwann nach dem Ende von „Mass Effect 3“ und dem Sieg über die Reaper. Damit betritt die Serie erzählerisches Neuland und beleuchtet eine bisher unbekannte Epoche in der Milchstraßengalaxie.
Hintergrund: Das Mass-Effect-Universum
Die „Mass Effect“-Trilogie (2007–2012) ist eine epische Science-Fiction-Rollenspielsaga, in der die Spieler die Rolle von Commander Shepard übernehmen, um die Galaxie vor einer alten Maschinenrasse, den Reapern, zu retten. Ein zentrales Merkmal der Spiele sind die weitreichenden Entscheidungen, die den Verlauf der Geschichte und das Schicksal ganzer Zivilisationen beeinflussen.
Abschied von Commander Shepard
Eine der wichtigsten Informationen ist, dass Commander Shepard nicht der Protagonist der Serie sein wird. Diese Entscheidung wurde bewusst getroffen, um die einzigartigen Erfahrungen der Spieler zu respektieren. Millionen von Fans haben ihre eigene Version von Shepard erschaffen – männlich oder weiblich, moralisch vorbildlich oder rücksichtslos.
Mike Gamble begründete diesen Schritt im Blogbeitrag direkt. Er betonte, dass die Geschichte von Shepard die Geschichte der Spieler sei. Eine Verfilmung würde unweigerlich eine bestimmte Version des Charakters und seiner Entscheidungen als allgemeingültig festlegen.
„Schließlich ist das EURE Geschichte, nicht wahr?“, schrieb Gamble und unterstrich damit die Bedeutung der individuellen Spielerfahrung.
Indem die Serie neue Charaktere in den Vordergrund rückt, umgeht sie das Dilemma, eine für alle Fans gültige Shepard-Erzählung schaffen zu müssen. Gleichzeitig eröffnet dies die Möglichkeit, das Universum aus einer frischen Perspektive zu erkunden.
Die große Frage: Welches Ende ist Kanon?
Die Entscheidung, die Handlung nach „Mass Effect 3“ anzusiedeln, stellt die Serienmacher vor eine gewaltige Herausforderung: Sie müssen sich für eines der drei grundverschiedenen und unter Fans kontrovers diskutierten Enden der Spieltrilogie entscheiden. Jedes dieser Enden hat drastische und unumkehrbare Auswirkungen auf den Zustand der Galaxie.
Die möglichen Szenarien, die als Grundlage für die Serie dienen könnten, unterscheiden sich fundamental:
- Zerstörung (Rot): Shepard vernichtet die Reaper und alles synthetische Leben in der Galaxie. Dies würde bedeuten, dass Völker wie die Geth ausgelöscht wären und künstliche Intelligenzen neu entwickelt werden müssten.
- Kontrolle (Blau): Shepard opfert seinen Körper, um die Kontrolle über die Reaper zu übernehmen und wird zu einer Art galaktischem Wächter. Die Reaper-Armada bliebe als mächtige, aber nun friedliche Kraft erhalten.
- Synthese (Grün): Organisches und synthetisches Leben werden auf DNA-Ebene zu einer neuen Hybridform verschmolzen. Dies würde die Gesellschaften der gesamten Galaxie von Grund auf verändern.
Eine unumgängliche Entscheidung
Unabhängig davon, welches Ende die Serie als kanonisch etabliert, wird es die Erwartungen eines Teils der Fangemeinde enttäuschen. Die Wahl wird die grundlegenden Regeln und Machtverhältnisse im Serienuniversum definieren und festlegen, welche Spezies und Technologien nach dem Reaper-Krieg überhaupt noch existieren.
Was bedeutet das für die Zukunft?
Mit einer neuen Geschichte und neuen Charakteren positioniert sich die Amazon-Serie als Erweiterung des bekannten Universums, nicht als bloße Wiederholung. Während viele Fans auf ein Prequel gehofft hatten, das den ersten Kontakt der Menschheit mit außerirdischem Leben zeigt, wählt Amazon einen mutigeren Weg in die Zukunft.
Die Serie hat das Potenzial, die Lücke zwischen der ursprünglichen Trilogie und dem 600 Jahre später angesiedelten Spiel „Mass Effect: Andromeda“ zu füllen. Sie könnte zeigen, wie sich die galaktische Zivilisation von einem verheerenden Krieg erholt, wie die Massenportale – das primäre Transportsystem – wieder aufgebaut werden und welche neuen Konflikte in einer Welt ohne die Reaper-Bedrohung entstehen.
Obwohl noch viele Details unbekannt sind, ist eines klar: Die „Mass Effect“-Serie wird eine der am intensivsten diskutierten Videospieladaptionen der kommenden Jahre sein. Die Entscheidungen der Autoren werden nicht nur eine neue Geschichte formen, sondern auch das Erbe einer der beliebtesten Spielereihen aller Zeiten neu definieren.





